Kyle Dixon & Michael Stein - Stranger things 2: A Netflix original series

Kyle Dixon & Michael Stein- Stranger things 2: A Netflix original series

Invada / PIAS / Rough Trade
VÖ: 15.12.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Willkommen in Hawkins

Wie bereits neulich angesprochen: Die Achtzigerjahre sind zurück. Und wie ebenfalls an besagter Stelle erwähnt, ist der Hype um das längst vergangene Jahrzehnt sicher auch aufgrund von "Stranger things" derzeit enorm. Als die Netflix-Serie 2016 mit ihrer achtteiligen ersten Staffel auf dem besagten Streaming-Dienst veröffentlicht wurde, sorgte die Mischung aus Stephen-King-Horror und Steven-Spielberg-Dramedy nicht nur weltweit für Entzücken, sondern erwies sich für die Kinderdarsteller quasi über Nacht als Reise zu den Sternen. Den Hauptgewinn zogen insbesondere Finn "Mike" Wolfhard, der von seinen offenbar klug vorausschauenden Eltern bereits einen rockstartauglichen Namen verpasst bekam und dementsprechend in naher Zukunft unter die Musiker gehen wird, sowie die schlicht fantastische Millie Bobby Brown, die sich als "Eleven" (oder ungleich uncooler als "Elfi" in der deutschen Fassung) in die Herzen aller Zuschauer spielte.

Einen nicht unerheblichen Teil zur Großartigkeit der Serie trägt die Musik bei: Von alteingesessenen Achtzigerjahre-Klassikern wie The Clashs "Should I stay or should I go", Echo & The Bunnymens "Nocturnal me" oder auch "Girls on film" von Duran Duran mal abgesehen, ist es insbesondere der Score von Kyle Dixon und Michael Stein, der die zwischen Grusel und (wohliger) Gänsehaut schwankende Atmosphäre bestens einfängt und in genau abgestimmten Tönen widergibt. Wie schon in der ersten Staffel zeichnen Dixon und Stein auch für die musikalische Untermalung der neun neuen Folgen der zweiten Staffel verantwortlich. Fast möchte man da Begrifflichkeiten verwenden, die sonst auf dem Index stehen: Hier wabert, plickert und pluckert es so hinreißend, dass es sich nicht mehr so einfach unter den dichtgewebten Synthie-Klangteppich kehren lässt – und während "Stranger things" sich visuell an King, Spielberg und Konsorten orientiert, weckt das Songmaterial Erinnerungen an Altmeister wie John Carpenter, Jean-Michel Jarre, Giorgio Moroder oder Tangerine Dream.

Und so ist Dixons und Steins musikalische Reise ins mysteriöse (und rein fiktive) Kleinstädtchen Hawkins durchaus klangvoll, stellenweise melancholisch, beizeiten gar unheimlich – und stets wohlsortiert. Drunter und drüber wie im Paralleluniversum "Upside Down" geht es auch auf dem Score der zweiten Staffel keineswegs zu. Dass das Komponisten-Duo hauptberuflich im Ambient-Gespann von Survive tätig ist, merkt man den melodischen Strukturen der insgesamt 34 Stücke durchaus an: Vom geradezu ätherisch anmutenden frühen Highlight "Eulogy" über das seltsamerweise ebenso unheilschwangere wie glückselige "Eggo in the snow" – die Tiefkühl-Waffeln erlebten dank prominenter Platzierung in der Serie eine Art Frühstücks-Comeback – bis zum hauchzarten, fast schon zerbrechlich wirkenden "She wants me to find her" setzen Dixon und Stein voll auf Emotionen. Darüber hinaus geben die Songtitel Hinweise auf die Handlungen am Bildschirm. So donnergrollt sich "Shouldn't have lied" bedrohlich leise durch seine knapp drei Minuten Spielzeit, während "Soldiers" mit deutlich härteren und einschneidenderen Bandagen aufwartet und so quasi mühelos für Beklommenheit sorgt.

Trotz dieser teilweise wilderen Töne bleibt der Score der zweiten Staffel von "Stranger things" eine kleine, hoffnungsvoll gestimmte Perle. Wenn sich "Eight fifteen" langsam steigert und vor dem bösen Hawkins Laboratory zu protestieren scheint, wenn "The first lie" mehr authentisches Drama in etwas über eine Minute packen kann als die Macher von "Germany's next topmodel" in eine ganze Folge, wenn "What else did you see" mit skeptischem Stirnrunzeln in keiner Weise für ebensolches sorgt, ist das – Netflix hin, Streaming-Dienst her – ganz großes Kino. Und wenn "To be continued" das kleine Städtchen zum Schluss hinter sich lässt, weint man ihm dann beinahe so viele Tränen nach wie Joyce Byers, als sie auf der nervenaufreibenden Suche nach ihrem Sohn Will war. Auf ein baldiges Wiedersehen in Hawkins.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Euology
  • Eight fifteen
  • Eggo in the snow
  • She wants me to find her
  • To be continued

Tracklist

  1. Walkin' in Hawkins
  2. Home
  3. Eulogy
  4. On the bus
  5. Presumptuous
  6. Eight fifteen
  7. The first lie
  8. Scars
  9. I can save them
  10. Descent into the rift
  11. Chicago
  12. Looking for a way out
  13. Birth / rescue
  14. In the woods
  15. Digging
  16. Symptoms
  17. Eggo in the snow
  18. Soldiers
  19. Choices
  20. Never tell
  21. She wants me to find her
  22. Shouldn't have lied
  23. It's a trap
  24. Crib
  25. The return
  26. Escape
  27. We go out tonight
  28. Connect the dots
  29. The hub
  30. On edge
  31. What else did you see
  32. Run
  33. Levitation
  34. To be continued

Gesamtspielzeit: 71:38 min.

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Armin

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2017-11-30 22:36:10 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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