Ghost - Ceremony and devotion

Ghost- Ceremony and devotion

Loma Vista / Spinefarm / Universal
VÖ: 19.01.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Viel Feind, viel Ehr

Woran misst sich die wahre Größe einer Band? Im Fall von Ghost an zweierlei Dingen: Zunächst einmal natürlich daran, dass der nicht mehr ganz so ominöse Frontmann Papa Emeritus und seine zwar nameless, aber nicht homeless Ghouls aus Linköping die Rockwelt auf fulminante Weise erobert haben – von Top-Platzierungen in den Charts bis hin zum Grammy für den Song "Cirice" in der Kategorie "Best Metal Performance". Und das als erste Band überhaupt, die nicht aus Großbritannien oder den USA stammt, wohlgemerkt. Vor allem misst sich die Größe aber auch daran, dass sich irgendwann all diejenigen zu Wort melden, die ja eigentlich schon immer ein viel größeres Stück vom Kuchen verdient hätten. Und so verklagten vier nun nicht mehr namenlose Ghouls den Sänger Tobias Forge, der ja schon länger als Darsteller des Papa Emeritus gehandelt wurde, auf höhere Beteiligung an den Tantiemen.

Worauf der so Gescholtene seine Rolle als Bandboss und Geschäftsführer erst einmal komplett weltlich auslegte und der kompletten Truppe kurzerhand den Beichtstuhl vor die Tür setzte. Insofern darf das Live-Album "Ceremony and devotion" zuallererst als ein Statement gesehen werden: Die nameless Ghouls sind insbesondere auf der Bühne so austauschbar wie ihr Äußeres. Denn wüsste man nicht um die Ränkespiele der ehemaligen Angestellten, könnten die hier dokumentierten Auftritte von einer über Jahre eingespielten Band stammen. Die Annahme, der Härtegrad der ersten Songs könne ein Vehikel zur Frustbewältigung sein, geht dann allerdings zu weit. Doch in der Tat performen die schwedischen Unterwelt-Kleriker, als seien Kohorten an Exorzisten hinter ihnen her, werden nach dem feinen Opener "Square hammer" Songs wie "From the pinnacle to the pit", "Con clavi con dio" oder "Elizabeth" gänzlich humorlos, aber mit bestechender Spielfreude heruntergedroschen.

Zur hörbar großen Freude der offenbar zahlreich erschienenen Gemeinde in San Francisco, wo jene Aufnahmen entstanden, folgt dann im Mittelteil der akustische Beweis dafür, welches Gespür für unwiderstehliche Hooks die Band über die Jahre entwickelt hat. Als wäre die großartige Dreifaltigkeit aus "Cirice", "Ghuleh / Zombie queen" und "Year zero" nicht genug, lädt Papa Emeritus mit "He is" zum andächtigen Choral ein. Was sich die Versammlung nicht zweimal sagen lässt und das Hohelied auf den Fürsten der Finsternis gar inbrünstig mitschmettert. Dass Forge aber auch anders kann, zeigt er direkt im Anschluss mit "Mummy dust", das er direkt als den härtesten Song der Band ankündigt und dessen Vocals er beinahe deathmetal'esk growlt.

Ansonsten wirkt Forges Gesang an manchen Stellen allerdings etwas ungehobelt. Klar, niemand möchte wirklich "Live in the studio"-Aufnahmen, wie es Judas Priest mit "Unleashed in the east" 1979 vormachten. Und die Produktion ist im Großen und Ganzen herrlich ruppig und transparent. Aber teilweise wirkt der Frontmann etwas angeschlagen, insbesondere "From the pinnacle to the pit" will ihm nicht recht über die Stimmbänder gehen, doch zum Glück scheint der auf der Bühne immer reichlich vorhandene Weihrauch im Laufe des Sets einen positiven Effekt auf den Frontmann zu haben. Insofern also ist "Ceremony and devotion" ein beeindruckendes Dokument der mittlerweile unbestrittenen Live-Fähigkeiten einer Band, die 2011 als Support von In Flames noch ausgebuht wurde und 2014 auf Stadiontour mit Metallica bestenfalls ratlose Gesichter hinterließ. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum "Ceremony and devotion" nicht zusätzlich auf DVD oder Blu-Ray erscheint: Denn am Ende stehen Ghost für zeitlosen Hardrock, der durch die Maskerade und die okkulten Texte seine besondere Note erhält. Und der hoffentlich nicht seine Faszination dadurch verliert, dass ein paar enttäuschte Musiker offenbar ihre Arbeitsverträge nicht genau gelesen haben.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Square hammer
  • Ghuleh / Zombie queen
  • Year zero
  • He is
  • Mummy dust

Tracklist

  • CD 1
    1. Square hammer
    2. From the pinnacle to the pit
    3. Con clavi con dio
    4. Per aspera ad inferi
    5. Elizabeth
    6. Body and blood
    7. Devil church
    8. Cirice
    9. Ghuleh / Zombie queen
  • CD 2
    1. Year zero
    2. Spöksonat
    3. He is
    4. Mummy dust
    5. Secular haze
    6. Absolution
    7. Ritual
    8. Monstrance clock

Gesamtspielzeit: 81:38 min.

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Armin

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2018-01-18 21:56:42 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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