Long Distance Calling - Boundless

Long Distance Calling- Boundless

InsideOut / Sony
VÖ: 02.02.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Berg ruft

In der Ferne, auf der Spitze eines Berges, fernab von allem lassen sich Long Distance Calling für das Cover ihres mittlerweile sechsten Albums ablichten. Was soll uns das sagen? Hat die Band ihren Höhepunkt erreicht? Oder hat sie einfach wieder das Tal verlassen, in das sie sich nach Meinung vieler Kritiker mit "Trips" selbst befördert hatte? Eines steht fest: Mit "Boundless" kehrt die Band zur Instrumentalmusik zurück, und allein dieser Umstand dürfte einige Skeptiker aufhorchen lassen, störten sich doch nicht wenige Hörer daran, dass zuerst Martin "Marsen" Fischer und später Petter Carlsen ihre Stimmen beisteuerten. Auch wenn auf jedem bisherigen Album der Münsteraner ein wenig Gesang zu hören war, war und ist es doch der instrumentale Post-Rock, der die Band ausmacht, und ein fester Sänger scheint rückblickend wohl doch zu viel des Guten gewesen zu sein. Jetzt also back to the roots. Wobei, ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Long Distance Calling sind zwar zur Instrumentalmusik zurückgekehrt, bewahren sich aber den Metal-Vibe, der die letzten Jahre über immer präsenter in ihrer Musik wurde. Der erste Track "Out there" zeugt eindrucksvoll von der harten Seite dieses Albums. Auf wildes Drumming folgt der Bass, welcher das erste Riff vorstellt. Die Spannung steigt und entlädt sich im Einstieg der Gitarren, die mit ungewohnt metallischem Klang auf das Bassriff prallen. In unvorhersehbarer Weise variiert die Band die ersten Tonfolgen, um zur Mitte des Songs in das Gegenteil des harten Intros zu driften. Geschickt erweitern die Musiker in der ruhigen Mittelpassage den Tonvorrat, um dann wie aus dem Nichts ein neues Motiv vorzustellen. Mit diesem gehen Long Distance Calling dann exemplarisch zu Werke: Takt für Takt steigert sich die Rhymthmusfraktion, ohne dass das zarte Motiv sich davon beeinflussen lässt. Dann kommt es, wie es kommen muss: Die Spannung droht zu explodieren und entlädt sich gerade noch rechtzeitig in einem epischen Ausbruch, in welchem sich die süße Melodie plötzlich in ein sirenenartiges Inferno verwandelt. So vorhersehbar dieses Finale verläuft, es funktioniert.

"Ascending" startet sogar noch etwas härter als "Out there", verläuft aber nach dem gleichen Prinzip. Nachdem das erste Thema ausreichend beleuchtet wurde, baut sich auch dieser Song zur Mitte hin um. Auch hier ist das Ziel ein fulminantes Finale, welches nicht ganz so treibend ausfällt wie das des Vorgängersongs. Etwas ruhiger wird es dann in "In the clouds": Hier scheinen die alten Long Distance Calling durch, die sich gerne im Erschaffen einer dichten Atmosphäre verlieren. Der Aufbau dieser wird punktuell immer wieder von heftigem Riffing unterbrochen, und so fasst "In the clouds" zwei Qualitäten der Band recht kurz aber prägnant zusammen. Auch "Like a river" widmet sich mehr dem Stimmungsaufbau als die ersten beiden Stücke, dieses Mal ganz ohne Metal, dafür mit dramatisch anmutendem Geigenspiel.

Die zweite Albumhälfte spart insgesamt eher an Brachialem und widmet sich stärker dem Aufbau von Atmosphäre und der Weiterentwicklung von Themen innerhalb der Songs. Hier ist das verträumte "On the verge" hervorzuheben, das mit unaufgeregtem Klavierspiel untermalt einen gewissen Soundtrack-Charakter entwickelt. Der schleppende Beat und aufheulende Gitarrenmelodien erzeugen ein Gefühl der Schwerelosigkeit, bevor der Song ohne Verlust der ursprünglichen Stimmung an Härte gewinnt, sich hypnotisch in immer weitere Höhen schwingt und mit plötzlich einsetzender Orchestrierung einen unerwarteten, aber befriedigenden Abschluss findet. "Boundless" endet mit "Skydivers" so abrupt, wie es beginnt. Jagt die Band den Hörer im einen Moment noch mit wilden Soli, Double-Bass und druckvollen Riffs, steht die Welt im nächsten Augenblick ganz plötzlich still."Skydivers" bleibt auf seinem Höhepunkt einfach stehen, ganz so, als wäre die Spitze des Berges erreicht. Kein versöhnliches Ende, kein runder Abschluss, eher ein Blick nach vorne, in die Ferne. Das passt.

(Christopher Padraig ó Murchadha)

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Highlights

  • Out there
  • Ascending
  • On the verge

Tracklist

  1. Out there
  2. Ascending
  3. In the clouds
  4. Like a river
  5. The far side
  6. On the verge
  7. Weightless
  8. Skydivers

Gesamtspielzeit: 49:25 min.

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User Beitrag

Armin

Postings: 13420

Registriert seit 08.01.2012

2018-07-11 20:52:43 Uhr - Newsbeitrag
LONG DISTANCE CALLING – announce new live dates in support of latest album Boundless

German instrumental rock powerhouse Long Distance Calling released their sixth studio album ‘Boundless’ earlier this year, and followed it with European headline dates. Now they are pleased to announce the second part of the Boundless tour, set to take place in November/December 2018.


Full list of dates:
22.11.18 THU - GER-Leipzig - Täubchenthal
23.11.18 FRI - CZE-Prague - Club Nova Chmelnice
24.11.18 SAT – POL-Krakow - Zascianek
25.11.18 SUN - GER-Potsdam - Waschhaus
29.11.18 THU - GER-Karlsruhe - Stadtmitte
30.11.18 FRI - SUI-Pratteln - Z7
01.12.18 SAT - AUT-Dornbirn - Conrad Sohm
02.12.18 SUN - GER-Augsburg - Kantine
06.12.18 THU - GER-TRIER – EX HAUS
07.12.18 FRI - FRA-Paris - Backstage by the Mill
08.12.18 SAT - NED-Hellmond - Cacaofabriek
09.12.18 SUN - NED-Amsterdam - Melkweg
13.12.18 THU - GER-Bochum - Rotunde
14.12.18 FRI - GER-Rostock – Mau Club
15.12.18 SAT - GER-Braunschweig - Eule
16.12.18 SUN - GER-Frankfurt - Zoom
20.12.18 THU - GER-Bielefeld - Forum
21.12.18 FRI - GER-Schweinfurt – Stattbahnhof



pure langeweile
2018-01-26 13:34:09 Uhr
ist das
Onur
2018-01-26 00:18:41 Uhr
Ehm, ich will jetzt mal keiner trven Person zu nahe treten, aber inwiefern ist 'poserig' ansatzweise eine qualifizerte Aussage?

Armin

Postings: 13420

Registriert seit 08.01.2012

2018-01-25 21:21:17 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?


Gomes21

Postings: 2905

Registriert seit 20.06.2013

2017-11-26 15:04:51 Uhr
Ja, so in etwa gehts mir auch mit dem letzten Output
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