Beechwood - Songs from the land of nod

Beechwood- Songs from the land of nod

Alive Alive! / H'Art
VÖ: 26.01.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Jailhouse Punk Rock

Ein asozialer Kleinganove, ein Stricher und ein flüchtiger Straffälliger treffen sich auf den Straßen von New York und gründen eine Rockband. Die Beschreibung, mit der das Label Beechwood ankündigt, klingt eher wie der Plot eines billigen Blues-Brothers-Remakes. Die erste Überraschung ist, dass sich das spektakuläre Trio einen denkbar lahmen Namen gegeben hat. Oder hat "Buchenholz" im Knastjargon irgendeine Bedeutung, die der Rezensentin ungeläufig ist? Die zweite Überraschug ist, dass die Band trotz gelegentlicher Auseinandersetzungen mit der Staatsgewalt bestand hat und nun schon ihr drittes Album herausbringt, gennant "Songs from the land of nod."

Ihr Sound entspricht jedoch ganz den Erwartungen: Staubiger, handfester Glam-Punkrock mit psychedelischen Ausbrüchen, dem man seine Herkunft aus spelunkigen New Yorker Kellerklubs durchaus anhört. Spätestens nach dem polternden "I don't wanna be the one you love", kann man nicht umhin das Klischee "authentisch" zu bemühen: Musik zu machen ist wirklich das ganze Leben der drei Jungs und für jeden einzelnen lebenswichtig. Im Interview meinte Frontmann Gordon Lawrence auf die Frage, was er ohne Musik machen würde, dass er sicher auch eine andere Beschäftigung finden könne. Noch wahrscheinlicher allerdings würde er sich umbringen. Nun gut. Sogar die Retromasche samt Lederjacke und Samthose nimmt man dem Dreier ab. Wahrscheinlich haben sie sich wirklich seit den Achtzigern keine neuen Klamotten gekauft. Die Punk-Rebellion ist allerdings nicht allumfassend, denn Lawrences Gesangt bricht das Klischee durchaus: Er klingt sanft, oft losgelöst vom Jetzt und Hier.

In "C F" sinniert er über die dunkle Phase in seinem Leben, als ihm eine schwere Depression fast die Kraft raubte die Gitarre in die Hand zu nehmen. Wenn er es doch schaffte, spielte er immer diese beiden Akkorde: C und F. Zum Glück hat er sich erholt, im Song kommen noch viele andere Harmonien und sogar ausufernde Gitarrensoli vor. Nur der Gesang bleibt seltsam entrückt. Im Kinks-Cover "I'm not like else" hört man, dass sich Beechwood auch sonst von den Londoner Kultrockern inspiriert fühlen. Bei "This time around" lassen sie noch mal Bass und Drums um die Wette dröhnen, in "Melting over you" spendieren sie zu einer krachenden Surfrock-Nummer einen lässigen, ja fast schon schludrigen Gesangspart. "All for naught" tummelt sich auf einer dichten Matte von Geräuschen und verstimmten Klavieren bis hin zu Glasharfen, Mandolinen und vielstimmigem Hintergrundgesang. "I know it's not right" fällt mit seiner intimen Stimmungen und dem langsameren Tempo etwas aus dem Rahmen. Der Song war auch gar nicht für die Öffentlichkeit gedacht, ist er doch eine sehr persönliche Abhandlung über eine Zeit voller Verzweiflung, Antriebslosigkeit und Raubbau am eigenen Körper. Als Bonustrack bildet er aber einen so passenden und rührenden Schlusspunkt, dass er gar nicht übergangen werden könnte. Hoffentlich hat das so vollendete Werk Erfolg. Vielleicht können sich Beechwood dann zumindest mal eine neue Garderobe leisten.

(Eva-Maria Walther)

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Highlights

  • C F
  • Heroin honey
  • I know it's not right

Tracklist

  1. Ain't gonna last all night
  2. I don't wanna be the one you love
  3. C F
  4. Heroin honey
  5. I'm not like everybody else
  6. This time around
  7. Melting over you
  8. Pulling through
  9. All for naught
  10. Land of nod
  11. I know it's not right

Gesamtspielzeit: 34:53 min.

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Armin

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2018-02-01 22:02:44 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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