Glen Hansard - Between two shores

Glen Hansard- Between two shores

Anti / Indigo
VÖ: 19.01.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nochmal über Gefühl

Glen Hansard macht romantische Musik für Menschen, die Zwinkersmileys ans Ende von Liebesbotschaften setzen und jedes Jahr zur Weihnachtszeit – heimlich und alleine – "Tatsächlich Liebe" gucken. Mit anderen Worten für diejenigen, die alles Sentimentale öffentlich weit von sich weisen, aber zeitweise doch ganz schön finden. Also die meisten von uns. Hansards sehnsuchtsvolle Balladen rangieren mitunter schon an der Grenze zum Kitsch (nicht ohne Grund liebte Hollywood ihn mit Markéta Irglová in "Falling slowly"), er navigiert aber auch in seichten Gewässern mit so viel Geschick und Kunstfertigkeit, dass man sich nicht dafür zu schämen braucht, wenn man davon feuchte Augen bekommt.

Sein drittes Solo-Album "Between two shores" hat Hansard mal eben so aus dem Ärmel geschüttelt – er hatte sich im Studio eigentlich nur deshalb eingemietet, um über sein persönliches Song-Notizheft Bilanz zu ziehen. Zwischen den Spielereien und halb ausgegorenen Ideen vieler Jahre fand sich anscheinend so viel Brauchbares, dass schnell ein Album Gestalt annahm. Den zehn Songs ist ihr skizzenhafter Charakter noch anzumerken – Einfälle und Gedanken wurden spontan weitergesponnen und noch heiß in Form gegossen. Allerdings setzt Hansard keineswegs durchgehend auf einen zurückhaltenden Songwriter-Stil, sondern zeigt seine ganze Bandbreite von Jazz bis hin zu rockigen Tönen. Der Opener "Roll on slow" ist zum Beispiel geradezu pompös orchestriert – von der grummelnden Bassline über das raue Gitarrensolo bis zum beschwingten Big Band-Sound trägt hier alles zu einem Auftakt bei, der einen erstmal richtig wachrüttelt. "Why woman" transportiert die eindringliche Botschaft für die angesprochene Partnerin, die Beziehung nicht unnötig zu verkomplizieren, sondern einfach die schönen Aspekte des Zusammenseins zu genießen. Auch in der Musik setzt Hansard hier auf Einfachheit und seine sanft schnurrende Stimme, die in sanfte Bläser gebettet.

Direktheit und Ehrlichkeit sind es, die Hansard vor allem anderen betont – auch und gerade gegenüber sich selbst. Er singt an gegen Selbstbetrug und die Weigerung, potenziell schmerzende Wahrheiten anzuerkennen. In "Restless heart" ist Hansard ganz bei sich selbst, die Musik kolportiert mit einfacher Klavierbegleitung und einem ergreifenden Trompetensolo Innerlichkeit und Ruhe, während Hansard resümiert, dass man manchmal Liebeskummer einfach aushalten muss. In "Movin' on", dem man sich gerade wegen seines handgemachten Flairs unmöglich zu entziehen vermag, sagt er sich von einer einseitigen Beziehung los und beschließt weiter zu ziehen. Die akustische Gitarre drängt eindrücklich zum Aufbruch und verheißt durch die Melancholie hindurch eine strahlende Zukunft.

Immer wieder wendet sich Hansard aber auch an Gesprächspartner, fordert in "Your heart's not in it" Klarheit über eine ambivalente Liebessituation und erteilt in "Time will be the healer" einer (von ihm?) Verlassenen gute Ratschläge. Vielleicht will er aber durch die tröstenden Worte auch nur sein eigenes schlechtes Gewissen besänftigen? Fest steht: Gefühle sind eine knifflige Angelegenheit. Die Aufforderung, sich mit ihnen auseinander zu setzen und ihnen einen Raum zuzugestehen, kann anscheinend gar nicht oft genug wiederholt werden. Wer sich dazu Hansards herzerwärmende Musik zur Hilfe nimmt, ist somit kein Sensibelchen. Sondern weiß einfach, was ihm guttut.

(Eva-Maria Walther)

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Highlights

  • Roll on slow
  • Movin' on
  • Time will be the healer

Tracklist

  1. Roll on slow
  2. Why woman
  3. Wheels on fire
  4. Wreckless heart
  5. Movin' on
  6. Setting forth
  7. Lucky man
  8. One of us must lose
  9. Your hear's not in it
  10. Time will be the healer

Gesamtspielzeit: 39:45 min.

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User Beitrag

Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-01-18 18:23:36 Uhr - Newsbeitrag
Der renommierte Singer/Songwriter und Oscar Gewinner GLEN HANSARD veröffentlicht am Freitag sein selbstproduziertes neues Album "Between Two Shores“ auf ANTI-Records/Indigo.

Zu dem Song "Roll On Slow“ steht passend dazu ein neuer Videoclip online:

Eine interessante „Career Timeline“ befindet sich zudem im Anhang .

"Between Two Shores" ist der Nachfolger von "Rhythm And Repose" (2012) und "Didn't He Ramble" (2015), welches außerdem für einen GRAMMY nominiert wurde.

Nach seiner kürzlich absolvierten ausverkauften Tour, wird er kommenden Februar erneut in Europa unterwegs sein, die erste Show in Berlin ist bereits ausverkauft!

16.02.2018: Zürich (CH) - Volkshaus
18.02.2018: Wien (AT) - Gasometer
20.02.2018: Berlin - Admiralspalast (AUSVERKAUFT!)
21.02.2018: Berlin - Admiralspalast


Gomes21

Postings: 1935

Registriert seit 20.06.2013

2018-01-14 13:10:05 Uhr
Das klingt mir wie erwartet leider wieder viel zu bequem. Nett, aber nicht spannend.
Von Ski
2018-01-14 13:02:04 Uhr
Also die 7er-Bewertungen sind alle soooo öde Alben, lahmer Durchschnitt.

Bonzo

Postings: 1300

Registriert seit 13.06.2013

2018-01-13 17:59:14 Uhr
Ich vermisse "The Frames".

Armin

Postings: 10808

Registriert seit 08.01.2012

2018-01-11 21:27:46 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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