Jono McCleery - Seeds of a dandelion

Jono McCleery- Seeds of a dandelion

Counter / Ninja Tune / GoodToGo
VÖ: 26.01.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

New Yorke

Jono McCleerys viertes Album ist eines voller Cover-Versionen. Aber der Brite hat es sich nicht einfach gemach. Die Songs stammen aus diversen Epochen der vergangenen 70 Jahre und den unterschiedlichsten Genres. Der Opener "Gabriel" gehört eigentlich in die Garage-House-Diskografie von Roy Davis Jr., "God bless the child", das auch das Artwork von "Seeds of a dandelion" beeinflusst haben dürfte, singt Billie Holiday im Original und "Halo" war 2008 kein kleiner Hit für Beyoncé, die Grand Dame des populären R'n'B. Warum das trotzdem als geschlossenes Ganzes funktioniert, ist leicht erklärt: McCleery und sein Produzent Tim Rowkins, der auch schon an "Pagodes" arbeitete, gehen an das emotionale Korsett des Stücke, schütteln zuerst den originären Klangkörper ab und addieren dann – je nach Gemengelage – Streicher, Percussions oder Bass und verlieren dabei nicht einmal die stilistische Vielfalt des Londoners aus den Augen.

Wer McCleery und seine herrlichen Alben "There is" und "Pagodes" kennt, weiß um die Interpretationsfreudigkeit des Mannes mit den rötlichen Haaren, hat bereits Blacks "Wonderful life" und Robert Wyatts "Age of self" wohltuend neu vernommen. Nicht zu vergessen sind jene Cover, die er bei seinen Auftritten einstreut. Die Fallhöhe mag insofern für ihn etwas niedriger ausfallen, weil es dann doch kein so unbekanntes Terrain ist. Zum Start kitzelt er den Soul aus oben erwähntem House-Track "Gabriel", ehe Paul Wellers "Brand new start" folgt. Ein unkaputtbarer Song des Modfathers. Das schafft McCleery natürlich ebenso wenig. Er konserviert die Traurigkeit, entstöpselt die Gitarren und fügt Violinen hinzu. Fraglos schön, bietet aber auch wenig neue Akzente. Den Kürzeren zieht McCleery im direkten Vergleich aber nur bei Scott Walkers "Old man's back again".

Bei "Halo", das definitiv keinen Beat benötigt und vor allen Dingen "Know who you are at every age" schaut das hingegen anders aus. Schließlich singt das Original Elizabeth Fraser, Stimme der Cocteau Twins. Bei McCleery verschwindet der schlierenziehende Dream-Pop und mit ihm eine Minute Laufzeit. Und beides fängt der Brite sehr gekonnt an seiner Akustikklampfe auf. Noch strenger im Einkürzen ging er bei Sébastien Telliers "La ritournelle" vor. Er kann zwar nicht mit Tony Allen an den Drums aufwarten, den braucht er für seinen fünf Minuten kürzeren Harfen-Traumfänger allerdings auch nicht. Ohne Frage zu den Highlights zählt "Ingenue", dessen Zeilenpart "Seeds of a dandelion" auch Namenspatron für diesen vierten Langspieler ist.

McCleery wechselt hier auch in die Kopfstimme, aber eben nur sporadisch, variiert mehr als Thom Yorke in seinem beständigen Höhen-Wimmern. "Ingenue" ist eines der Stücke, bei denen sich der Brite zusätzlich Basslicks, Percussion und einen Orgel-Teppich gönnt. Unter dem Strich sind Atoms For Peace somit immer greifbar, aber McCleerys Interpretation ist klasse, hat sogar mehr emotionale Tiefe. Auch Jeff Buckleys "Morning theft" zelebriert er ehrfürchtig und mehr als würdig, rüttelt nicht am klassischen Element Rufus Wainwrights in "Dinner at eight" und Tim Buckleys "Dream letter" spendiert er ein sensationelles Outro, was seine Version – aus Rezensentensicht – sogar über das Original hebt. Muss Jono McCleery covern? Nein. Kann er es? Ja.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Know who you are at every age
  • Ingenue
  • Dream letter

Tracklist

  1. Gabriel
  2. Brand new start
  3. Know who you are at every age
  4. Dinner at eight
  5. Morning theft
  6. Ingenue
  7. God bless the child
  8. Halo
  9. Old man's back again
  10. Wild is the wind
  11. Dream letter
  12. La ritournelle

Gesamtspielzeit: 44:14 min.

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User Beitrag

Stephan

Postings: 847

Registriert seit 11.06.2013

2018-01-26 17:17:11 Uhr
Ein neues Album mit eigenen Songs hätte ich auch prima gefunden. Aber hier sind auch wirklich schöne Sachen bei.

Obrac

Postings: 1048

Registriert seit 13.06.2013

2018-01-26 07:59:45 Uhr
Pagodes war für mich das beste Album der letzten Jahre. Ja, ich hätte auch lieber eine neue reguläre Platte mit Eigenkompositionen gehabt. Aber mal sehen.
Yono
2018-01-25 22:46:46 Uhr
Pagodes war toll und wurde immer besser. Hätte mich auf neue Songs gefreut

Armin

Postings: 14239

Registriert seit 08.01.2012

2018-01-25 21:21:43 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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