Between The Buried And Me - Automata I

Between The Buried And Me- Automata I

Sumerian / Warner
VÖ: 09.03.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Traum und Zeit

Serien-Fans kennen das Dilemma: Kaum ist die komplette erste Staffel erfolgreich binnen eines Wochenendes gebinged, heißt es Warten, Warten, Warten. In dieser Zeit des Darbens steigert sich die Vorfreude bis ins Unermessliche, bis sie sich erneut in einer marathonesken Couch-Orgie entlädt. Ähnlich verhält es sich bei Konzeptalben, die in mehrere Teile unterteilt werden. Fans von Between The Buried And Me erinnern sich an den "Parallax"-Zweiteiler. Nun tun es die Altmeister zwischen Prog-Metal und Mathcore erneut. Dabei kommt das mittlerweile achte Studioalbum "Automata I" nur auf eine gute halbe Stunde Spielzeit. Zum Vergleich: Die letzen Alben "Colors", "The great misdirect", "The Parallax II: Future sequence" and "Coma ecliptic" durften sich jeweils auf über einer Stunde Laufzeit entfalten. Lohnt sich nun das Warten auf den zweiten Teil von "Automata"? Was kommt danach? Und wann? Und warum zum Teufel – wenn nicht gar aus vermarktungstechnischer Durchtriebenheit – ist das Konzeptalbum nicht auf einer verdammten Platte? Möchte man Antworten auf diese Fragen haben, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich "Automata I" zu Gemüte zu führen. Spoiler: Es lohnt sich.

Wie es sich anfühlt, wenn die eigenen Träume zur Belustigung einem Millionenpublikum gezeigt werden, ist das zentrale Thema dieses Konzeptalbums – und könnte genausogut einer Episode der Netflix-Serie "Black mirror" entnommen sein. Wer bei der Thematik an eine düstere Zukunftsversion von "The Truman Show" denkt, kommt dieser dystopischen Vorstellung recht nahe. Und was steckt musikalisch dahinter? Seit ihrem selbstbenannten Debüt haben sich Between The Buried And Me auf die Fahnen geschrieben, Genre-Grenzen zu verschieben. "Wir wollen uns niemals wiederholen", bestätigt Gitarrist Paul Waggoner den Eigenanspruch. "Wir pushen uns in neue Situationen, ohne unseren typischen Sound zu verlieren." Hört man auch: Das gewaltige Mathcore-Geknüppel des Openers "Condemned to the gallows", das sich aus einer intimen Akustik-Passage herausschält, erinnert beispielsweise an das großartige "Colors" von 2007. Das hysterische "House organ" scheint einem manischen Fiebertraum entsprungen, beruhigt sich anschließend und lässt Platz für das fulminante "Yellow eyes". Tatsache: Kurzweilig, aber auch kurz ist das Ding, gerade mal sechs Tracks haben die Prog-Profis draufgepackt. Jedenfalls klingt es größer, bombastischer und gehaltvoller, als es eigentlich ist.

Auch wenn die komplexen Rhythmen auf den ersten Höreindruck vereinzelt zu Kopfkratzen und Stirnrunzeln beim Hörer führen mögen, die kunstvoll-detaillierten und hyper-melodischen Elemente entschädigen. Guter, alter Kontrastklang gehört nun mal zum Basis-Repertoire des Quintetts. Die stilistische Gesangspalette von Tommy Rogers scheint nahezu grenzenlos. Über all den technischen Finessen steht jedoch immer das Gesamtkonzept, welches sich deutlich durch die Platte zieht, sich den Ungeduldigen jedoch nicht gleich erschließt.

Aggression folgt auf Entspannung folgt auf Aggression. Erfrischend eingängig sind dabei die vertrackten Oldschool-Prog-Elemente, wie beim großartigen "Yellow eyes" geschickt kombiniert mit Metalcore-Riffing, energischen Vocals und wabernden Synth-Arpeggios. Letztere waren ja bereits beim Vorgänger "Coma ecliptic" herausragend. "Gold distance" fungiert als kurze Ambient-Verschnaufpause, bevor mit "Blot" ein gut zehnminütiges Prog-Monster anschließt. Und dann ist der erste Teil der komprimierten "Automata"-Serie auch schon wieder vorbei. Doch lange dauert das Warten nicht: Für diesen Sommer ist bereits der zweite Teil der angekündigt. Und nicht nur Prog-Heads werden dem Release freudig entgegenblicken.

(Felix Mildner)

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Highlights

  • Condemned to the gallows
  • Yellow eyes
  • Blot

Tracklist

  1. Condemned to the gallows
  2. House organ
  3. Yellow eyes
  4. Millions
  5. Gold distance
  6. Blot

Gesamtspielzeit: 35:10 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-03-14 17:27:42 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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