Sam Smith - The thrill of it all

Sam Smith- The thrill of it all

Capitol / Universal
VÖ: 03.11.2017

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Prinz Glasherz

Im Juli 2014 äußerte sich Sam Smith abfällig gegenüber Dating-Apps wie Tinder und Grindr, bezeichnete sie unter anderem als "ruining romance". Es ist eine auf den ersten Blick recht unbedeutende Fußnote, doch stellt sie ein kleines Steinchen im Charaktermosaik des jungen Briten dar. Smith ist ein Romantiker der ganz alten Schule, der an ein heutzutage schon fast altertümliches Konzept "wahrer" Liebe glaubt und sich regelmäßig darüber beklagt, wenn es mal nicht so läuft wie im Rosamunde-Pilcher-Film. Vielleicht ist es das, was sein Debüt "In the lonely hour" zu solch einem riesengroßen Erfolg werden ließ, diese für jedermann und –frau bezugsfähigen Geschichten über romantische Enttäuschungen, vorgetragen von einer emotional unglaublich ausdrucksstarken Stimme, die mit ihrer Wärme und Glaubwürdigkeit jedem Vorwurf von Kalkül trotzte. So erhoben sich er und Adele zum britischen Königspaar des massentauglichen Herzschmerz-Soul-Pop, wobei Smith hier eher den sensiblen, zurückgezogenen Part gibt, der verlorenen Beziehungen lieber hinterhertrauert, als nach vorne zu blicken.

In Anbetracht dessen beginnt "The thrill of it all" durchaus überraschend, denn die Hitsingle "Too good at goodbyes" stellt, begleitet von einem mächtigen Gospelchor, in Aussicht, die hoffnungslose Selbstbemitleidung hinter sich zu lassen. Es wird allerdings nur eine Momentaufnahme bleiben, an anderer Stelle zeigt sich das Herz des 25-Jährigen wie gewohnt zerbrechlicher als Omas alte Ming-Vase auf dem noch älteren, wackligen Sockel. "Am I a monster? What will your family think of me?" hinterfragt er sich selbst nach dem Ende einer nicht funktionierenden Beziehung in "Midnight train", gestützt von "Creep"-Gitarren. "No peace", ein Duett mit der New Yorker Sängerin Yebba, besingt die Flucht in Alkohol und Zigaretten, während "Say it first" mit dem sphärischen, getragenen Sound von The xx kokettiert. Letzteres soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass "The thrill of it all" auch musikalisch mit seiner Motown-Ästhetik, den Chören und den Bläsern der legendären Dap Kings ein stark rückwärtsgewandtes Album ist, das sämtliche Entwicklungen des modernen R'n'B seit Kanye Wests "808s & heartbreak" bewusst ignoriert.

Am eindrucksvollsten zeigt sich dieser Ansatz in "One last song", einem an Kool & The Gang erinnernden Uptempo-Stück und der wohl sonnigste Song in Smiths noch jungem Backkatalog. "Pray" ist ein weiteres Highlight, Timbalands Produktion setzt inmitten einer ungemein intensiven Klimax immer wieder Reizpunkte, während es thematisch um einen Zustand der Welt geht, in dem sogar Atheisten den Drang zum Gebet verspüren. Und dann ist da noch "Him", das Lied von der Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Liebe, das zu singen im Jahr 2017 eigentlich nicht mehr notwendig sein sollte. "Please don't get angry / Have faith in me", fleht das lyrische Ich spirituellen und leiblichen Vater gleichermaßen an. Es handelt sich um einen durchaus diskutablen Entschuldigungsethos – wenn Gott missfällt, wen ich liebe, ist das in erster Linie sein Problem und nicht meins – doch der katholisch großgewordene Smith entscheidet sich bewusst gegen eine homosexuelle Empowerment-Hymne und nimmt stattdessen die Perspektive eines verwirrten Südstaaten-Jungen ein, der versucht, die eigenen Gefühle mit seiner religiösen Erziehung in Einklang zu bringen. Smiths Sexualität ist der Öffentlichkeit längst kein Geheimnis mehr, doch "Him" ist sein erster explizit schwuler Liebessong, nachdem er auf "In the lonely hour" Geschlechtspronomen noch willentlich vermied.

Leider trifft "The thrill of it all" emotional nicht immer dermaßen ins Schwarze. "Baby, you make me crazy" hätte auch Olly Murs kaum schlimmer verbrechen können, während "Burning" und "Palace" zwar nette, aber auch recht langweilige Pianoballaden sind und letztere auch textlich nicht mehr als hohle Phrasendrescherei zu bieten hat. Und auch, wenn zu keinem Zeitpunkt Zweifel daran bestehen, dass Smith von seinen eigenen Erfahrungen und Gefühlen singt, lässt sich bei all der Glätte, den einfach verständlichen, für jede Altersklasse und jedes Geschlecht bezugsfähigen Lyrics und der amerikanischen, wuchtigen Produktion ein Eindruck von Formelhaftigkeit nicht abstreiten. Das ist aber deshalb unproblematisch, weil Smith seinen Songs genug Leben einhaucht, um sie nicht zum seelenlosen Produkt verkommen zu lassen und ein dahinterstehendes Kalkül komplett egal ist, solange die Musik beim Hörer ankommt. So hätte "The thrill of it all" zwar auch den ein oder anderen "Thrill" mehr vertragen können, doch wer sich wie der Brite als romantischer Idealist von der Welt immer wieder betrogen fühlt, findet hier ein verständnisvolles Ohr.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • One last song
  • Him
  • Pray

Tracklist

  1. Too good at goodbyes
  2. Say it first
  3. One last song
  4. Midnight train
  5. Burning
  6. Him
  7. Baby, you make me crazy
  8. No peace (feat. Yebba)
  9. Palace
  10. Pray

Gesamtspielzeit: 35:38 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2017-11-15 21:31:48 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 10543

Registriert seit 08.01.2012

2017-10-25 20:39:59 Uhr - Newsbeitrag
Sam Smith, Sam Smith verkündet Deutschlantour 2018 ++ Neues Album The Thrill Of It All erscheint am 03. November

Sam Smith
Sam Smith verkündet Deutschlantour 2018 ++ Neues Album "The Thrill Of It All" erscheint am 03. November
Mit "The Thrill Of It All" erscheint am 03. November das bereits sehnsüchtig erwartete zweite Album von Sam Smith. Doch die Fans dürfen sich auf ein weiteres Highlight freuen, denn der britische Superstar kommt 2018 auf Deutschlandtour!

Das neue Album „The Thrill of It All“ hat Sam Smith mit seinem langjährigen Freund und Kreativpartner Jimmy Napes aufgenommen. Außerdem arbeitete er dieses Mal auch mit Timbaland, Malay, Jason „Poo Bear“ Boyd und Stargate zusammen. Ein weiterer Albumgast ist die UK-Neuentdeckung YEBBA, mit der Sam den umwerfenden Song „No Peace“ eingesungen hat.

Am Freitag, den 27. Oktober 2017 startet der Ticketvorverkauf um 10 Uhr bei Eventim. Bei drei Deutschlandkonzerten – in Köln, Hamburg und Berlin – ist dann Gänsehaut garantiert.

25. April 2018 Berlin, ­Mercedes-Benz Arena
27. April 2018 Hamburg, Barclaycard Arena
28. April 2018 Köln, Lanxess Arena
08. Mai 2018 Wien, Accorhotels Arena
09. Mai 2018 Zürich, Hallenstadion

Francois
2017-10-23 15:11:49 Uhr
Diese 2 neuen Songs sind auf ganz hohem Niveau! Wird ein sehr interessantes Album!

Armin

Postings: 10543

Registriert seit 08.01.2012

2017-10-06 19:50:16 Uhr - Newsbeitrag
Sam Smith
Sam Smith kündigt sein neues Album an: "The Thrill Of It All" erscheint am 3. November
Gut drei Jahre ist es inzwischen her, dass Sam Smith sein Debütalbum veröffentlicht hat und damit schlagartig zu einem der größten Stars unserer Zeit avancierte: Über 12 Millionen Mal hat sich sein Erstling weltweit verkauft und wurde u.a. mit vier GRAMMY Awards und drei BRIT Awards ausgezeichnet. Zudem erhielt Sam Smith den Oscar und einen Golden Globe. Heute hat Sam Smith sein mit Spannung erwartetes zweites Studioalbum angekündigt: „The Thrill of It All“ erscheint am 3. November 2017. Nach der Veröffentlichung der ersten Single „Too Good At Goodbyes“ gibt es heute mit „Pray“ - produziert von Timbaland - einen weiteren, brandneuen Song des Briten zu hören.

Pray (Audio Only) by Sam Smith on VEVO.

Mit „Too Good At Goodbyes“, der offiziellen ersten Single aus dem kommenden Album, setzte Sam Smith seine Hitserie eindrucksvoll fort: Platz #1 in den britischen und den globalen Spotify-Charts und zudem ist die sechste #1-Single in den offiziellen UK-Singlecharts. Auch bei iTunes in den USA und UK erreichte „Too Good At Goodbyes“ die Spitze und stieg hierzulande auf Anhieb in die Top 10 ein.

Das neue Album „The Thrill of It All“ hat Sam Smith mit seinem langjährigen Freund und Kreativpartner Jimmy Napes aufgenommen. Außerdem arbeitete er dieses Mal auch mit Timbaland, Malay, Jason „Poo Bear“ Boyd und Stargate zusammen. Ein weiterer Albumgast ist die die UK-Neuentdeckung YEBBA, mit der Sam den umwerfenden Song „No Peace“ eingesungen hat.

Einen exklusiven Vorgeschmack auf das kommende Album präsentierte der Sänger seinen Fans zuletzt im Rahmen von vier intimen Live-Shows, die im September in London, New York, Los Angeles und Berlin stattfanden. Am Samstag (7. Oktober) wird er bei der US-TV-Show Saturday Night Live auftreten und neben „Too Good At Goodbyes“ noch einen weiteren Song vom neuen Album "The Thrill Of It All" live präsentieren.

"The Thrill Of It All" kann ab sofort vorbestellt werden.

Standard Edition - Tracklisting
„Too Good At Goodbyes“
„Say It First“
„One Last Song“
„Midnight Train“
„Burning“
„Him“
„Baby, You Make Me Crazy“
„No Peace“ (feat. YEBBA)
„Palace“
„Pray“

Special Edition
„Nothing Left For You“
„The Thrill of It All“
„Scars“
„One Day At A Time“

Armin

Postings: 10543

Registriert seit 08.01.2012

2017-09-19 18:00:53 Uhr - Newsbeitrag
‘Cause every time you hurt me, the less that I cry

And every time you leave me, the quicker these tears dry

And every time you walk out, the less I love you

Baby we don’t stand a chance, it’s sad but it’s true

I’m way too good at goodbyes













Nachdem der Grammy- und Oscar-Gewinner Sam Smith zuletzt vor zwei Jahren mit seinem James-Bond-Titelsong an den Sensationserfolg seines Debütalbums „In The Lonely Hour“ angeknüpft hatte, meldet sich der 25-Jährige diese Woche mit dem Video zur neuen Single „Too Good At Goodbyes“ zurück.



Es handelt sich bei „Too Good At Goodbyes“ um die erste Veröffentlichung seit dem UK-#1-Hit „Writing’s On The Wall“, den Sam Smith im September 2015 exklusiv für den Bond-Kinofilm „SPECTRE“ aufgenommen hatte. Die mit seinem angestammten Co-Songschreiber Jimmy Napes und Stargate aufgenommene neue Single unterstreicht erneut, über was für eine Ausnahmestimme der Londoner verfügt, dessen Handschrift auch im Songwriting deutlich zu erkennen ist. „Der Song handelt von einer Beziehung, in der ich war“, berichtet Smith über den emotionalen Titel. „Im Grunde genommen geht es darum, wie man immer besser darin wird, damit umzugehen, wenn der andere Schluss macht, man einen Korb bekommt. Ist ja schon eine ganze Weile her, seit ich meinen letzten Song veröffentlicht habe, aber ich glaube, dass diese Single ganz gut die Richtung aufzeigt, in die ich als nächstes aufbreche.“



Um seine Rückkehr ins Rampenlicht zu zelebrieren, spielte Sam Smith in den letzten Tagen eine Reihe von intimen Live-Shows in den Metropolen London, New York, Los Angeles und Berlin: Vier Konzerte, die eine seltene Gelegenheit darstellten, den Superstar in einem absolut intimen Ambiente live zu erleben.



Gut drei Jahre ist es inzwischen her, dass Sam Smith sein Debütalbum veröffentlicht hat und damit schlagartig zum globalen Superstar wurde: Über 12 Millionen Mal hat sich sein Erstling seither weltweit verkauft. Ein #1-Hit in den britischen Albumcharts, bescherte es dem Sänger nach gleich fünf #1-Singles in UK eine ganze Serie von Auszeichnungen: Sam Smith gewann seither u.a. einen Academy Award, einen Golden Globe, drei BRIT Awards, vier GRAMMY Awards, drei Billboard Music Awards und sechs MOBO Awards.


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