King Gizzard & The Lizard Wizard - Polygondwanaland

King Gizzard & The Lizard Wizard- Polygondwanaland

RecordJet
VÖ: 17.11.2017

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Was wirklich zählt

"Polygondwanaland" hat zehn Songs. So steht es auf der Tracklist des neuesten Werkes von King Gizzard & The Lizard Wizard, mittlerweile das vierte von fünf angekündigten Alben innerhalb des Jahres 2017. Klar, Buckethead oder Omar Rodriguez-Lopez können da nur milde lächeln. Aber die Australier haben mit zwölf Platten in rund fünf Jahren nicht nur einen ordentlichen Schnitt vorzuweisen, sondern auch eine sehr gut arbeitende Qualitätskontrolle. Man munkelte schon im Vorhinein, die Veröffentlichungen von diesem Jahr seien stets immer besser geworden. Und dass deswegen trotz der immensen Output-Frequenz diese zehn Stücke der Serie gemäß noch mal besser sein müssten als die wundervoll betitelten "Flying microtonal banana", "Murder of the universe" und "Sketches of Brunswick East". Dazu werden sie von der Band kostenlos verschenkt – umso nobler!

"Polygondwanaland" hat vier Songs. So stellt es sich im Ablauf des Albums dar. Denn Trackgrenzen sind meistens nur Empfehlungen auf diesem Longplayer. Genauer gesagt: Der massiv beeindruckende Opener "Crumbling castle" ließ sich wohl als einziges unmöglich zerteilen und weist als Monolith den Weg ins Album. Ansonsten sind jeweils drei Tracks zu kleinen Suiten verbunden, die für ordentlich Kopfverdrehen sorgen. Das großartige Oldschool-Gamer-Artwork ist nur die Spitze des Eisberges. King Gizzard & The Lizard Wizard beherrschen auf "Polygondwanaland" noch mehr als auf den Vorgängern die Kunst, abgedreht und psychedelisch bis zum Anschlag zu wirken, aber keinesfalls schwierig oder unzugänglich. Selbst das krudeste Taktmaß wird mit einer Leichtigkeit ins Ohr geschmiert, dass es eine Freude ist.

"Polygondwanaland" hat 153 Songs. So hat es unsere Laboranalyse ergeben, welche die musikalische DNA auf Spurenlemente untersuchte. Und feststellte: King Gizzard & The Lizard Wizard haben genau so viel Ideenmaterial auf engstem Raum untergebracht. Gitarrenriffs, hirnverdrehende Rhythmen, Flöten, Elektrogewaber und Schlangenbeschwörung. Nur mal so als Auswahl. Aus einem zyklischen Motiv wie auf "Deserted dunes welcome weary feet" basteln andere Bands eine ganze Diskografie. Im lustig elektronisch düdelnden "Loyalty" wird gewettert: "I will fight this inquisition!" Dabei war bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht mal bewusst, dass hier eine Story ihren Lauf nimmt. "The river opened her mouth / And spit into a vast sea", erzählt uns eine Dame zu Beginn von "The castle in the air". Was in "Tetrachromacy" mit einem "terror tree" los ist, weiß auch wieder kein Mensch. Wird vielleicht was mit dem Duell zwischen Flöte und Mundharmonika im gleichen Stück zu tun haben.

"Polygondwanaland" hat einen Song. So fühlt es sich jedenfalls an. Progrock, orientalische Klänge und gar poppige Melodien fließen in eine Masse, die unfassbar einnehmend ist und ein geschlossenes Kunstwerk schafft. Wie zauberhaft das ist, wenn der Closer "The fourth colour" die volle Dosis Psychedelik atmet und langsam in ein ruhiges, statisches Meer abebbt – nur um plötzlich die Trommeln erneut zu schwingen und den finalen Freakout anzusteuern. Selten machte ein falsch angetäuschtes Ende auch bei mehrfachen Wiederholungen mehr Spaß als dieses. Dazwischen finden King Gizzard & The Lizard Wizard stets das richtige Maß, wie ein gut dosierter Spacecake eben. Es ist jeder verfügbare Hut zu ziehen vor der durchweg hochwertigen Dauerbefeuerung dieser Band – und dass sie ihr bisher stärkstes Album in diesem Jahr einfach mal für lau raushauen. Man muss sie lieben.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Crumbling castle
  • Deserted dunes welcome weary feet
  • The fourth colour

Tracklist

  1. Crumbling castle
  2. Polygondwanaland
  3. The castle in the air
  4. Deserted dunes welcome weary feet
  5. Inner cell
  6. Loyalty
  7. Horology
  8. Tetrachromacy
  9. Searching...
  10. The fourth colour

Gesamtspielzeit: 43:52 min.

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User Beitrag

hexed all

Postings: 66

Registriert seit 15.06.2013

2017-12-02 16:10:52 Uhr
War aber eben nicht das Debut.

Richtig. Da hab ich noch einiges nachzuholen.

The MACHINA of God

Postings: 8767

Registriert seit 07.06.2013

2017-12-01 23:06:30 Uhr
Schöne Rezension.
Ob es ihr stärkstes dieses Jahr ist muss ich für mich noch entscheiden. "Murder of the universe" fand ich ja auch sehr geil. Aber für viele wohl etwas anstrengend.

The MACHINA of God

Postings: 8767

Registriert seit 07.06.2013

2017-12-01 22:57:03 Uhr
Sind meiner Meinung nach mit jedem Release ein bisschen schlechter geworden. Nonagon Infinity bleibt wohl mein Liebstes.

War aber eben nicht das Debut.
Olloi
2017-12-01 20:45:41 Uhr
Mir geht diese band auf den beitl.

hexed all

Postings: 66

Registriert seit 15.06.2013

2017-12-01 20:23:59 Uhr
Sind meiner Meinung nach mit jedem Release ein bisschen schlechter geworden. Nonagon Infinity bleibt wohl mein Liebstes.
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