Buffalo Tom - Quiet & peace

Buffalo Tom- Quiet & peace

Schoolkids / H'Art
VÖ: 02.03.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Alten haben das Wort

Normalerweise ist es ja so, dass man ständig daran erinnert wird, wie scheiße alt man inzwischen geworden ist. Man stellt entsetzt fest, wie lange die sensationellen Abende, an die man sich erinnert, als ob sie letzte Woche erst stattgefunden hätten, mittlerweil schon her sind. Die Freundinnen und Freunde heiraten reihenweise, überall werden Kinder gezeugt, Häuser gebaut und wird an der eigenen Altersvorsorge herumgewerkelt. Die Kids wollen nicht mehr Austronaut, sondern YouTuber werden, überall kotzen Menschen ihre aufgeblasenen Egos in irgendwelche Fitnessblogs, Fidget-Spinner sind für ein paar Wochen das heißeste Zeug. Und man selbst versteht die Welt nicht mehr und klebt sich in feierlichem Protest einen Chiquita-Aufkleber auf die Stirn. Kurz bevor man die verbotenen Worte "Früher war alles besser" denkt, gibt man sich aber doch selber eine Backpfeife und verwirft derlei alberne Gedanken. Dennoch ist es doch gut, dass es noch Bands wie Buffalo Tom gibt.

Schaut man bei denen mal kurz genauer hin, merkt man, wie jung man in Wirklichkeit ist. Nein, das meint natürlich nicht, dass Buffalo Tom irgendwie alt aussehen würden. Aber hey: Als die Band gegründet wurde, war der Verfasser dieser Zeilen noch nicht einmal geboren. Da fühlt man sich doch gleich jung und vital und löscht Runtastic vom Handy. Und alle so: Yeah! Jung und vital sehen übrigens Buffalo Tom nach über drei Jahrzehnten auch immer noch aus. Und was viel wichtiger ist: Die klingen auch noch immer so. Allerdings nicht, ohne sich die Vorzüge von vielen Jahren Erfahrung inklusive Comeback ins Boot zu holen. Das macht dann – wie eigentlich immer – eine gute Runde College-Rock fernab von jeglicher Aufgeregtheit oder Naivität. Eine Mischung, ohne die ein Song wie zum Beispiel "Lonely fast and deep" völlig unmöglich wäre. Da wissen alle Beteiligten ganz genau, was sie tun, da sitzt jede Note an ihrem Platz, und da wird kein Stück mehr Wirbel gemacht, als unbedingt gebraucht wird. Man will ja nicht unnötigerweise auffallen. Hat man ja auch gar nicht nötig. Für Effekthascherei sind eben noch immer andere zuständig.

Buffalo Tom wollen auch auf der neunten Rutsche immer noch nur spielen. Sei es im fulminanten Opener "All be gone", der mitsamt Bonusorgel mit so viel Freude den Vorhang zur Seite schiebt, dass man zu Hause gleich das Gleiche tun will, sei es im dezent versponnen "Catvmouse", sei es in der rundherum gelungenen Ballade "See high the hemlock grows". Aus jeder Ecke quillt die Freude an der Musik, die Lust auf diese neuen Songs, das Wissen, wie so ein Buffalo-Tom-Stück zu klingen hat. Was mancher arg routiniert finden mag, ist dabei nicht recht viel mehr als das Zeichen einer beeindruckenden Konstanz. Noch immer ist es dieser Band nicht möglich, einen wirklich schlechten Song zu schreiben, noch immer stellen Buffalo Tom ihren Hörern das eigene Schaffen am liebsten als guten, verlässlichen Freund zur Seite. Wer unbedingt will, kann vielleicht über die Sequenzierung meckern, die gegen Ende des Albums überproportional viele Balladen anhäuft. Oder es einfach sein lassen, die Heirater, Häuslebauer, Fidget-Spinner und Bananenaufkleber ein für allemal vergessen und sich über 14 Songs freuen, die Kategorien wie "jung" und "alt" überflüssig werden lassen.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • All be gone
  • Roman cars
  • Lonely fast and deep
  • See high the hemlock grows

Tracklist

  1. All be gone
  2. Overtime
  3. Roman cars
  4. Freckles
  5. Catvmouse
  6. Lonely fast and deep
  7. See high the hemlock grows
  8. In the ice
  9. Least that we could do
  10. Slow down
  11. Only living boy in New York
  12. The seeker
  13. Saturday
  14. Little sister (why so tired)

Gesamtspielzeit: 50:27 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-03-13 17:42:27 Uhr - Newsbeitrag
BUFFALO TOM

Jüngst erst waren BUFFALO TOM bei ausverkauften Touren in den USA und in England zu sehen, als man das 25jährige Jubiläum ihres Alternative-Rock-Meisterwerkes „Let Me Come Over“ feierte.

Vor wenigen Tagen ist nun mit „Quiet And Peace“ das jüngste Album der Bostoner Indielieblinge – das erste neue Werk seit sieben Jahren – erschienen.

Auf elf Songs zeigen Gitarrist und Sänger Bill Janovitz, Bassist und Sänger Chris Colbourn sowie Drummer Tom Maginnis noch einmal, warum sie echte Indie-Helden und nach wie vor verehrte Taktgeber der Szene sind. Melodie und Härte, schroffe Gitarren und ins Ohr gehende Melodien waren schon in den 90er Jahren die Markenzeichen der Band, die neben den Pixies, Lemonheads und Throwing Muses mit zu den wichtigsten Vertretern der Alternative-Szene Bostons gehörten. Dass BUFFALO TOM auch weichere Töne anschlagen können, zeigt das wunderbare Cover des Simon & Garfunkel-Songs "The Only Living Boy In New York" (siehe das Video dazu weiter unten).

Alben wie das erwähnte „Let Me Come Over“ von 1992, aber auch die folgenden „Big Red Letter Day“ (1993), „Sleepy Eyed“ (1995) und „Smitten“ (1998) sind kleine Meisterwerke und dürfen in keiner Sammlung des 90er Indierocks fehlen.

Produziert hat „Quiet And Peace“ - das Nachfolgealbum von „Skins, Quiet And Peace“ (2011) - der alte Kumpel David Minehan, gemixt hat es John Agnello, der auch hinter einigen der Arbeiten von Kurt Vile und Sonic Youth steckt.

„Für dieses Album wollte ich meinen beiden Kollegen Chris und Tom, Dave Minehans „Wolly Mammoth Studios“ in Waltham, Massachusetts zeigen“, sagt Bill Janovitz. „Dave ist eine lokale Legende, Gründer der famosen Neighborhoods, als er ein Teenager war. Später spielte er mit den Replacements und in Paul Westerbergs späterer Begleitband. Das „Wolly“-Studio hat mich sehr daran erinnert, was ich an wirklich relaxten Studios immer geliebt habe, ob nun „Fort Apache“ in Boston oder „Dreamland“ in Woodstock. Diese Räume waren verantwortlich für drei unserer ersten vier Alben, genauso wie für Dutzende anderer toller Projekte. „Wolly Mammoth“ ist ausserdem – genauso wie Fort Apache – voller Vintage Gitarren, antiker Amps und anderem altem Zeug.“

Buffalo Tom spielen eine exklusive Deutschland-Show am 29. November 2018 im Bi Nuu in Berlin.
Partyinthenaak
2018-03-12 15:15:26 Uhr
Buffalo Tom 7/10 (trotz dem obertollen "The bus")
Birdbrain 10/10
Let Me Come Over 10/10
Big Red Letter Day 10/10
Sleepy Eyed 8/10
Smitten 6/10 (trotz "Rachael" und, vor allem natürlich, "Wiser")
Three Easy Pieces 7/10
Skins 7/10
Quiet And Piece 5,5/10
Dando
2018-03-12 13:09:20 Uhr
Buffalo Tom 8/10
Birdbrain 8/10
Let Me Come Over 9/10
Big Red Letter Day 9/10
Sleepy Eyed 7/10
Smitten 7/10
Three Easy Pieces 6,5/10
Skins 6,5/10
Quiet And Piece 8/10
90er
2018-03-12 09:58:40 Uhr
Du wirst HIER doch nicht big red letter day mit diesem halbgaren Album vergleichen wollen??
Klaarmann
2018-03-11 13:01:41 Uhr
Schon jetzt ein Klassiker. 9.5/10
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