Hotel Books - Equivalency

Hotel Books- Equivalency

Invogue / Hassle / Rough Trade
VÖ: 09.02.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Das nächste Kapitel

Hat der Smeets den ganzen Mist noch immer nicht über? Schon wieder irgendeine dahergelaufene Emo-Kapelle? Schon wieder irgendwas aus der Richtung Moose Blood, The Hotelier, mewithoutYou und wie sie alle heißen? Und schon wieder gewürzt mit Spoken Word? Wie bei Listener? Berechtigte Fragen. Schließlich galt es vor den ersten Worten hier genau diese aus dem Weg zu räumen. Weil man gut und gerne argumentieren kann, dass es jetzt langsam mal genug ist, dass man nicht jede Band aus der jüngeren, enorm talentierten Emo-Ursuppe herausfischen muss. Man käme ja sonst gar nicht mehr aus dem Erzählen heraus und würde sich im Wesentlich auch noch im Kreis drehen.

Warum dann ausgerechnet Hotel Books? Warum soll dieser Hybrid aus Ein-Mann-Projekt und Band, angeführt vom offiziell einzigen Mitglied Cameron Smith, der sich auf dem mittlerweile vierten Album "Equivalency" schon mal für einen Satz wie "I learned to love Jesus / Before I learned to love me" nicht zu schade ist, drei Absätze wert sein? Nun, den Grund zeigt eigentlich allein schon "From Porterville", der Opener mit jenem Satz. Weil Smith einen untrüglichen Sinn dafür hat, seine ausufernden, oft schmerzhaften und manchmal religiös eingefärbten Erzählungen in ein ansprechendes Gewand zu verpacken. Ein Gewand, das sich nicht fürchtet vor den großen Melodien und den Engtanz mit dem Pathos. Einen Song wie "Van Nuys" mitsamt seinem feuerzeugschwenktauglichen Finale kann man sich nicht jeden Tag geben, ganz klar. Wenn es aber gerade passt, trifft das Ding umso nachhaltiger, direkter und mit Macht. Vor allem, wenn "Violent smile" im Anschluss auch noch ein bisschen Nada Surfs "Popular" in Kurzform und mit Computerstimme nachspielt. Unwiderstehlicher Cinemascope-Breitwandrefrain inbegriffen, versteht sich. Und alle Hit-Lampen im Kopf leuchten um die Wette.

Man merkt schon: Angst hat der Mann aus Porterville vor nichts. Das bietet natürlich auch Angriffsfläche ohne Ende. Man braucht wahrlich kein superdistinguierter, abgebrühter Musikzyniker sein, um zu erkennen, dass "Equivalency" immer wieder mal mit einer gefährlichen Kitsch-Schlagseite unterwegs ist. Doch bevor die ganze Chose sang- und klanglos absäuft, haut Smith den Laden doch immer wieder irgendwie aus dem Gröbsten raus. Weil er hier plötzlich ein paar kernige Powerchords hinstellt, dort den Weg in einen zwingenden Chorus findet, oder sich wie bei "Where I am" im Notfall einfach mal den Verstand aus dem geschundenen Körper brüllt. Nur im hoffnunglos überkandidelten "Fears we create" kann selbst er nichts mehr retten, die Nummer versinkt für immer im Zuckerguss. Das hält echt niemand aus. Trotzdem: "Equivalency" ist eine weitgehend runde Sache geworden, ein Album, das man so gar nicht auf dem Schirm hatte. Das Emobuch bleibt für den Jahresanfang aber jetzt erst mal zu. Vielleicht.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • From Porterville
  • Violent smile
  • Where I am

Tracklist

  1. From Porterville
  2. Van Nuys
  3. Violent smile
  4. Celebration
  5. Fears we create (feat. Chase Huglin)
  6. I knew better, but did nothing
  7. Take very little (feat. Chris Bernstorf)
  8. Where I am
  9. I'm almost happy here
  10. With love

Gesamtspielzeit: 32:29 min.

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User Beitrag

Petr

Postings: 64

Registriert seit 14.06.2013

2018-02-17 23:04:21 Uhr
mir gefällt das ja ziemlich..danke für die Rezension! Hätte durchaus ein bisschen aufmersamkeit verdient...mal "Violent Smile" anhören...

Armin

Postings: 12601

Registriert seit 08.01.2012

2018-02-08 20:33:45 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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