Soen - Lykaia

Soen- Lykaia

Silver Lining / Warner
VÖ: 03.02.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Jetzt mal ernsthaft

Früher, als bekanntermaßen alles besser war, wurde ein Bruchteil der heutigen Menge an Platten veröffentlicht. Bands suchten und fanden sich, probten, und mit ein bisschen Glück fanden sie auch jemanden, der für eine nicht unbeträchtliche Summe das Ergebnis auch produzierte. Früher hatte man auch mehr Zeit und der Himmel war blauer. Oder so ähnlich. Heute wird gefühlt die zehnfache Menge veröffentlicht, egal ob jemand eine Platte kauft oder nicht. Und meistens geht ein Album mittlerweile eh im Streamhagel bei den Spotifys dieser Welt für einen Bruchteil eines Cents pro Klick unter. Und genau das ist der sichere Tod für eine Band wie Soen. Gut, früher wurde nicht jede Ansammlung von Musikern, die mal in anderen bekannten Bands gespielt hatten, als "Supergroup" bezeichnet. Unter normalen Umständen wäre ein Album wie "Lykaia" pure Selbstbefriedigung, von vornherein dem Untergang geweiht. Doch Soen lassen aufhorchen.

Denn machen wir einmal die Probe aufs Exempel. Kurzer Blick auf die Info, aha, Martin Lopez also, Ex-Drummer von Opeth, mal reinhören, Skip-Skip-Skip, Opeth-Kopie, und tschüss. Wirklich? Also jetzt mal ernsthaft. Rauf aufs Sofa oder in den Lieblingssessel, Kopfhörer auf. Und zack! Plötzlich entfaltet der Opener "Sectarian" seine volle Wucht, unterfüttert von einem großartigen Basslauf, der gemeinsam mit Lopez' Schlagzeugspiel einen feinen Groove formt. Ja, das erinnert durchaus ein wenig an Lopez' ehemaligen Arbeitgeber, nur dass Frontmann Joel Ekelöf kein so samtenes Timbre wie Mikael Åkerfeldt aufweisen kann. Soen jedoch als Opeth-Epigonen abzustempeln, wäre genau der eingangs beschriebene Kardinalfehler.

Vielmehr, und das liegt nun eben doch in der Natur einer solchen Bandzusammensetzung, erweisen sich die Skandinavier als begnadete Eklektiker. Denn immer wieder stößt man auf diese Aha-Momente, wenn sich ein neuer Einfluss Bahn bricht – sei es nun die Melancholie von Riverside oder die Morbidität von Katatonia. Und im Zweifel beginnt sowieso immer alles bei Pink Floyd, vor allem in so ruhigen Momenten wie "Lucidity". Dass Soen auch das ganz große Drama beherrschen, zeigt das zutiefst rührende "Sister", mit dem Lopez den Tod seiner Schwester verarbeitet. Plötzlich ist da das ganz große Drama, wie es sonst Pain Of Salvation beherrschen, plötzlich bewegen sich die Gesangslinien spielerisch zwischen derem Vokalisten Daniel Gildenlöw und – ja, diesmal tatsächlich – Mikael Åkerfeldt. Das ist mitreißend, das ist angesichts von Zeilen wie "We are so fragile in the end / A pile of petals / Waiting to be scattered away by the wind of destiny" tief bewegend.

Und dann ist da noch ein Musiker, der sich mit seiner Arbeit auf "Lykaia" ein Sonderlob verdient. Die Rede ist von Gitarrist Marcus Jidell, hauptberuflich bei den Doomrockern Avatarium tätig. Denn der Schwede spielt, als hinge sein Leben davon ab. Und zeigt von treibenden Riffs über fingerbrechenden Prog-Frickeleien bis hin zu gefühlvollen Klangteppichen all das, was einen guten Gitarristen im Progressive Metal so ausmacht. Leider, und das ist eben die Krux einer Nischenband, werden Soen auch mit "Lykaia" nicht aus dem Schatten der großen Kollegen wie eben Opeth oder Pain Of Salvation heraustreten. Vermutlich wollen sie das auch noch nicht mal. Denn "Lykaia" schafft etwas, was in Zeiten der "Klick drauf und Schluss"-Mentalität heutzutage viel zu kurz kommt: Diese Platte nimmt gefangen, fordert Aufmerksamkeit. Aber sie gibt unfassbar viel, sobald man sich auf sie eingelassen hat.

(Markus Bellmann)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Sectarian
  • Sister
  • Stray

Tracklist

  1. Sectarian
  2. Orison
  3. Lucidity
  4. Opal
  5. Jinn
  6. Sister
  7. Stray
  8. Paragon

Gesamtspielzeit: 49:29 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
flohfish
2018-01-08 10:36:08 Uhr
Die zweitbeste Prog Platte des Jahres 2017, direkt nach Pain of Salvation. Leider fehlt auf der Vinyl Version das genialste Stück der Scheibe: God's Acer.
Logh
2018-01-05 17:47:32 Uhr
Super Album
unidad
2018-01-05 11:40:34 Uhr
scheinen wirklich große opeth fans zu sein ^^

embele

Postings: 302

Registriert seit 14.06.2013

2018-01-05 06:51:05 Uhr
Lohnt auf jeden Fall !
Sie sind mit dem zweiten Album aus dem Schatten von Tool herausgetreten... und auf diesem Album konstant ihren eigenen Weg gegangen. Wie die Rezension schon sagt: ein Album, das Zeit erfordert und einem dann sehr viel zu geben hat.
Definitiv 8/10 !
Motel-Rated-R.
2018-01-04 09:14:24 Uhr
Klingt für mich eher nach ner 8/10 die Rezension.
Kenne bis jetzt nur das Debüt fand das auch sehr solide. Erinnerte mich halt total an Tool was ja eigenlich kein Problem ist. Mich aber dann trotzdem nicht sooo geflasht hat das ich mir den Nachfolger noch anhöre. Vll. hör ich mal in die dritte rein auf Spotify.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv