Haley Heynderickx - I need to start a garden

Haley Heynderickx- I need to start a garden

Mama Bird / Al!ve
VÖ: 02.03.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Tomaten im Metoritenregen

"Doom folk" nennt sie ihre Musik. Ja, Haley Heynderickx hat ein Faible für den Untergang. Nicht für den deutschen Bunkerfilm, sondern für das Ende von allem. So ist es reichlich zynisch, dass sie zuvor noch die Beete bepflanzen möchte. Wie sehen eigentlich Tomatenstauden im Feuermeteoritenregen aus? Ungefähr so, wie sich "I need to start a garden", das Debüt der Singer-Songwriterin aus Portland, anhört: lieblich, hübsch, aber eben auch infernal.

So kämpft sich Heynderickx in acht Titeln durch wilde Schlachten zwischen Hoffnung und Resignation. Man darf dabei an Frances Quinlan von Hop Along denken, die sich stimmlich im selben Spannungsfeld bis aufs Äußerste verausgabt. Heynderickx' Organ kraxelt zwar weniger durch Berg und Tal, die Tempi-, Rhythmus- und Stimmungswechsel ihrer meist von der Gitarre getragenen Musik dafür umso mehr, gesanglich ist sie eher bei Leslie Feist. Vielleicht lässt sich deren Song "Graveyard" von "Metals" herausgreifen, um Heynderickx' Werk mit bereits Bekanntem nahezukommen: Von zittrig sanften Tönen über eine würdevolle Feierlichkeit bis hin zur stürmischen Widerspenstigkeit vereint "I need to start a garden" alles.

Wenn man dabei einen Titel besonders hervorheben möchte, so sei das fast achtminütige "Worth it" genannt, das sich im übertragenen Sinne vom Himmel in die Hölle windet und wieder zurückfindet. Leise geht es los, dann will irgendein Arschloch Heynderickx in eine Kiste sperren, die Sängerin wehrt sich mit Händen und Füßen, der Track nimmt Fahrt auf, flacht wieder ab und endet im psychedelischen Percussion-Gewitter. Ebenso großartig "Untitled God song", dessen Slide-Gitarre sich ins Herz fräst wie auch die Bläser im letzten Songdrittel, die auch schon in "The bug collector" auftrumpfen. Smoother wird es in "Oom sha la la", das auch die Aussage des Albumtitels beinhaltet. Die Milch ist sauer, das ganze Leben erscheint irgendwie lächerlich, Zeit also, den Hintern in die Höhe zu bekommen. Quintessenz: Heynderickx wird zur Gärtnerin. Da kommt sie schon mal vom Singen ins Keifen. Ermächtigung ist das Stichwort, wo sie im Opener "No face" doch noch machtlos war.

Die junge US-Amerikanerin mit den den philippinischen Wurzeln wuchs in einem religiösen Haushalt auf und wie viele Menschen, die in einem solchen Umfeld groß wurden – vergleiche etwa Father John Misty – hat sie nach der Abnabelung vom Elternhaus damit zu ringen, herauszufinden, wer sie ist, wer sie sein will und wo sie in dieser kaputten Welt Ankerpunkte findet. Mit "I need to start a garden" legt sie diesen Weg auf eindrucksvolle Weise offen – und der Hörer freut sich, daran teilhaben zu dürfen.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Worth it
  • Untitled God song
  • Oom sha la la

Tracklist

  1. No face
  2. The bug collector
  3. Jo
  4. Worth it
  5. Show you a body
  6. Untitled God song
  7. Oom sha la la
  8. Drinking song

Gesamtspielzeit: 30:53 min.

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Armin

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2018-03-02 13:58:16 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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