Ministry - AmeriKKKant

Ministry- AmeriKKKant

Nuclear Blast / Warner
VÖ: 09.03.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Genug ist genug

Er hätte es sich ja einfach machen können. Einfach irgendwo in Rente gehen, den nahenden Ruhestand genießen, den er, Al Jourgensen, aufgrund seiner Drogen- und Alkoholsucht beinahe nicht erlebt hätte. Doch nun marschiert Jourgensen auf die Sechzig zu – man mag es gar nicht glauben – und ist angepisst. Richtig angepisst. Der Grund ist klar, natürlich die Person, die aus immer noch unerfindlichen Gründen seit etwas mehr als einem Jahr der 45. Präsident der Vereinigten Staaten ist. Und das echauffiert Jourgensen dermaßen, dass er sogar Ministry reaktiviert hat, die Band, die er offiziell schon 2007 mit "The last sucker" zu Grabe tragen wollte und dennoch seitdem mit mal mehr, mal weniger essenziellen Releases im Gespräch hält. Nun also doch: ein neues Studio-Album. Zu, naja, Ehren von Donald John Trump.

Wir erinnern uns: Zu den großartigsten Platten von Ministry gehören diejenigen, die zu Zeiten der Präsidentschaft eines Mitglieds der Bush-Familie entstanden sind, egal ob Vater oder Sohn. "AmeriKKKant" müsste nach dieser Logik also ein Granaten-Album werden, oder? Und das ist es in der Tat zu großen Teilen, so viel steht früh fest. Zumal die fazialpalmierende Freiheitsstatue auf dem Cover mal ein echter Brüller ist. Und das beißende "I know words" stellt den wohl unbeliebtesten POTUS seit Weißdergeier vollkommen zu Recht als retardierten Kretin dar und zeigt, dass wohl niemand außer Jourgensen imstande ist, Wortfetzen so schlüssig zusammenzusampeln, dass sie wie aus einem Guss erscheinen. Fake News? Fake Quotes trifft es, aber das zielsicher.

Tonnenschwer walzt "Twilight zone" alles nieder, reißen zähflüssige Riffs alles mit, zerren an den Nerven. Bis sie in den letzten zwei Minuten wirklich nerven. Das folgende "Victims of a clown", gar 15 Sekunden länger, zeigt dann mit grotesken Samples und einer barbarischen Hook, die sowas wie ein Refrain sein könnte, dass es nicht zwingend unmenschlichen Speed wie in früheren Jahren braucht, um eine effiziente Soundwand zu bauen, die Trumps feuchten Traum, die Mauer zu Mexiko, wie ein lustiges Gartenpförtchen aussehen lässt. Und wer wirklich Vollgas braucht, bekommt es beim schrillen "Antifa" umso vehementer. Im Grunde genommen ist "AmeriKKKant" eine starke Platte, ein Ventil für den unbändigen Zorn Jourgensens, der Dank der Tatsache, endlich seine eigenen Dämonen in den Griff bekommen zu haben, so durchdacht und dadurch bösartig zu Werke geht wie lange nicht.

Nur hat "AmeriKKKant" ein großes Problem. Dieses Problem ist etwas mehr als 25 Jahre als und heißt "Psalm 69". Nun wird die Zeit zeigen, ob der dort reichlich verewigte George H.W. Bush oder eben Trump die größere Reizfigur ist. Aber genau wegen dieser Abrechnung muss der Bandklassiker als Referenz herhalten und zeigt Ministry auf dem absoluten Höhepunkt des Schaffens – ein Vergleich, den "AmeriKKKant" niemals gewinnen kann. Doch auch wenn früher natürlich immer und grundsätzlich alles besser war, darf man Jourgensen zugute halten, dass diese Platte so ziemlich alles in den Schatten stellt, was Ministry seit vielen Jahren veröffentlicht haben. Doch sorry, Al: Das bedeutet noch lange nicht, dass wir uns für 2020 die Wiederwahl Trumps wünschen, nur damit Du ein noch stärkeres Album produzierst.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Victims of a clown
  • Antifa

Tracklist

  1. I know words
  2. Twilight zone
  3. Victims of a clown
  4. TV 5-4 chan
  5. We're tired of it
  6. Wargasm
  7. Antifa
  8. Game over
  9. AmeriKKKa

Gesamtspielzeit: 48:01 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Fakt
2018-06-24 11:42:34 Uhr
Al ist ein in Kuba geborener Junkie, der sich über die Jahre sein Hirn rausgedrogt hat...
@junkie
2018-06-24 08:01:43 Uhr
genau...oi!
Never trust a junkie
2018-06-24 05:50:02 Uhr
Dass Al links ist, war schon immer klar. Doch deshalb muss man ja nicht mit den vermummten Krawallbrüdern sympathisieren. Peinlicher Song.

Etwas albern wirds, wenn er den Song im Interview zu erklären versucht. Und davon faselt, er hätte ja nichts mit Gruppierungen, die strikten Ideologien folgen, am Hut.

https://www.youtube.com/watch?v=XZormHXjp8M
@Antifaschistische Aktion e.V.
2018-06-24 00:17:28 Uhr
Bitte genauer mit der Geschichte der Antifa befassen...dann nicht mehr so einen Unfug posten!

Antifa-Plakat, 1932:
https://de.wikipedia.org/wiki/Antifa#/media/File:Antifa_Her_zu_uns.svg
Antifaschistische Aktion e.V.
2018-06-23 23:41:16 Uhr
SA marrrschierrrt...!
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