Lazuli - Saison 8

Lazuli- Saison 8

L'Abeille Rôde
VÖ: 20.03.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Netflix & thrill

Nach "Binge watching" nun auch "Binge listening"? Wenn es nach dem französischen Quintett Lazuli geht, wird dieser Begriff ebenfalls eine Trendwelle erleben. Schließlich ist dessen achtes Album "Saison 8" dem Aufbau einer Serienstaffel nachempfunden. Jeder der – man ahnt es – acht Songs also eine Folge in sich. Zumindest geizen sie nicht mit Plot Twists und parallelen Handlungssträngen – und ein Genre ist schon mal gar nicht klar auszumachen. Die Strukturen borgen sie sich vom Progressive Rock, vom Folk gibt es naturverbundene Lyrik und die variantenreiche Instrumentierung, inklusive einer selbst erfundenen "Léode". Das ist ein Mischling aus Gitarre und Synthesizer, sieht irre aus und besitzt eine interessante Entstehungsgeschichte. Wenn sich Lazuli richtig in einen Höhepunkt hineinsteigern möchten, leihen sie sich vom Metal Tempo und Blastbeats. Elektro-Sperenzchen gibt es gratis dazu. Und der hymnische Refrain von "Mes amis, mes frères" könnte mit etwas mehr Politur auch von einer vokalstarken Pop-Diva vorgetragen werden.

Wie es sich für eine gelungene Staffel gehört, setzt gleich der Opener "J'attends un printemps" ein Ausrufezeichen. Das perlende Klavier, das ein wenig nach dem titelgebenden Frühling klingt, bekommt von der angeschrägten Gitarre ein paar Kniffe in die Seite, bevor sich ein Instrument nach dem anderen dazugesellt. Die Klimax ist dann schon beinahe nicht von dieser Welt, wenn alles in einem wirbelnden Sog umherschwirrt. Beeindruckend auch die Ausdruckskraft von Vokalist Dominique Leonetti, der trotz seiner bärtigen Erscheinung eine überraschend feminine Stimmfärbung besitzt. Ebenso überzeugen die komplex, aber nie unnötig kompliziert aufgebauten Songs, die wie gute Serienepisoden gemächlich beginnen und sich stetig intensivieren. Handlungsfäden werden an unterschiedlichen Enden gespannt, verdichten sich und treffen mit Wucht aufeinander. So würde man nie vermuten, dass aus dem ominösen Zirpen und dem lieblichen Klavier von "Les côtes" zum Finale ein derart intensiver und mitreißender Rock-Part werden würde. Kein Wunder: Lazuli sind seit zwei Jahrzehnten aufeinander eingespielt, das hört man "Saison 8" auch an.

Den Zeigefinger kann man höchstens in der Hinsicht heben, dass die zweite Hälfte in der Spannung etwas nachlässt, obwohl es doch die besten TV-Stories genau andersherum machen. Dass sich aber auch weiter hinten noch ein "Mes semblables" findet, das Poppigkeit mit schiefen Taktverschiebungen mühelos kombiniert, spricht für das Können der Franzosen. Überhaupt liegt der größte Reiz in der Dualität der Songs: nie ganz düster, nie ganz aufgehellt, sondern ständig kippend in der Stimmung. Dass "Saison 8" mit dem sehr schönen "Les 4 mortes saisons" kein bombastisches Finale, sondern den Weg einer akustischen Ballade mit sanftem Brummen wählt, signalisiert nur, dass Lazuli verstanden haben, welche unterschiedlichen Gesetze für Musik und für Film gelten. Der Vorteil an der Sache: Im Gegensatz zu den meisten Serien lässt sich "Saison 8" deutlich öfter wiederholt goutieren.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • J'attends un printemps
  • Un linceul de brume
  • Les côtes

Tracklist

  1. J'attends un printemps
  2. Un linceul de brume
  3. Mes amis, mes frères
  4. Les côtes
  5. Chronique canine
  6. Mes semblables
  7. De deux choses lune
  8. Les 4 mortes saisons

Gesamtspielzeit: 42:55 min.

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User Beitrag
ts
2018-03-14 22:05:23 Uhr
Freut mich, dass ihr Lazuli entdeckt habt und diese Band auf eurer Seite verewigt habt. Die Rezension beschreibt das Album auch wirklich gut.

Einen kleinen Schönheitsfehler hat sie allerdings: Die Band um die Brüder Dominique und Claude Leonetti existiert mit diesem Lineup "erst" seit 8 Jahren, seit dem Album '4603 Battements'.

Armin

Postings: 12923

Registriert seit 08.01.2012

2018-03-14 17:30:32 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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