Raf Rundell - Stop lying

Raf Rundell- Stop lying

1965 / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 02.03.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Ende der Stange

Raf Rundell hat sein Zepter zur Seite gelegt: Vor etwas mehr als einem Jahr überzeugte die eine Hälfte des pfundigen Electronica-Duos The 2 Bears mit seinem Debüt-Minialbum "The adventures of Selfie Boy pt. 1", doch statt logischerweise einen zweiten Teil nachzuschieben, erscheint nun sein offizielles und vollwertiges Erstlingswerk "Stop lying", das mit schmalen 34 Minuten zwar auch nicht gerade üppig ausfällt, dafür aber den quatschigen Selfie-Stick an den Nagel hängt. Soundtechnisch indes bleibt der Brite weiterhin dem smoothen, ergonomisch geformten Electropop verpflichtet, der sich ganz und gar nicht um gute Melodien drückt, ihnen im Gegenteil sogar mit dem Hinterteil voran ins Gesicht springt. Autsch!

Der warme Bass von "Every morning" brummelt zu Beginn gleich verschlafen los, Rundell klingt wie so oft ein wenig verschnupft, was vielleicht am rauen britischen Klima liegt oder an der langen Nacht, von der er sich noch kaum erholt hat. Die im Hintergrund so unbeschwert trillernden Pfiffe lockern das Stück auf, gute Laune stellt sich hier postwendend ein. Heiter geht's weiter: "Within without" gibt sich als stoischer Ruhepol, der sich bei Kaffee und Süßgebäck sechs Minuten Zeit nimmt, um seine innere Mitte auszuloten. Rundell produziert auch auf seiner neuen Platte keine heiße, verschwitzte Clubmusik, sondern viel eher den Soundtrack für den entspannten Sonntagsbrunch. Auch wenn er freilich anders kann.

Seine Tracks lassen sich zumeist als herrlich blubbernde, quietschende Kleinode charakterisieren, nicht immer ganz ernst gemeint vielleicht, aber zum soulig angehauchten "Sweet cheeks" sollte man im besten Fall eben selbige kreisen lassen, da darf der Kopf ruhig mal auf Pause gestellt bleiben. "Ric Flair" bildet da im Albumkontext wohl schon die Ausnahme: Hier herrschen tief grollende Beats, die Atmosphäre ist dunkel, beinahe dystopisch. Der ehemals selbst ernannte Selfie-Boy wandert in diesem kargen Stück durch eine Elektroschrott-Landschaft, lässt den Blick schweifen, nickt her und da wissend.

Gegen Ende wird es noch mal richtig stark: "Falling out" erinnert in seiner synthlastigen Dringlichkeit an den groovenden Teil der Achtzigerjahre, baut über viele Minuten eine enorme Spannung auf, die bis zum Ende aufrecht erhalten wird. Sucht man auf dieser Platte nach einem Club-Track, so kommt dieser der Sache wohl am nächsten. Das abschließende "In control" klimpert ein letztes Mal in süßer Melancholie auf die Tasten, Beats bleiben aus, dafür ertönt ein mehrstimmiger Raf-Rundell-Chor, der seine Message mit Nachdruck verbreitet: Leute, lasst Euch Zeit, hetzt Euch nicht, bleibt entspannt. Und vor allem: Legt den verdammten Selfie-Stick weg!

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Every morning
  • Kinder nature
  • Falling out

Tracklist

  1. Stop lying
  2. Every morning
  3. Within without
  4. Kinder nature
  5. Sweet cheeks
  6. Ric Flair
  7. Accept & proceed
  8. Falling out
  9. In control

Gesamtspielzeit: 34:17 min.

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Armin

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2018-02-23 20:41:48 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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