Dita von Teese - Dita von Teese

Dita von Teese- Dita von Teese

Records Makers / Cargo
VÖ: 16.02.2018

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Semi-wichtig und halb-geil

Und wie sie sich in diesem glamourösen Electro-Pop suhlt, der so behäbig daher stampft, als wäre er direkt aus den 80ern entsprungen; wie sie grimassiert, sie, die meint, nackt auf der Bühne rumzuhüpfen empfände sie als weit behaglicher denn zu singen. Wo sie doch schon 2013 für Monarchys "Desintegration" und später in "Gucci coochie" von Die Antwoord, naja, zumindest eine Form von Gesang aus sich rauspresste. Dita von Teeses Schritt hin zur Musik ist womöglich nicht so kompliziert, wie sie selbst meint. Als Ex von Marilyn Manson war sie in dessen Musikvideos zu sehen, als Burlesque-Künstlerin kennt sie Bühnen und die vielen gaffenden Augen, die heute so gerne aufgereizt manipuliert werden im Pop, siehe Bühnenoutfits, Lyrics, überhaupt das ganze Drumherum. Hat das nicht also auch eine bestimmte Konsequenz, wenn das offenherzige Dekolleté in die Musik schunkelt, anstelle – wie notgedrungen – zu versuchen, die Musik über Barbusigkeit zu verkaufen?

Was erstmal auffällt, versucht man Dita von Teese als Figur zu verstehen und nicht als Körper zu betrachten, ist, ganz unverhohlen, das Wörtchen "wichtig". Die 45-Jährige wird als "wichtigste" Vertreterin des New Burlesque bezeichnet, egal ob im Rolling Stone oder der Süddeutschen Zeitung. Unmittelbar kommt die Frage auf, was daran wichtig sein kann, wenn sich jemand nackt auf der Bühne räkelt, wobei genau da einzuwenden wäre: Wer das mit erhobenem Haupt tut, sich bewusst dafür entscheidet, im Burlesque noch Humor und Diskretion dazu packt, damit spielt, was Zuschauer erwarten, erhoffen und dann erleben, für den könnte da eben wirklich eine Kunstform auszuleben sein, die auch mehr als Schabernack ist, was "burla" auf Italienisch letztlich bedeutet. Und dazu passt, wie sich von Teese kürzlich in einem Interview äußerte: "Wir mögen es, unsere Örtchen der Vielfalt und Akzeptanz zu haben. Das ist eines der Dinge, die ich an Burlesque am meisten liebe, die Feier der Weiblichkeit, der Geschlechtsreife, der verschiedenen Körperformen, der Ethnien und des verschiedenen Alters – das ist alles ein wirklich wichtiger Teil davon."

Nacktheit interpretiert Teese als feministisch. Sie erkennt darin ein Recht, das sie, in aller Extravaganz und Pose, gerne auslebt. Was man nicht vollends glauben muss. Worauf sie jedoch gerne pocht. Das hat insofern mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum zu tun, dass der französische Hipster Sébastien Tellier (mit etwas Hilfe seiner Frau) elf Songs geschrieben hat, die nach von Teese lechzen und gieren. Es geht in "Rendez-vous" darum, wie eine Frau versucht, ihre Freiheit und ihren Vergnügungshunger miteinander zu verbinden, damit nicht zu grämen. So die Songwriter. Aber es geht eigentlich darum, wie Tellier diese Dame sieht, und möchte man das subsumieren, dann geilt sie ihn vor allem auf. Die Songs ähneln sich, nähern sich schlafwandlerisch den Chansons von Serge Gainsbourg, Air oder Charlotte Gainsbourg an. Teppiche aus weichen Synthesizern, vage Disco- und Funk-Elemente – ein wenig davon war kürzlich bei Charlotte Gainsbourg weit besser zu hören, auch weil deren Frauenfigur direkter, offener, also: stärker ist. Von Teese lässt dabei eher eine verschüchterte Lana Del Rey in "Bird of prey" erkennen oder frönt einen moderneren ABBA-Stil, der aufs Melt!-Festival passen würde, so verwaschen und doch schnellfüßig ist er, im von Beats getragenen "The lunar dance".

Ach ja, singen kann sie natürlich nicht, aber was sie mal französisch, mal wieder englisch heiser haucht und hüstelt, ist sowieso egal und unwesentlich – wird die Stimme doch durch so viele Bearbeitungen und Korrekturen gejagt, dass "Dita von Teese" (also dem Album) durchweg nach Plastik und Knetmasse klingt. Wer da nun wirklicher zu singen versucht, ob Heather Renée Sweet oder Dita von Teese, ob das überhaupt noch voneinander getrennt werden kann, also bürgerliche Figur und Kunstfigur, und ob diese Fantasie, die da ausgelebt wird, sich von Innen nach Außen hin formuliert oder stärker von den Maulaffen ausgeht, die zuschauen wollen, wie enge Korsette die Hüften betonen – für die Musik ist das alles nicht maßgeblich, weil die Musik nicht maßgeblich ist. Und diese Songs schon wieder verdrängt gehören. Mal ehrlich: Dieses Album würde niemanden interessieren, würde nicht der Ausschnitt, mit dem es beworben wird, so tief sitzen. Barbusigkeit und Pop – ist sowieso eine verlogene Masche.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Rendez-vous
  • Bird of prey

Tracklist

  1. Sparkling rain
  2. Rendez-vous
  3. La vie est un jeu
  4. My lips on your lips
  5. Bird of prey
  6. Parfum
  7. Fevers and candies
  8. Saticula
  9. Dangerous guy
  10. Porcelaine

Gesamtspielzeit: 38:50 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Frager
2018-02-12 00:39:06 Uhr
Hat hier eigentlich jemand das Album gehört? Hat sich jemand mal mit Dita von Teese beschäftigt und findet es toll oder sonstwie erfrischend, unterhaltsam, sexy was sie so macht?
Interessant
2018-02-11 23:32:57 Uhr
Wusste gar nicht, dass stockkonservative AfD-Funktionäre für Plattentests schreiben

Achim

Postings: 6024

Registriert seit 13.06.2013

2018-02-11 13:18:35 Uhr
Schöne Rezi ;-) Die 5/10 kann ich bei dem Text allerdings auch nicht nachvollziehen.

(A.)
Seltsam
2018-02-11 13:12:09 Uhr
Der Text ist eher ein Verriß, und trotzdem gibt es 5/10.
Retro
2018-02-11 13:06:19 Uhr
schreibt achim neuerdings rezensionen für pt?

:D Posting des Jahres.
...zur schlechtesten Rezension des Jahres.
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