Posse - Horse blanket

Posse- Horse blanket

Bandcamp
VÖ: 10.11.2017

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kurz vor Schluss

Aus, Ende, vorbei, bye bye Junimond: Die Band Posse aus Seattle hängt die Gitarren an den Nagel und löst sich im verflixten siebten Jahr nach Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debütalbums auf. Schade. Zum einen, weil das Trio durchaus sympathisch war mit seiner Mischung aus Lo-Fi und Indie-Pop, stets flirtend mit den Neunzigerjahren und doch aktuell wie eh und je. Zum anderen, weil Posse es in ihrer aktiven Zeit aus unerklärlichen Gründen nicht zu genau jener Aufmerksamkeit gebracht haben, die sie so wohlverdient hätten. Nun gehen die drei, wie sie auch gekommen sind: Fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit, noch immer und wahrscheinlich auch für immer als Geheimtipp.

Nun, freilich gibt es schlimmere Dinge auf der Welt. Aber gewiss auch schönere. Und weil es schon doof genug ist, dass sich eine Band verabschiedet, die mit wenigen Mitteln so viel bewirken konnte – zumindest rein persönlich, nicht für die Masse –, freut es umso mehr, dass sie sich für ein kleines Abschiedsgeschenk entschieden hat. "Horse blanket", das dritte und letzte Album von Posse, ist gerade mal eine halbe Stunde lang, die sich auf sechs Songs erstreckt. Eigentlich ist das zu wenig. Aber an wen sollte man diese Beschwerde schon richten?

Mehr noch: "Horse blanket" ist kein letzter Paukenschlag, kein für immer und ewig im Gedächtnis lärmendes Getöse, kein Kinnhaken der Marke "Jetzt erst recht", sondern das genaue Gegenteil davon. Es ist ein ruhiges, erleichtertes Ausatmen. Selbst, wenn die Welt düster und hässlich ist, haben Posse ihren Frieden damit geschlossen. Das Bild, das sie im Opener "Dream sequence" von Mutter Erde malen, ist kein blumiges, kein helles, kein hoffnungsvolles. Aber eines, das akzeptiert. So darf man Sängerin Sacha Maxims gleichbleibenden Gesang nicht als Monotonie missverstehen. Hier ist eine junge Frau bloß angekommen.

Fast möchte man sie darum beneiden. Wenn sie in "Stupid thing" von vergangenen Fehlern und beendeten Freundschaften erzählt, hat das natürlich etwas Trauriges und Melancholisches – allerdings zeugt es auch von einer Reife, die sie sich sicherlich erst hart erarbeiten musste. Dass der surf-poppige Titeltrack von "Horse blanket" dann auch noch mit rund zwölf Minuten Spielzeit zu Buche schlägt und mittendrin mit einem astreinen, völlig aus dem Nichts kommenden Schrammelgitarrensolo ums Eck kommt, macht den Abschiedsschmerz umso schlimmer. Es ist eine dieser Fragen, auf die es einfach keine Antwort gibt: Warum weiß man eigentlich immer erst, was man hatte, wenn man es nicht mehr hat?

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Stupid thing
  • Horse blanket

Tracklist

  1. Dream sequence
  2. Shiver
  3. Keep me awake
  4. Stupid thing
  5. Horse blanket
  6. Trapped

Gesamtspielzeit: 31:20 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Erdbeerhund
2017-11-27 18:36:45 Uhr
Album kostenlos auf der bandcamp-Seite erhätlich

maxlivno

Postings: 65

Registriert seit 25.05.2017

2017-11-24 21:33:44 Uhr
Band war mir kein Begriff, hab aber, weil die Rezension gut war, eben einmal reingehört. Shiver, Keep Me Awake und Horse Blanket haben auf Anhieb gefallen.

Armin

Postings: 10576

Registriert seit 08.01.2012

2017-11-23 21:20:39 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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