Dorit Jakobs - Im Aufruhr der Lethargie

Dorit Jakobs- Im Aufruhr der Lethargie

Grand Hotel Van Cleef / Indigo
VÖ: 16.02.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Köpfe werden rollen, vielleicht

Mit Katana im Pyjama. Das Artwork von "Im Aufruhr der Lethargie" zeigt Dorit Jakobs bereit für alles: zum Schlafen, und zum Köpfeabschlagen. "Messerscharfe Texte" verspricht zudem der Promotext. Riecht nach Gemetzel. Schmeckt letztlich aber gar nicht so blutig. Trotzdem aber "well done", denn gemeinsam mit Produzent Marcus Schneider, ehemals Home Of The Lame, hat die gebürtige Bremerhavenerin und heutige Hamburgerin ein weitestgehend rundes Debüt hingelegt.

Thematisch pulsiert "Im Aufruhr der Lethargie" mit dem Herzen der Sängerin; Beziehungen stehen da genauso im Fokus, wie soziologische Betrachtungen abgefrühstückt werden. Die Vorabsingle "Nichtstun ist unsere Rebellion" wagt vor allem Letzteres: als Kritik der Generationen X und Y, in deren Übergang die Sängerin geboren wurde. Im Video trifft man die 34-Jährige erneut zwischen Laken an, am Ende tauscht sie die Gitarre gegen das Samuraischwert. Das abgesehen von der Percussion zunächst eher vorsichtig instrumentierte Singer-Songwriter-Stück nimmt später nochmals hübsch an Fahrt auf, um dann wiederum leise zu Ende zu gehen. Der knapp siebenminütige Song bildet dabei sozusagen den Rahmen für das Album, obgleich er an letzter Stelle positioniert ist. Denn wenn man immer alles könnte, aber ganz selten etwas muss, dann ist das Leben verdammt kompliziert. Darunter hat auch Jakobs zu leiden.

Die Gedankensprünge des Openers "Die verlorene Welt" zeigen das ganz anschaulich. Zunächst stellt es die eigenen Probleme in einen globalen Kontext – und hält schließlich fest: "Ich will ein Paradies, das es nicht gibt." Da schließt "Erwarte nicht zu viel" ganz passend an, schiebt die Schuldfrage von sich: "Warum habt Ihr mir nicht gleich gesagt, erwarte nichts?" Die zeitweise mitklimpernde Orgel musikalisiert diese Schieflage ganz prima. Während ansonsten meist die Gitarren dominieren, machen "Leicht lethargisch" und "Dein perfektes Leben" atmosphärisches Geklacker zum Hauptprotagonisten und erinnern dabei an Labelnachbar Fortuna Ehrenfeld. "Mein Sozialleben" überzeugt am Schluss hingegen mit einer ausbrechenden Elektrischen und fordert auf, auch mal die Meinung zu sagen. "Ich ertrug das nicht mehr länger / Und wurde Protestsänger" lautet die abschließende Zeile.

Die ist aber eigentlich nur halb wahr, denn mehr als dass sie protestiert, beklagt sie. Das aber ist ja auch in Ordnung: Die Unentschiedenheit aus dem bunt aufgemachten "Ich mag Dich nur zur Hälfte" und die Sinnsuche des Pianostücks "Konfliktuniversum der Liebesbeziehungen" müssen ja auch erstmal bewältigt werden. Angesichts solcher Wirrungen ist es nicht verwunderlich, dass Jakobs für ihr Debüt mehr als zwei Jahre im Studio verbrachte. So sind die Lyrics tatsächlich über weite Strecken weniger "messerscharf" als verkopft geraten, bieten aber immerhin ab und an – im rauflustigen "Platz für alles Schöne" etwa – auch einmal eine radikale Lösung an: Statt dem ewigen Hadern einfach einmal dem Unrecht ein Ende zu setzen. Selbstjustiz Ninja-Style also? Oder lieber noch ne Runde pennen?

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Platz für alles Schöne
  • Nichtstun ist unsere Rebellion

Tracklist

  1. Die verlorene Welt
  2. Erwarte nicht zu viel
  3. Leicht lethargisch
  4. Dein perfektes Leben
  5. Mein sozialleben
  6. Ich mag Dich nur zur Hälfte
  7. Konfliktuniversum der Liebesbeziehungen
  8. Platz für alles Schöne
  9. Immerhin
  10. Nichtstun ist unsere Rebellion

Gesamtspielzeit: 41:41 min.

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Armin

Postings: 10994

Registriert seit 08.01.2012

2018-02-08 20:33:56 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Wummelwömms
2018-02-01 17:33:50 Uhr
Starke Frau, starkes Lied, schwaches Markething

eric

Postings: 1713

Registriert seit 14.06.2013

2018-02-01 10:38:48 Uhr
Naja, ziemlich netter Song auf jeden Fall, aber wenn sowas nun schon als "messerscharf" getextet gilt, welche Adjektive sollen arme Labelmenschen oder noch ärmere Rezensenten denn zu Die Nerven, Pascow oder Love A schreiben?

Autotomate

Postings: 703

Registriert seit 25.10.2014

2018-01-31 23:22:24 Uhr
Ziemlich holofernesk vom Vortrag her - lyrisch eher nicht. Umgekehrt wäre mir lieber.

Armin

Postings: 10994

Registriert seit 08.01.2012

2018-01-31 22:30:25 Uhr
Enorm schöner Vorab-Song.
Zum kompletten Thread

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