Hämatom - Bestie der Freiheit

Hämatom- Bestie der Freiheit

Sony
VÖ: 26.01.2018

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Die Hosen an

"Mama ist die Bestie", wie die allenfalls semibekannte hessische Neue-Deutsche-Härte-Band Die Bestien einmal befand? Hämatom aus Franken stellen diese nassforsche Behauptung auf ihrem siebten Longplayer "Bestie der Freiheit" erst einmal richtig. Ehrensache außerdem, dass dieser wie seine Vorgänger mit brachialen Bildern, markigem Gebrüll und industriellen Metal-Breitseiten hantiert – schließlich führte diese krachlederne Kombination den wüst maskierten Vierer mit den leicht zu merkenden Künstlernamen Nord, Ost, West und Süd zuletzt in die Top Five der Album-Charts. Auch wenn der Titel "Wir sind Gott" 2016 vielleicht ein wenig hochgegriffen war für – ja was eigentlich? Die deutsche Fortführung von Slipknot mit ähnlichen Mitteln? Rammstein mit mehr Bodenhaftung? Rock'n'Roll in Horrorclown-Kostümen, an denen Theaterschminke klebt? Alles so weit richtig – doch Hämatoms massives Getöse soll vor allem die globale Unart illustrieren, die Erderwärmung vornehmlich durch soziale Kälte auszugleichen.

Bedingungen also, angesichts derer es "Zeit für neue Hymnen" ist. Und viel besser als mit diesem vollmundigen Brecher könnte das Quartett "Bestie der Freiheit" gar nicht eröffnen, wenn angespitztes Riffing eingangs "New noise" von Refused in einen Electro-Metal-Kontext überführt und die tumultösen Vier großzügig blaue Flecken verteilen, damit sie ja niemand überhört. Und trotz teutonischer Härte und martialischem Auftreten demonstriert dieses Album von Anfang an, dass seine Wurzeln zu einem großen Teil im kumpelig-herzlichen Punkrock liegen, der eher in linken Jugendzentren als in stählern beschallten Schwarzlicht-Schuppen zu Hause ist. Entsprechend arbeiten Hämatom ihre Mängelliste der Menschheit mit einer Wucht ab, die nicht nicht nur im krakeelenden "Warum kann ich nicht glücklich sein?" nach "Warum werde ich nicht satt?" von den Toten Hosen und ähnlich hämischen Zustandsbeschreibungen der Gesellschaft klingt – ausgiebiges Gegröle, beißenden Sarkasmus und teils höllisch zwingende Grooves inklusive.

Dass sich diese rabiate Eingängigkeit schon nach kurzer Zeit einzuschleifen beginnt, macht "Bestie der Freiheit" aber oft auch allzu berechenbar – da dient selbst der mutwillig gegen den Strich gebürstete Mosh-Break der leichtgängigen Lobbyisten-Schelte "Mörder" als willkommene Abwechslung. Besonders angesichts ins Käsige lappender Stücke wie der flauen Jugenderinnerung "Lichterloh" oder der "Hier kommt Alex"-Blaupause "Bis zum letzten Atemzug", die sich auch die nicht mehr existente Firma Deutschrock Merchandise beim Frühstück ausgedacht haben könnte. Gut also, dass "Wehleidige Monster" als pure Thrash-Metal-Granate gegen Ende alle besorgten Wutbürger krachend übers Knie legt und "Schrei nach Verschwörung" amüsant mit dem Aluhut in der Industrial-Disco dengelt. Und die Zeile "Drei, zwei, eins, Stock aus dem Arsch / Wir schreien laut "Bon voyage"" nehmen wir mal als launigen Abschluss eines Albums zwischen gesunder Härte und verstiegenem Pathos, das zumindest zeitweilig die Hosen anhat.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Zeit für neue Hymnen
  • Mörder
  • Wehleidige Monster

Tracklist

  1. Zeit für neue Hymnen
  2. Mein Leben – meine Regeln
  3. Warum kann ich nicht glücklich sein?
  4. Mörder
  5. Lichterloh
  6. Ich hasse, Dich zu lieben
  7. Lange nicht perfekt
  8. Zur Hölle mit Eurem Himmel
  9. Lauter
  10. Unter Strom
  11. Bis zum letzten Atemzug
  12. Wehleidige Monster
  13. Todesmarsch
  14. Schrei nach Verschwörung (Bonus Track)
  15. Bon voyage (Bonus Track)

Gesamtspielzeit: 51:52 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Fipper
2018-01-25 08:34:45 Uhr
fipp fipp furra
Fopper
2018-01-25 05:37:35 Uhr
Ich nix deutsch!
Fopper
2018-01-24 23:06:56 Uhr
Patente Deutschrock-Band ,bei der die Sänger der großen anhat.
@Dann demnächst
2018-01-24 13:39:22 Uhr
Krawallbrüder wurden schon reviewt!
Dann demnächst
2018-01-24 11:11:00 Uhr
Auch Onkelz, Frei.Wild, Krawallbrüder reviewen.
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