Michael Head & The Red Elastic Band - Adiós Señor Pussycat

Michael Head & The Red Elastic Band- Adiós Señor Pussycat

Violette / Indigo
VÖ: 20.10.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Die Wärme der eigenen Mitte

Michael Head hat bereits einiges erlebt. Nicht nur, dass sich der 1961 geborene Songwriter aus Liverpool seit über 30 Jahren in Bands wie The Pale Fountains oder Shack verdingt hat. Auch andere Gefährten waren lange Zeit dabei: Alkohol, Ecstasy, Acid, Kokain – und auch Heroin. Von letztgenanntem musste er zweimal loskommen, lebt jedoch mittlerweile seit einigen Jahren clean. "Adiós Señor Pussycat" ist das erste Studioalbum, welches als Zeugnis dieser Erfahrung gelten darf. Der erste Longplayer mit den seit 2013 an Bord befindlichen Begleitern The Red Elastic Band steckt voller Lebenserfahrung, gibt sich melancholisch, und ist doch mit sich im Reinen. Selten hat ein Cover das Gefühl einer Platte so gut getroffen. Vor einem abgerockten Gebäude sitzt Head in fleckiger Hose – und lächelt, was das Zeug hält. So befreit, wie neu geboren, es steckt geradezu an. Was wiederum zum Inhalt passt.

"Adiós Señor Pussycat" ist voller warmherziger Oden an das Leben, reichhaltig instrumentiert und mit einem angenehm wohligen Klang versehen. Wann hat man das letzte Mal so einen wunderschön fülligen Basssound gehört? Kein Wunder, dass die Platte zur Wintersaison erscheint, wenn Kleinode wie "Picklock" die Streicher seufzen lassen, während Head auf die überwundenen Suchtprobleme zurückblickt: "Wine is the picklock that opens the box for me." Die Pianoballade "Winter turns to spring" kann gar vor dem geistigen Auge Filmmontagen von glücklichen Menschen in verschneiten Parks ablaufen lassen. Man versteht, warum sich so unterschiedliche Musikgrößen wie Noel Gallagher oder Tricky auf den gefühlvollen Sound einigen können. Und womöglich auch, warum Head es mit keiner seiner Bands ins große Rampenlicht geschafft hat und stattdessen eine kleine, aber treue Anhängerschaft um sich versammelt. Die Songs wollen schlichtweg nicht die alles entscheidende Hymne sein, verzichten auf weltumspannende Melodien. "Adiós Señor Pussycat" wirkt deshalb trotz all den Bläsern, Streichern und vielfältigen Arrangements immer bescheiden.

Wenn ein Track wie das schon beinahe majestätisch schreitende "Queen of All Saints" aus dem komfortablen Setting heraustritt, bleibt es deshalb ein besonderer Moment. Speziell hier fällt neben dem Klavier der prominent in den Vordergrund gemischt Bass auf, während die Gitarre nur von weit entfernt ans Ohr schallt. Ersetzt mit der verstrahlten Wärme jede Heizung im Winter. "I got peace of mind", singt Head anderswo und man nimmt es ihm ab. Die neu gefundene Nüchternheit schadet seinem Talent nicht. "Adiós Señor Pussycat" ist unaufgeregter Softrock, der nichts beweisen muss und trotzdem immer wieder kleine hübsche Einfälle einstreut. Sei es der Beginn von "What's the difference" auf leisen Sohlen, der so gar nichts von dem bunten Treiben ab der Mitte verrät. Oder der leicht irische Folkanstrich des herzlichen "Josephine". Nur konsequent daher, dass das bezeichnendste Element auf dem Cover gar nicht im Mittelpunkt steht. Schräg über Head wurde es mit weißer Farbe an die Wand gekritzelt: das Wort "love".

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Picklock
  • Queen of All Saints
  • Josephine

Tracklist

  1. Picasso
  2. Overjoyed
  3. Picklock
  4. Winter turns to spring
  5. Workin' family
  6. 4&4 still makes 8
  7. Queen of All Saints
  8. Josephine
  9. Lavender way
  10. Rumer
  11. Wild mountain thyme
  12. What's the difference
  13. Adios amigo

Gesamtspielzeit: 44:18 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2017-11-15 21:30:10 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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