Cannibal Corpse - Red before black

Cannibal Corpse- Red before black

Metal Blade / Sony
VÖ: 03.11.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Kopfarbeiter

Eigentlich haben Cannibal Corpse schon so ziemlich alles in ihrer Karriere erreicht. Also zumindest in dem Bereich, den eine Death-Metal-Band halt so erreichen kann. Damit ist noch nicht einmal gemeint, dass ihre Platten auch – oder gerade, wie man's nimmt – in vermeintlich gebildeten und toleranten Ländern indiziert, beschlagnahmt oder direkt verboten wurden. Nein, die Band aus Buffalo, New York, war seinerzeit der erste Vertreter des Genres, der in den amerikanischen Charts gelistet wurde. Und wohl nach wie vor die extremste, aber das nur am Rande. Überhaupt gilt der Fünfer als eine der Death-Metal-Bands mit den meisten Plattenverkäufen. Was ebenfalls durchaus verblüfft angesichts der, sagen wir mal ausführlichen Studien der menschlichen Anatomie. Nur eines hat die Truppe um George Fisher, den wohl einzigen Frontmann, der einen Baumstamm trägt, wo andere einen Hals haben, in knapp 30 Jahren Historie noch nicht geschafft: eine gemeinsame Tour mit ihren großen Idolen Slayer.

Warum genau dieser Umstand so erwähnenswert ist? Nun, eben jene Slayer fungieren als große Vorbilder: Die Platten der Thrash-Pioniere sind nicht zum ersten Mal wesentlicher Bestandteil des Soundtracks in den Songwriting-Sitzungen gewesen. Denn während schon der Opener "Only one will die" ein cooles Riff im Stil früher Kreator als kleine Fingerübung einstreut, ist der folgende Titeltrack schlicht barbarisch. Natürlich erkennt an Fishers bluttriefendem Gegurgel wirklich jeder, der die letzten Jahrzehnte nicht auf einer einsamen Insel verbracht hat, dass es sich hier eventuell um Death Metal handeln könnte. Doch die Riffs der Gitarrenfraktion sind purer Thrash, genau das Gemetzel, das entsteht, wenn sich die frühen Inkarnationen von Slayer, Exodus und eben Kreator um die Tonspur zum blutigen Schlachtfeld der Lyrics duellieren. Erbarmen? Vergesst es.

Und das gilt beileibe nicht nur für diesen einen Song. Denn Cannibal Corpse nehmen alles Mögliche, nur keine Rücksicht auf Verluste. Schon gar keine Gefangenen. Die kleinen Tempowechsel bei "Code of the slashers" und vor allem "Remaimed" täuschen eine Pause lediglich vor, sind aber am Ende nur die trügerische Ruhe vor dem Sturm. "Shedding my human skin" ist erneut pure Raserei, ebenso das kleine Wiegenlied "Firestorm vengeance". Oder wie schon Metallica auf dem Backcover ihres Debüts "Kill 'em all" forderten: "Bang that head that doesn't bang." Wie praktisch, dass die dergestalt durchgerüttelten Häupter mittels "Heads shoveled off" umgehend einer weiteren Verwendung zugeführt werden.

Wenn man jetzt denkt, die Spitzenklasse des Death Metal sei endgültig erreicht, drischt der Fünfer einen Song in die Welt, für den man selbst im umfangreichen Backkatalog lange suchen muss, um entsprechende Vergleiche zu finden. Was für eine Gewalttat ist bitte "In the midst of ruin"? Was für ein Massaker bricht hier über den Hörer herein? Jetzt mal ganz im Ernst: Wer immer noch der Meinung ist, Death Metal sei reines Gerüpel, der möge im Zweifel den womöglich gewöhnungsbedürftigen Gesang kurz ausblenden und zur Kenntnis nehmen, dass diese bei aller Knochenhärte derart virtuose, geradezu filigrane Gitarrenarbeit nur die absolut handverlesene Spitzenklasse des Genres beherrscht. Es gibt wohl kaum einen Körperteil, den Cannibal Corpse bei ihren lyrischen Ausflügen in die Abgründe von Horror und Splatter noch nicht abgetrennt haben. Die Schädel der zur Raserei getriebenen Zuhörerschaft gehören traditionell dazu. Doch diese Mischung aus enthemmter Brutalität, irrwitziger Spielfreude und bei aller Blutigkeit immer noch augenzwinkernder Lyrics ist etwas, was auch diesen Urgesteinen nur selten gelingt. Gras wird über diese Platte wohl sehr lange keines wachsen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Red before black
  • Remaimed
  • In the midst of ruin

Tracklist

  1. Only one will die
  2. Red before black
  3. Code of the slashers
  4. Shedding my human skin
  5. Remaimed
  6. Firestorm vengeance
  7. Heads shoveled off
  8. Corpus delicti
  9. Scavenger consuming death
  10. In the midst of ruin
  11. Destroyed without a trace
  12. Hideous ichor

Gesamtspielzeit: 46:32 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Metalhead
2017-11-16 16:08:05 Uhr
geiles geschepper
Bremer Stadtmusicunt
2017-11-16 11:23:30 Uhr
Sehr schade, das Cover enttäuscht!
Ganz klar
2017-11-16 10:29:19 Uhr
Musik für Soziopathen.

Major

Postings: 934

Registriert seit 14.06.2013

2017-11-16 09:29:45 Uhr
Über den Tellerrand:
http://www.dailymotion.com/video/x31sffq
Counting Tom
2017-11-15 23:22:50 Uhr
Coole Rezi! Und schön, dass Plattentests auch immer wieder mal über den Tellerrand schaut. So jefällt ma dit.
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