Black Rebel Motorcycle Club - Wrong creatures

Black Rebel Motorcycle Club- Wrong creatures

Abstract Dragon / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 12.01.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Dem Rock eine Bastion bauen

Rockmusik heute ist ein an sich selbst gerichtetes Lamento: Die vergangenen Zeiten, ach, wie da öffentlich ruhegestörtwurde, wie die Revolte ganze Gesellschaften aufscheuchte, wie da gallig und borstig und hinterfotzig das Prinzip Anti-Sein zum einzig Wahren, Guten und Schönen ernannt war – vorbei. "Whatever happened to my Rock 'n' Roll?" fragten Black Rebel Motorcycle Club dann zu Beginn der Nuller-Jahre, dabei kannten sie die Antwort schon: Die Zeit hatte ihn niedergeschmettert, den Rock, die Welt wollte mehr Elektrobums hören,auch das Auflehnen hatte sich nach dem Ende der Grunge-Ära rasch verändert. Ein bisschen wie ein Fremdkörper in der heutigen Welt klingt "Little thing gone wild", Vorabsingle von "Wrong creatures", schon im Musikvideo: wie eine Art Triptychon, ganz museal – natürlich fällt da Hieronymus Bosch ein, der das mit dem Untergang ja auch zelebrierte – fläzt sich das Trio in Schwarz und Weiß und mit ein bisschen zu viel Coolness an den Instrumenten durch das Stück. Gemeinsam rocken. Gitarre. Bass. Schlagzeug. Schimmernde Lederjacken. Qualmende Kippen. Laut. Wild. Ungezähmt. Dreckig.

Und wie dieser Rock bei Black Rebel Motorcycle Club noch lebt. Wie bei kaum einer anderen Band, so sehr er auch hustet und schwerfällig geht. "Wrong creatures" ist das Lebenszeichen, gleich in mehrerlei Hinsicht: Drummerin Leah Shapiro hatte eine lebensnotwendige Gehirnoperation, wegen einer Chiari-Malformation, die sich durch Schwindel, Taubheit an den Gliedern, Kraftlosigkeit bemerkbar machte. Die Fans halfen mit einer Crowdfunding-Kampagne für die teure Behandlung. Robert Levon Been verzagte immer noch am Tod seines Vaters, stand mit dessen Band The Call wiederum auf der Bühne. Daher auch die vierjährige Pause zwischen diesem Album und dem Vorgänger. Ungewohnt, gerade bei einer so arbeitswütigen Band wie BRMC, die ja andauernd tourt und tourt und spielt. Aber eben auch überdrüssig wurde, von dieser "Maschine", wie Been es nennt,langsam zerkaut, zerstört, zerschlagen und deprimiert, spürteman, dass irgendwas den Kopf gen Boden zog Dabei ist diese Band eine Live-Band und ein gewisser Dave Grohl hat kaum eine andere Formation derart oft live gesehen, weil sie so stark und bedrohlich wirken und so echt.

"Spook" und "King of bones" sind diese typischen Stampfer mit treibenden Riffs und triefendem Schweiß. "Question of faith" ist, was Black Rebel Motorcycle Club bereits mit "666 conducer" abgeliefert haben: Ein sexy anziehendes, erotisch flirrendes Bluesmonster. "You're mine / You're mine / You're mine" haucht es da. Der Abschluss-Song "All rise" mixt John Lennon mit Johnny Cash: Famos. Und kurz kommen, wie auch zuvor, Coldplay in den Kopf, weil die es einst, bevor sie sich selbst mit nervtötenden Stadionhüpfern lächerlich gemacht haben, auch schafften, große Emotionen in Hymnen zu packen. Aber Black Rebel Motorcycle Club basteln hier an Melodien, die weltumschweifend sind, die den Weltschmerz umarmen und forttrösten. Und ja, das ist stellenweise ungewohnt und so pathetisch, dass die Skepsis wächst. Auch, weil "Wrong creatures" das kleinteiligste Album dieser Band ist, da noch ein Hintergrundhallen, da folgt noch ein großer Chorus, sind das sogar Streicher in "All rise" oder werden die Streicher von E-Orgeln imitiert? Aber das funktioniert, wie auch die so schwummrig lavierende, kurz orientalisch anmutende Melodie von "Circus Bazooko".

Weil Black Rebel Motorcycle Club nicht einzelne Songs brauchen. Und ein durchschnittliches Album sie nicht kaputtkriegt. Sie stehen für eine Attitüde. Für eine Art, Musik zu machen, die ausstirbt und nicht mehr gefragt ist. Für eine Lautstärke und Knorrigkeit, die es nicht mehr gibt. Und eben da wird es auch egal, dass sie sich manchmal selbst kopieren, das ist genauer bedacht sogar die Notwendigkeit, wenn "Haunt" sich in den verhallenden Gitarrenpickings spiegelt, wenn "Carried from the start" viele Ideen des merkwürdigen Instrumentalalbums "The effects of 333" aufgreift. Eine Einheitlichkeit, dieser konsequente Stil, ja, diese Klangästhetik haben sie so perfektioniert, dass "Wrong creatures" zwar das polierteste Album der Diskographie geworden ist, es aber nicht stört. Die poppige Melancholie von "Specter at the feast" ist noch vorhanden. Bessere Songs hatte diese Band auch schon. Aber wie sie weitermachen damit, dem Rock eine uneinnehmbare Bastion zu bauen, in der es klampft und nölt, da passt auch "Wrong creatures" wunderbar als ein Versatzstück, das nicht überraschend einzigartig ist, sich aber sehr gut einfügt.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Spook
  • Echo
  • All rise

Tracklist

  1. DFF
  2. Spook
  3. King of bones
  4. Haunt
  5. Echo
  6. Ninth configuration
  7. Question of faith
  8. Calling them all away
  9. Little thing gone wild
  10. Circus Bazooko
  11. Carried from the start
  12. All rise

Gesamtspielzeit: 59:03 min.

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User Beitrag

MopedTobias

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Registriert seit 10.09.2013

2018-10-27 11:04:09 Uhr
Hatten wir sowas nicht genau so schon auf der ersten Seite des Threads? :D Aber ist ja auch schon wieder ein Jahr her, von daher...

1. B.R.M.C.
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Felix H

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Registriert seit 26.02.2016

2018-10-27 01:12:35 Uhr
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333. The Effects Of 8
Johnny Utah
2018-10-27 01:12:22 Uhr
01 Howl (sehr gutes Songmaterial, zeitloser Sound)
02 Baby 81
03 BRMC
04 Take them on
05 Wrong Creatures
06 Specter
07 Beat the Devils Tattoo (Nur Platz 7, höre ich aber trotzdem noch gerne)
08 Effects of 333 (wobei es ein "Stück" mit akustischen Gitarren gibt, das mir ziemlich gut gefällt)

Huhn vom Hof

Postings: 1139

Registriert seit 14.06.2013

2018-10-26 23:26:49 Uhr
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nörtz

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2018-10-26 22:01:32 Uhr
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Wäre ja mal Zeit für ein Voting.
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