Aphex Twin - 26 mixes for cash

Aphex Twin- 26 mixes for cash

Warp / Zomba
VÖ: 24.03.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Geldschneiderei

Was haben eigentlich Philip Glass, Meat Beat Manifesto, Curve, Nine Inch Nails, Jesus Jones, Saint Etienne, Baby Ford, Mike Flowers Pops und Phillip Boas Voodooclub gemeinsam? Die heimliche Vorliebe für alberne Hüte? Ein obskures Gen? Einen ziemlichen Schuß in der Birne? Nein, versucht's noch mal! Niemand eine Idee? Nun, dann bringen wir doch einfach Richard D. James ins Spiel. Bekannter ist der wirre Brite ja eher unter seinem Pseudonym Aphex Twin. Na, klingelt's langsam? Genau, alle haben sich vom umtriebigsten Klangdeformierer unter der Neonsonne ihre Tracks zerlegen lassen. Für gutes Geld. "26 mixes for cash". Das ist ehrlich. Keine Geheimnistuerei, kein Bullshit.

Zahlreiche Legenden ranken sich um die Remixerei des Briten, der sich nicht jedem an die Masterbänder wirft. Björk, Limp Bizkit und sogar Madonna mußten mit leeren Händen von dannen ziehen. Und als er einen Auftrag der Lemonheads vergessen hatte, fischte James versehentlich einen Gabber-Track hervor, der gerade auf dem Schreibtisch herumlag, nicht ohne dem Empfänger zu verklickern, er habe lediglich ein paar Spuren etwas beschleunigt. Dieser sagenumwobene "Remix" ist aber ebensowenig hier vertreten wie die wahrlich brillante Frisurverunstaltung von Becks "Devil's haircut". Aber was soll's? Es gibt ja noch reichlich spannendes Material im Archiv.

Da wären zum Beispiel die beiden industriellen Rekonstruktionen zweier Tracks der Nine Inch Nails, die nur im Rechner entstanden sind, ohne daß James je die Originale (oder seine Mixe) gehört hätte. Oder der namenlose Track der Elektro-Altmeister 808 State, der die Rolands bedrohlich blubbern läßt. Oder die Verhedderung vom Fanta-4-Lieblingslied "Krieger", in der man um Thomas Ds geistige Gesundheit besorgt sein müßte, wüßte man nicht, daß Aphex Twin kräftig an den Spuren zerrt. Oder die hektische Stroboskop-Kur, die auf "Spotlight" der ohnehin gleichgesinnten Wagon Christ niederfährt. Oder das fast niedliche "Une femme n'est pas un homme" (The Beatniks), die unwirklichen Echos aus "Falling free" von Curve oder das lateinamerikanisch glitzernde "Journey" (Gentle People). Und die überirdische Heldentat an Bowies "Heroes" in der von Philip Glass dirigierten Version, für die James gerade mal vier Stunden hatte, bis die Masterbänder wieder in einen Schweizer Safe wanderten.

"26 mixes for cash" ist ein schauriges, zerfahrenes Stück Musik, das den Bogen spannt zwischen Electronic Listening, Hardfloor, Intelligent Techno, TripHop, Acid House, Trance, Big Beats, überspannter Disco und schlichtweg bizarrem Experiment. In allen denkbaren und undenkbaren Klangfarben schillert der Einfallsreichtum eines Mannes, der Fortschritt durch Sabotage sucht und Schönheit in der Verstümmelung findet. So schön können Alpträume sein. Nebenbei widerlegen diese verspulten Remixes auch noch den Aberglauben, daß Techno stumpfe Tanzmusik für dauergrinsende Pillenwerfer sei. Das Einzige, was hier grinst, ist die entstellte Fratze von Aphex Twin. Come to Daddy.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Time to find me (AFX fast mix) (Seefeel)
  • Journey (Aphex Twin care mix) (Gentle People)
  • Heroes (Aphex Twin remix) (Philip Glass)
  • Zeros and ones (Aphex Twin reconstruction #2) (Jesus Jones)
  • At the heart of it all (Created by Aphex Twin) (Nine Inch Nails)

Tracklist

  • CD 1
    1. Time to find me (AFX fast mix) (Seefeel)
    2. Raising the Titanic (Big drum mix) (Gavin Bryars)
    3. Journey (Aphex Twin care mix) (Gentle People)
    4. Triachus (Mix by Aphex Twin) (Kinesthesia)
    5. Heroes (Aphex Twin remix) (Philip Glass)
    6. In the glitter, Part 2 (Aphex Twin mix) (Buck Tick)
    7. Zeros and ones (Aphex Twin reconstruction #2) (Jesus Jones)
    8. Ziggy (Aphex Twin mix #1) (Nav Katze)
    9. Your head my voice (Voix revirement) (Saint Etienne)
    10. Change (Aphex Twin mix #2) (Nav Katze)
    11. Une femme n'est pas un homme (Aphex Twin mix) (The Beatniks)
    12. The beauty of being numb, Section B (Created by Aphex Twin) (Nine Inch Nails)
    13. Let my fish loose (Aphex Twin remix) (Nobukazu Takemura)
  • CD 2
    1. Krieger (Aphex Twin baldhu mix) (Die Fantastischen Vier)
    2. Deep in velvet (Aphex Twin turnips mix) (Phillip Boa & The Voodoo Club)
    3. Falling free (Aphex Twin remix) (Curve)
    4. We have arrived (Aphex Twin QQT mix) (Mescalinum United)
    5. At the heart of it all (Created by Aphex Twin) (Nine Inch Nails)
    6. Remix By AFX (808 State)
    7. Windowlicker (Acid edit)
    8. Normal (Helston flora remix by AFX) (Baby Ford)
    9. SAW2 CD1 TRK2 (Original mix)
    10. Mindstream (The Aphex Twin remix) (Meat Beat Manifesto)
    11. You can't hide your love (Hidden love mix) (DMX Krew)
    12. Spotlight (Aphex Twin mix) (Wagon Christ)
    13. Debase (Soft palate) (Mike Flowers Pops)

Gesamtspielzeit: 139:01 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
stativision
2005-05-01 20:04:18 Uhr
nö, bin froh, dass es diese institution gibt.
cds23
2005-05-01 18:46:50 Uhr
allmusic.com ist ja wohl der letzte scheiß...
Adrian
2003-04-10 18:30:09 Uhr
Aber wer außer Pitchforkmedia hat schon immer recht?
Tiny Mixtapes Gone To Heaven?
der gott des forums
2003-04-10 18:28:48 Uhr
ich!
Oliver Ding
2003-04-10 18:24:37 Uhr
Wobei man allmusic.com-Kritiken meiner Erfahrung nach nicht unbedingt immer ernst nehmen kann. Aber wer außer Pitchforkmedia hat schon immer recht? ;-)
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