Niklas Paschburg - Oceanic

Niklas Paschburg- Oceanic

7K! / Indigo
VÖ: 09.02.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Das Meer im Sinusrhythmus

Irgendwo im bayerischen Waldland, weit ab vom natürlichen Sinnbild seines Debütalbums, macht Komponist Niklas Paschburg sich auf, der von sanften Bässen geleiteten Pianomanie eines Nils Frahm und Ólafur Arnalds nachzueifern. Das gelingt auch aufgrund des stets präsenten Popappeals der zwölf Instrumentalstücke durchweg gut. So betten sich in viele der fragilen Klavierstücke auf "Oceanic" mit losen Widerhaken bestückte, leise pochende Herzschrittmacher im Synthie-Gewand und setzen einer der (Neo-)Klassik eigenen Fragilität ihr Maß an Greifbarkeit und Rhythmus entgegen. Das Thema des Meeres weht dabei mit der Kühle der ersten Brise auf "Pier", Paschburgs Ursprüngen in Hamburg und den vereinzelten, wohlgestreuten Soundclips an der Ostseeküste aufgezeichneter Wellengänge so eindringlich durch die Nüstern dieses Debüts, das Album- und Songtitel zur Verortung fast überflüssig scheinen. Man mag das durchaus als Kompliment verstehen.

So sehr hier unter der Wasseroberfläche aber auch gleichbleibend rhythmisch pulsiert wird, so herausstechend aus der rauhen Weite sind dann doch Einzelkompositionen wie die Single "Spark" oder das fantastische "Fade away". Dessen hypnotische Klaviermelodie begehrt nach abruptem Abtauchen schließlich ebenso plötzlich wieder auf und erschafft in all seiner Symmetrie einen auch metaphorisch geschickten Fluchtpunkt des Albums, von dem sich der Rest der Platte quasi wie Kreiswellen gen Anfang und Ende ausbreitet. Deren Verlauf stellen sich hier und da wiederum fast übermäßig elektronische Tracks wie "Fragmentation" entgegen, die zwar in ihrem Sounddesign den Willen zum Pop offenkundig erkennen lassen, dabei aber in puncto Erinnerungswert entweder abperlen oder geradewegs in der Brandung aufschlagen, wie es der Closer "Appear" tut. An diesen Stellen siegt das Konzept gelegentlich über seine künstlerische Umsetzung, wird aber auf gleichem Wege von den ungleich stärkeren Synthie-Romanzen "Anew" oder "Abeyance" sofort wieder aufgefangen.

Es bleibt Niklas Paschburg grundsätzlich zugute zu halten, dass das Debüt ebenso wenig zwingt wie es ungebeten loslässt. Wem die Beschaulichkeit eines herbstlichen Klippenspazierganges zusagt, der wird auch hier seine innige Freunde haben. Zu sehen gibt es dabei zwar keine neuen Wunder, dafür aber eine erfrischende Perspektive auf die niemals alten und ewig schönen. "Oceanic" verhält sich so mit fortwährender Spieldauer wie das letzte Polaroid am Küstenufer – vom Komponisten sorgfältig arrangiert, belichtet jedoch erst in einer besonders böigen Dunkelkammer irgendeines oder vielleicht gerade jedes Unterbewusstseins. Man wagt fast zu glauben, auch Hemmingways altem Mann hätte dieses Meer gefallen.

(Robin Hartmann)

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Highlights

  • Spark
  • Anew
  • Fade away
  • Abeyance

Tracklist

  1. Pier
  2. Spark
  3. Sand whirling
  4. Anew
  5. Journey between worlds
  6. Sonar
  7. Fade away
  8. Fragmentation
  9. Abeyance
  10. Oceanic
  11. Magnetic pertubation
  12. Appear

Gesamtspielzeit: 46:45 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-02-08 20:34:47 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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