Audrey Horne - Blackout

Audrey Horne- Blackout

Napalm / Universal
VÖ: 12.01.2018

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Einheiz-Gebot

Na, das ist doch mal eine schöne Idee für ein gepflegtes Cross-Marketing. Nun sind Audrey Horne wahrlich nicht die erste Band, die ihren guten Namen für ein Lifestyle-Produkt zur Verfügung stellt. Aber ob der Name so klug gewählt ist? Schließlich ist ein amtlicher "Blackout" doch genau das, was bei gepflegtem Bierkonsum eben nicht passieren sollte. Wobei böse Zungen behaupten, dass die Sorte der Wahl, nämlich ein India Pale Ale, aufgrund seiner exorbitanten Stammwürze selbige Suffkatatonie förmlich herausfordert, aber das nur am Rande. Spannender ist eher die Frage, ob besagte Hopfenkaltschale nun eher als zweites wirtschaftliches Standbein im in jener Hinsicht absurd teuren Norwegen oder vielmehr als willkommenes Begleitgetränk zum Genuss der Platte fungieren soll. Oder kurz gesagt: Schön trinken oder schöntrinken?

Nein, wir wollen gar nicht drumherum reden: Das skandinavische Starköl sollte tunlichst vor Beginn der Wiedergabe in Ruhe abgestellt werden. Denn maximal eine Minute nach Beginn des Openers "This is war" flöge die Buddel eh in die Ecke. Warum? Na, weil "This is war" sowas von allerfeinster Haudraufundschluss-Hardrock ist, dass kein Auge trocken und kein Stein auf dem anderen bleibt. Zwar war der Vorgänger "Pure heavy" so schlecht nicht, litt allerdings unter geringer Halbwertszeit. Doch Audrey Horne versprühen mit diesem einen Song mehr Energie als auf jenem Album in der kompletten Spielzeit. Was auch immer die Skandinavier gutmachen wollten, es gelingt ihnen eindrucksvoll. Twin-Leads zum Niederknien, dazu eine Hook, die wirklich jeder nach einem Durchlauf mitsingen kann – das ist nichts anderes als Hardrock der Extraklasse.

Und exakt in dieser Manier geht es weiter. Da ist der leichte Alternative-Einschlag von "Audrevolution", der entfernt an "Line & sinker" vom Billy-Talent-Debüt erinnert. Da ist der wahnwitzige Instrumental-Part gegen Ende des Titeltracks, bei dem sich die Gitarristen Arne Isdal und Thomas Tofthagen in völlige Ekstase solieren. Und da ist der beschwingte Groove von "This man", bei dem nun wirklich nur noch die einzigartige Stimme Phil Lynotts fehlt, um daraus einen formvollendeten Thin-Lizzy-Song der Oberklasse zu machen. Doch auch die B-Seite der Platte, wenn man so will, beinhaltet keineswegs B-Ware. Was vor allem daran liegt, dass die Spielfreude zu keiner Zeit nachlässt, stets angetrieben durch die beiden offensichtlich ohne jeglichen Druck aufspielenden Gitarristen.

Im Grunde genommen ist es allerdings egal, welchen Song man sich herauspickt. Denn die Norweger leisten sich nicht den Hauch einer Schwäche, allenfalls das schräge "Satellite" fällt ein wenig aus dem Rahmen. Davon einmal abgesehen, wirkt der Fünfer wie befreit von einem nach eigener Aussage zu eng gesteckten Zeitraster zwischen Touren und Aufnahmen, peitscht die Stücke unbarmherzig, aber dabei mit unglaublicher Leichtigkeit voran. Was auch immer mit Audrey Horne passiert ist – es hat ihnen unglaublich gut getan. Denn "Blackout" ist nicht etwa der Ausfall aus dem Titel, sondern das wohl zugänglichste wie auch mitreißendste Album des Bandkatalogs. Und dabei eine tiefe Verbeugung vor den Helden des Classic Rock. Am Ende von "Rose alley" hört man eine feiernde Meute. Wir feiern begeistert mit. Ob mit oder ohne Bier.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • This is war
  • Blackout
  • This man
  • Rose alley

Tracklist

  1. This is war
  2. Audrevolution
  3. Blackout
  4. This man
  5. Midnight man
  6. Light your way
  7. California
  8. Satellite
  9. Naysayer
  10. Rose alley

Gesamtspielzeit: 42:06 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Marküs
2018-01-17 19:18:10 Uhr
Das Album ist tatsächlich gut (wohl besser als die beiden Vorgänger), die Produktion eher schlapp!
TD
2018-01-17 09:39:33 Uhr
Auf jeden Fall eine "return to form". AH bewegen sich ganz klar im Classic Rock - Kontext, mit dem einen oder anderen moderneren Einsprengsel. Das aber mit einer Leichtigkeit, dass es eine Pracht ist. Hier werden keine schweren Siebziger-Riffs wiederholt erbrochen, sondern die bekannten Größen hier und da mehr oder weniger deutlich eingebaut und zum AH-Cocktail verrührt.
Zugegeben: Der erste Hördurchlauf war für mich auch leicht ernüchternd - ab dem zweiten Mal (in vernünftiger Lautstärke dann) zünden die Songs auch gerade wegen ihrer Einfachheit. Und wenn man dann die Band einmal live gesehen hat und sieht mit welcher Verve sie das on stage zelebrieren, hat man sie richtig "verstanden" und freut sich auf die neuen Live-Songs. Ich kann nur raten: Gehet hin und genießet.

manfredson

Postings: 200

Registriert seit 14.06.2013

2018-01-13 21:06:53 Uhr
Puh, schade. Ich hatte gehofft, dass sie vielleicht nochmal an die ersten Alben, v.a. meinen Favoriten "Audrey Horne", anknüpfen könnten, aber das ist mal wieder so eine öde Angelegenheit geworden. Unheimlich abwechslungsarm werden die typischen Hard/Classic-Rock-Klischees runtergespielt, nach den ersten zwei, drei Songs fällt es schwer, überhaupt noch aufmerksam zu bleiben. Rauscht größtenteils einfach abwechslungsarm vorbei und lässt erst mit dem zweiten Bonustrack "The End" wieder aufhorchen, da haben sie immerhin nochmal eine schön dramatische Halbballade zustande gebracht. Insgesamt bin ich aber wirklich enttäuscht. Oberflächlich mag das Album Spaß machen, aber wer Substanz sucht, ist hier leider fehl am Platz. Wirklich schade, die waren mal absolut großartig und vor allem vielseitig.

HELVETE II

Postings: 1580

Registriert seit 14.05.2015

2018-01-03 22:13:55 Uhr
Klasse Album, gute Rezi.

Armin

Postings: 11594

Registriert seit 08.01.2012

2018-01-03 21:43:31 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert als "Vergessene Perle".

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