Shame - Songs of praise

Shame- Songs of praise

Dead Oceans / Cargo
VÖ: 12.01.2018

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Life is bitter

Mag Großbritannien für seinen Brexit hierzulande derzeit auch wenig Applaus ernten, so wird den Briten auf einem ganz anderen Gebiet, nämlich dem der Musik, frenetischer Beifall auch zukünftig sicher sein. Zumindest so lange, wie sie den Rest der EU weiter mit musikalischen Exportschlagern "Made in Britain" beglücken. Und das Debütalbum von Shame lässt wenig Zweifel daran, dass genau dies der Fall sein wird.

Dabei haben die fünf Jungspunde aus Südlondon selber das eine oder andere Problem mit der Politik des Vereinigten Königreichs und stürzen dementsprechend auf "Songs of praise" eher bitteres Ale statt einer "Champagne supernova" die Kehlen runter. Heraus kommt ein Album, das seinen Sound aus dem dunklen Brunnen des Punk fördert – in diesen Sud allerdings eine ganze Reihe roher Hymnen rotzt. Sänger Charlie Steen spricht und raspelt dazu im rabenschwarzen Timbre, liefert sich selbst bitterböse Wortduelle oder röhrt zuweilen dermaßen heiser an einer Bronchitis vorbei, dass es schwerfällt, zu glauben, dass der junge Mann seine 20 Lebensjahre noch nicht einmal angekratzt hat. Glücklicherweise hat Steen aber weitaus mehr zu bieten: nämlich Melodien, die den postpunkigen Songs Flügel verleihen und sich damit mühelos über die grauen Wolken der britischen Alltagssorgen und politischen Beobachtungen schwingen – dahin, wo noch die Sonne scheint. Nur um sich nach einer kurzen Serotonin-Betankung wieder in die Tristesse zu stürzen.

Die dabei entwickelte Dringlichkeit wirkt teils dramatisch, aber nie pathetisch. Dennoch: Shame meinen es ernst. Hier geht es nicht um Partys oder profane Herzschmerz-Themen, sondern um das große Ganze, welches sich Leben nennt. Als musikalische Referenz können sich Interessierte ein nicht ganz so kratzbürstiges Eagulls-Debüt vorstellen. Allerdings gehen Shame weitaus facettenreicher vor. So ist "The lick" zunächst einmal träge, schleppend und zynisch, ehe der Refrain mit seinem 360-Grad-Melodiebogen wieder ein wenig Salz aus den zuvor geschlagenen Wunden pustet. Sicherlich wäre es nicht falsch, "Songs of praise" als Punk zu bezeichnen. Allerdings nur so lange, wie man darunter nicht ausschließlich ein Drei-Akkorde-Hochgeschwindigkeits-Geprügel versteht. Denn akustisch sind Shame kilometerweit vom puristischen Punk entfernt. Da hallen Breitwandakkorde umher wie in "Angie", plustern bei "One rizla" Pop-Refrains ihr Gefieder auf oder geben dissonante 100-Sekünder den Songs ihre postpunkigen Sporen bei "Donk". Trotz des großen Variantenreichtums funktionieren alle Songs dermaßen harmonisch miteinander, dass nie der Eindruck entsteht, dass die Briten einfach verschiedene Stile aneinanderreihen.

Es sind Songs wie "Tasteless", die zwar selbstbewusst die Hacken in den Boden rammen, aber niemals in poserhafte Breitbeinigkeit verfallen. So etwa auch bei "Gold hole", das ein wenig nach Britrock mit Kater von zu viel schlechtem Fusel klingt. "Friction" hingegen liefert einen ohrwurmlastigen Madchester-Rave-Bastard, und das bereits erwähnte "Angie" ist zwar keine Ballade, aber eine äußerst elegische und vor allem im Refrain funkelnde Rocknummer, die das Finale dieses musikalischen Meisterstücks bildet. Eines Werkes, an dem seine jugendlichen Gesellen keine Ecken und Kanten abgeschliffen haben und gerade deswegen eine mehr als runde Nummer aus Great Britain in die Welt schicken. Solange Bands wie Shame nicht den Notausstieg wählen, kann der Brexit also ruhig kommen.

(Oliver Windhorst)

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Highlights

  • Dust on trial
  • Tasteless
  • Friction

Tracklist

  1. Dust on trial
  2. Concrete
  3. One rizla
  4. The lick
  5. Tasteless
  6. Donk
  7. Gold hole
  8. Friction
  9. Lampoon
  10. Angie

Gesamtspielzeit: 38:31 min.

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User Beitrag

Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-04-10 12:38:34 Uhr - Newsbeitrag
SHAME geben Zusatzkonzert in Berlin und Tour-Support bekannt

Im Mai 2018 kommen SHAME erstmalig auf ihre lang erwartete Headliner-Tour nach Deutschland. Bereits knapp zwei Monate vor Tourstart ist das Konzert im Berliner Badehaus ausverkauft. Im Dezember werden die fünf Briten daher nochmals für ein Zusatzkonzert ins legendäre SO36 zurückkehren. Für die drei weiteren Shows in München, Hamburg und Köln werden die Tickets ebenfalls knapp.

Mit dem am 12. Januar 2018 veröffentlichten Album „Songs Of Praise“ schafften es die fünf Londoner im März nicht nur auf das Cover des NME, sondern sorgten auch diesseits des Ärmelkanals in der Presse und im Radio für Euphorie und stellen das in den Medien bisher am meisten besprochene Debüt des Jahres.

- “Shame entzünden einen überfälligen Hoffnungsfunken im UK-Punk. Mit Bands wie dieser wird der Glaube an musikalische Rebellion niemals enden.” (Musikexpress) -

- "Mit dem großartigen Debüt verkörpern Shame das "No Future"-Statement des britischen Punk im Jahr 2018.” (Visions.de) -

- "Die (Anti-)Haltung stimmt, Dringlichkeit und dilettantische Chuzpe ist reichlich vorhanden, und mit "Tasteless" haben die Südlondoner mit den lustigen kleinen Schweinchen im Arm (siehe Cover) sogar eine wütende Brexiteer-Hass-Hymne parat. Vielleicht kommt das Rock-Revival ja doch noch.” (Spiegel Online) -

Die Australier von RVG werden SHAME bei allen Tour-Terminen im Mai begleiten.

Tickets sind unter eventim.de erhältlich sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen.



SHAME | Live 2018
Special Guests: RVG*
präsentiert von: ByteFM | éclat | Intro | laut.de | Tonspion.de

09.05.2018 München | Orangehouse*
21.05.2018 Köln | Yuca*
23.05.2018 Hamburg | Molotow*
25.05.2018 Berlin | Badehaus* - Ausverkauft
09.12.2018 Berlin | SO36 - Zusatzshow

saihttam

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Registriert seit 15.06.2013

2018-04-09 12:05:29 Uhr
Juan's Basement Live

Gordon Fraser

Postings: 995

Registriert seit 14.06.2013

2018-03-25 14:53:40 Uhr
Für mich aber auch das Highlight bislang. Ist halt auch der poppigste. ;)

saihttam

Postings: 1037

Registriert seit 15.06.2013

2018-03-25 14:15:11 Uhr
Er ist halt sehr anders, weil er nicht diesen abgefuckten Sprechgesang beinhaltet und dafür mit fast schon hymnischen Gitarren aufwartet. Ich mag den Song sehr, aber er ist halt nur bedingt mit dem Rest vergleichbar und deshalb auch nur schwer einordenbar.

dreckskerl

Postings: 665

Registriert seit 09.12.2014

2018-03-24 23:12:57 Uhr
"One Rizla" heißt der Song und ist auch für mich nicht der Stärkste vom Album.
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