Evanescence - Synthesis

Evanescence- Synthesis

Sony
VÖ: 10.11.2017

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Sie sind ja schließlich nicht Metallica™

"Wie spät is' denn eigentlich?" "Wann sind wir endlich da?" Autofahrten, Warteschlangen, Wandermärsche – nur zu gut kennt man diese Sätze von quengeligen Kindern oder genervten Mitmenschen. Auch gerne geäußert in Opern oder Konzerten, die sich ziehen und ziehen und einfach nicht enden wollen. Immerhin: Dafür muss man als Evanescence-Hörer das Haus ab sofort gar nicht mehr verlassen. Denn die Truppe hat dieses Gefühl auf ihrem klassisch arrangierten Album "Synthesis" perfekt eingefangen. Elf alte Songs werden in ein entsprechendes Gewand umgemodelt, zwei neue und ein paar Interludes kommen dazu. Verantwortlich für die orchestrale Begleitung zeichnet David Campbell, seines Zeichens mit einem guten halben Jahrhundert Erfahrung gesegnet – und ganz nebenbei der Vater eines gewissen Beck Hansen. Wer ist also letztlich dafür verantwortlich, dass "Synthesis" nicht überzeugen kann?

Campbell zumindest darf man einen guten Job attestieren. Gerade aus den blutleeren Stücken des letzten selbstbetitelten Albums holt der Kanadier mit Bombast noch einiges an Drama hervor. Ergänzt wird das Klangbild durch elektronische Beats, draußen bleiben müssen hingegen die Gitarren. Vokalistin Amy Lee ist konzeptbedingt als einziges Bandmitglied überhaupt wirklich präsent und lässt stimmlich wenig Wünsche offen, fügt sich ins klassische Setting sogar fast noch besser ein. Problematisch ist da schon eher, dass oft zu viel gewollt wird: zu viele Wendungen, zu viele Streicher-Intermezzi und vor allem zu viel Spielzeit. Häufig wirken die zusätzlichen Pirouetten aufgesetzt, zwar durchaus gekonnt gespielt, aber ausschließlich dem Selbstzweck dienlich. Weil man es kann, muss man es offenbar tun. Und da fast jeder Song dem Schema "reduzierte Eröffnung, Einsetzen des Gesangs, durchkrachende Bollerbeats bis zum dramatischen Overkill" folgt, wirkt die Stunde von "Synthesis" wie eine halbe Ewigkeit.

Dabei funktionieren viele Songs in sich gut, besonders Neuling "Hi-lo" gewinnt in der Sparte orchestraler Pop mit Hilfe eines Violinensolos von Lindsey Stirling mehr als nur einen Blumentopf. "Bring me to life" ist auch ohne Rock und mit Klassik ein formschönes Stück Pathos mit eingängigem Refrain, auch wenn man die Zwischenshouts von 12 Stones' Paul McCoy aus dem Original vermisst. Kurios, aber immerhin überraschend ist der hektische Sprechgesang, den Lee im abschließenden, ebenfalls neu komponierten "Imperfection" vom Stapel lässt. "Synthesis" hat ansonsten einen überzeugenden Ansatz, der allerdings in der zu gleichförmigen Ausführung verpufft. Schade, denn das hochdramatische Orchester steht der Band – oder vielmehr doch: ihrer Sängerin – eigentlich ganz gut zu Gesicht. Im Gegensatz zu einer kalifornischen Metal-Band, die mit "S&M" zeigte, wie furchtbar man mit Philharmonikern aneinander vorbeimusizieren kann. Und immerhin: Deren Exkurs dauerte doppelt so lang und war dementsprechend mindestens doppelt so schlimm.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Hi-lo (feat. Lindsey Stirling)
  • My immortal

Tracklist

  1. Overture
  2. Never go back
  3. Hi-lo (feat. Lindsey Stirling)
  4. My heart is broken
  5. Lacrymosa
  6. The end of the dream
  7. Bring me to life
  8. Unraveling
  9. Imaginary
  10. Secret door
  11. Lithium
  12. Lost in paradise
  13. Your star
  14. My immortal
  15. The in-between (Piano solo)
  16. Imperfection

Gesamtspielzeit: 62:28 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2017-12-20 20:46:33 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
Witzfigur
2017-11-24 23:16:46 Uhr
Ich erhöhe auf 2/10
(7655)[
2017-11-24 23:06:15 Uhr
Wird eh ne 3/10, also lasst es doch einfach bleiben.
Genau
2017-11-24 22:59:26 Uhr
ja, die belustigungen hier find ich auch nicht gut. es soll nur was besprochen werden, was auch hand und fuss hat. seit der reamonn rezi kann man das eh nicht mehr für voll nehmen.

Felix H

Postings: 2925

Registriert seit 26.02.2016

2017-11-24 21:26:13 Uhr
Weil es kein reguläres Album ist, sondern alter Kram neu aufgenommen.
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