Walk The Moon - What if nothing

Walk The Moon- What if nothing

RCA / Sony
VÖ: 10.11.2017

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Don't bore us with your chorus

Machen wir es heute mal wissenschaftlich und journalistisch grenzwertig und zitieren Wikipedia: "In der Popmusik ist der Refrain der eigentlich tragende Teil, um den ein Lied oftmals geradezu herumkomponiert ist. Nicht selten kommt es vor, dass ein Musikstück in seiner zweiten Hälfte nur noch aus ständigen Wiederholungen des Refrains besteht [...]." Auf dem Prüfstand heute dazu: Walk The Moons drittes Album "What if nothing". Den Tatbestand der Popmusik hatten sie ja bereits erfüllt, als damals "Anna Sun" von den Indie-Discos langsam Richtung Mainstream-Tanzfläche wanderte, spätestens aber, als "Shut up and dance" vom Zweitling "Talking is hard" im Radio auf Dauerrotation ging. Jetzt richtet sich allerdings die Gretchenfrage an Walk The Moon: "Nun sagt, wie habt Ihr's mit den Refrains?" Das "nicht seltene" Vorkommnis der Chorus-Wiederholung tritt auf "What if nothing" angesichts einer durchschnittlichen Laufzeit von über vier Minuten pro Song schon einmal häufig genug auf.

Mit der tragenden Funktion hingegen ist das so eine Sache. Beim respektabel beginnenden Opener "Press restart" freut man sich ob der spannungsgeladenen Strophe schon auf die entscheidende Explosion. Als der Song dann plötzlich wegknickt, merkt man erstaunt: Das war nicht die Strophe, das war bereits der Refrain. Ein Problem, das auf "What if nothing" leider mehr als einmal auftritt. Genau dann, wenn die Songs zünden sollen, verpuffen sie. "Headphones" umgeht dieses Problem geschickt, indem es sich einfach am Ende in einen schmissigen Overdrive hineinsteigert. Anderswo klappt es nicht: Der ersten Single "One foot" fällt nichts anderes ein, als ständig die gleiche Zeile zu wiederholen und dazwischen ekelhaftes Voiceeffekt-Quietschen aufzufahren, was man sowieso viel zu oft bereits in den Charts hört. Der Refrain trägt hier nicht, sondern lässt den Track zusammenkrachen.

Dass Nick Petricca gerne in Spechgesang verfällt, obwohl an ihm bei weitem kein Rapper verloren gegangen ist, zieht Stücke wie das sowieso zähe "All I want" zusätzlich runter. Da ist es gleich viel angenehmer, wenn sich "Surrender" davor ganz easy als Halbballade dem Synthie-Kitsch hingibt. "Tiger teeth" ist zwar deutlich zahnloser als sein Titel verspricht, kann aber eine hübsche Strophenmelodie und subtile Zurückhaltung punkten. Es sind hingegen die gewollten Stampfer, die ganz klar auf die Nachfolge von "Shut up and dance" schielen, aber einfach nicht so knallen, wie sie sollten. Gut, mag man da sagen – dann nerven sie eben auch nicht so wie der erwähnte Hit. Stimmt schon. Auf Dauer wirken flache Versuche wie die Imagine-Dragons-light-Pastiche "All night" oder das Tralala von "Feels good to be high" aber auch ermüdend. Lyrics wie "Feels good to be high / Feels good to be alive" kann man da auch nicht als Pluspunkt verbuchen.

Das endlose sechs Minuten dauernde "Sound of awakening" ist ein stellvertretendes Beispiel der Problematik: Nach einem langen A-capella-Intro hält sich der Song zu viel mit Stimmeffekt-Spielen auf, stürzt zwischendurch mal fast in Stille ab – und ist irgendwann plötzlich vorbei. Da bleibt im Anschluss lediglich eine Frage: War was? Bis dann ein einigermaßen stimmiger Song wie "In my mind" wachrüttelt, wurde schon viel verschlafen. War das selbstbetitelte Debüt noch der vielversprechende Start in eine gelungene Party, stand "Talking is hard" bereits im Schatten der drohenden Übersättigung und Überreizung. "What if nothing" ist über weite Strecken nur noch Weitermachen aus Prinzip, obwohl man eigentlich bereits zu erschöpft ist. Die Eingängigkeit kommt nicht ohne griffige Hooks, die Strukturen sind zu simpel, um die zündende Begeisterung hervorzurufen. "What if nothing" läuft zwar angenehm und ohne Nervpunkte durch, ist aber darüber hinaus leider nicht viel inhaltsschwangerer als sein Titel.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Headphones
  • Surrender
  • In my mind

Tracklist

  1. Press restart
  2. Headphones
  3. One foot
  4. Surrender
  5. All I want
  6. All night
  7. Kamikaze
  8. Tiger teeth
  9. Sound of awakening
  10. Feels good to be high
  11. Can't sleep (Wolves)
  12. In my mind
  13. Lost in the wild

Gesamtspielzeit: 55:45 min.

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Armin

Postings: 10345

Registriert seit 08.01.2012

2017-11-08 21:40:56 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 10345

Registriert seit 08.01.2012

2017-10-29 20:59:09 Uhr - Newsbeitrag
Nach ihrer Hit-Single "Shut Up And Dance" legen das US-Quartett sein neues Album vor. Und auch die neue Single "One Foot" ist bereits auf Hit-Kurs!



Liebe Freunde, liebe Medienpartner,

mit der Single "Shut Up And Dance" gelang dem US-Vierer aus Cincinatti, Ohio 2014 der weltweite Durchbruch. In Deutschland wie auch acht anderen Ländern erreichte der Track die Top Ten und erreichte hierzulande Goldstatus und lief massiv im Radio. Das dazugehörige Album erreichte sogar die Pole Position der US Billboard Alternative Charts. Bis dato stehen sechs Millionen Downloads, 850 Millionen Streams und zwei Billboard Music Awards zu Buche.

Das Video zur neuen Single "One Foot" gibt es hier zu sehen.

Vor dem ganz großen Durchbruch hatten Sänger und Keyboarder Nicholas Petricca, Gitarrist Eli Maiman, Bassist Kevin Ray und Drummer Sean Waugaman bereits zwei Top 20 Alternative Hits gelandet: „Anna Sun“ und „Tightrope“, beide von ihrem selbst betitelten Debütalbum, das 2012 erschien. Seit 2008 war die Band unermüdlich auf Tour und erspielte sich mit ihren mitreißenden und euphorisierenden Live-Shows eine treue und stetig wachsende Fan-Gefolgschaft. Erfahrungen, die Walk The Moon zu Gute kamen, als „Shut Up And Dance“ plötzlich überall auf der Welt in die Spitzengruppe der Charts kletterte und sich die Band plötzlich auf einer Welttour wiederfand, auf der sie innerhalb von drei Monaten 25 Ländern auf fünf Kontinenten besuchte.



Wie omnipräsent der Song war, dämmerte Waugaman während eines Japan-Aufenthalts. „Wir spazierten durch Kyoto und ich setzte mich von den anderen ab, um in einen Laden für Essstäbchen zu gehen“, erinnert er sich. „Dort gab es fünfhundert verschiedene Arten von Essstäbchen. Ich konnte meine Bandkollegen nicht wiederfinden, doch in diesem Laden, in dem niemand englisch sprach, lief ‚Shut Up And Dance‘ im Radio.“

„Jeder Aspekt von Walk The Moon war vom Erfolg von ‚Shut Up And Dance‘ betroffen“, sagt Ray. „Es ändert sich nicht nur die Art und Weise, wie Radios dich wahrnehmen, auch die Tour-Booking-Anfragen explodierten und die Hallen wurden immer größer und größer. Uns wurde zum ersten Mal klar, dass Leute, die überhaupt nichts mit uns und unserer Musik zu tun gehabt hatten, plötzlich komplett am Start waren. Der Song wurde Teil der Popkultur und wir wurden zu Sachen eingeladen, von denen wir vorher nur geträumt hatten.“

Auf dem Höhepunkt des Ganzen mussten Walk The Moon allerdings ihre „Work This Body”-Tour absagen, damit Petricca nach Hause zurückkehren konnte, um Zeit mit seinem Vater zu verbringen, der nach vierzehn Jahren Alzheimer-Erkrankung nicht mehr lang zu leben haben würde. „Es wurde immer schlimmer und meine Familie brauchte mich”, erinnert er sich. „Wir taten etwas, was wir zuvor nie für möglich gehalten hätten: wir sagten eine Tour ab. Eigentlich waren wir nicht so eine Band.“

Keine Frage, es war eine sehr harte Zeit. „Wir hatten sechs Jahre lang fast jeden Tag damit verbracht, mit unserer Musik erfolgreich zu sein, und dann ändert sich plötzlich alles. Es war nicht leicht, damit klar zu kommen“, sagt Ray, den seinerseits eine Schulterverletzung zu einer Auszeit zwang. Seine Ärzte warnten ihn, dass es durchaus möglich sei, dass er nie wieder Bass spielen könnte. „Ich musste zwei Monate im Bett liegen und versuchte, mit der Isolation klar zu kommen und nicht süchtig nach den Schmerzmitteln zu werden. In der Reha-Phase nach einer Verletzung kann man sehr leicht depressiv werden.“

„Als wir die Band gründeten, hatten wir uns das ganz anders vorgestellt“, sagt Petricca. „Wir wollten eigentlich die Ziellinie erreichen und mussten das Rennen vorzeitig beenden.” Mit einem leeren Kalender vor Augen und ohne Pläne für eine Rückkehr, verloren sich die Bandmitglieder aus den Augen, die Kommunikation zwischen ihnen kam fast vollständig zum Erliegen. „Zum ersten Mal hatten wir Zeit, uns ein Leben ohne Band vorzustellen“, erinnert sich Petricca. Das allgemeine Vakuum bot Raum für Spannungen. „Einige Leute fragten sich, ob sich die Band wohl auflösen würde“, sagt Ray. „Für mich stellte sich die Frage nie. Es war eher die Frage: ‚Wird es jemals wieder so sein wie zuvor?‘“

„Plötzlich waren da all diese ‚Was-wäre-Wenns‘, wie z.B.: ‚Wo führt das alles hin, wenn wir den nächsten Schritt voran nicht gemeinsam machen können?‘“, sagt Petricca. „Immer öfter tauchte die Redewendung ‚What If Nothing‘ auf. ‚Was passiert, wenn all das verschwindet?‘. Es war für uns eine Gelegenheit, einen Schritt ins Unbekannte zu machen. Wir hatten die Wahl, in diesem Zustand zu verharren und uns weiter voneinander zu entfremden, oder uns ehrlich gegenüber zu treten und zu versuchen, die Sache wieder ins Laufen zu bekommen.“ Der Titel des neuen Albums war geboren: „What If Nothing“. „Wir lieben den Titel, denn er zwingt den Hörer, heraus zu bekommen, was zur Hölle er bedeutet“, sagt Petricca. „Alle Ängste und alle Möglichkeiten beginnen mit ‚Was wäre, wenn…‘. ‚Was wäre, wenn das alles umsonst ist?‘ oder ‚Was wäre, wenn mich nichts aufhält?‘“.

Im Herbst 2016, ein paar Wochen nach Rays Hochzeit, trafen sich die Bandmitglieder in einem Studio in Austin. „Nur wir vier und ein Toningenieur in einem Raum“, erinnert sich Petricca. „Es hatte seit Jahren kein Songwriting-Treffen wie dieses mehr gegeben. Es machte großen Spaß. Wir stolperten in dem kleinen Raum herum und machten einfach Lärm, doch aus diesen Sessions erwuchs etwas sehr Kraftvolles.“ „Wir spürten: ‚Oh, es geht wieder los‘ und wir sind immer noch Freunde“, sagt Ray. „Wir können immer noch zusammen Musik machen.” „Das Studio war in einem Lagerhaus, das voller Kisten und Schachteln mit Glühbirnen war“, sagt Maiman. „Es war alles andere als eine Luxus-Umgebung, aber es bringt einen wieder auf den Boden zurück, wenn man in einem Studio arbeitet, das sich die Räumlichkeiten mit einer Elektrofirma teilt, nachdem man einen weltweiten Hit hatte. Es war schön, wieder an einem solch verrußten und unglamourösen Ort zu sein.“

Das Ergebnis ihre Anstrengungen ist „What If Nothing”- ein Album, auf dem die Band sich von seiner inspiriertesten, futuristischsten und furchtlosesten Seite zeigt. Unter der fachkundigen Anleitung der Produzenten Mike Crossey (The 1975, Arctic Monkeys) und Mike Elizondo (Eminem/Dr. Dre) vereinen Nicholas, Eli, Kevin und Sean ihren glanzvollen New-Wave-Indiepop-Dancerock gekonnt mit HipHop-, Punk-, Psychedelic- und Reggae-Elementen. Auch einige ungewöhnliche Klänge haben sich eingeschlichen, Petricca hatte sich von den Produzenten Mura Masa und Photay inspirieren lassen. „Durch meine Arbeit mit Wyclef habe ich viel Reggae gehört, Steel Pulse, Bob Marley und Gregory Isaacs“, erklärt er. „Ich bewundere es, wie viel Schmerz und Leid in den Texten zum Ausdruck kommt, und die Musik trotzdem so entspannt und uplifting klingt.“

Mit der ersten Single „One Foot“ ist Walk The Moon abermals eine grandiose Pophymne gelungen, die sich thematisch dem bereits erwähnten ‚Schritt ins Ungewisse‘ widmet. „Man hat keine Garantie für einen wie auch immer gearteten Ausgang des Ganzen, man hat aber einfach keine Wahl, als immer weiter voran zu gehen. Das Thema erschien mir in Bezug auf meine Lebenssituation relevant zu sein, aber man kann es auch als Kommentar auf den ganzen Umbruch und die unerwarteten Geschehnisse verstehen, die gerade in unserem Land, den USA, stattfinden. Die Fragen sind ganz ähnlich wie jene, die sich uns als Band stellen: ‚In welche Richtung bewegt sich das Ganze? Wo werden wir landen?‘. Dieses Album handelt davon, die Fragen zu haben, aber keine Antworten.“

Auf „All I Want“ fragt sich Petricca, welchen Sinn all die Dinge ergeben, die er sich vom Leben erwartet. „Mir wurde klar, dass die Bewertung von Außenstehenden nicht viel wert ist“, sagt er. „Es muss von Innen kommen.“ Der Song „Surrender“ thematisiert die Verletzlichkeit nach dem Ende einer Beziehung. „Kamikaze“ ist ein Liebeslied über die letzte Nacht, die man mit jemandem verbringt, bevor man ins Feuer geht. „Dieses Album ist für uns wirklich ein Blick in den Spiegel“, sagt Ray. „Es ist sehr ehrlich.“

Im Februar verschlechterte sich der Zustand von Joe Petricca zusehends. Es wurde ein Klavier in sein Zimmer im Pflegeheim gebracht, damit Nicholas seinem Vater seine Lieblingslieder vorsingen konnte. „Plötzlich kehrte die Energie wieder in ihn zurück und er hielt noch eine weitere Woche durch“, sagt Petricca. „Es war ein langer Abschied voller Musik. Seine pure Liebe zur Musik und seine Ermutigungen, meine Passion auszuleben, waren für mich die wichtigsten Einflüsse.“ Petriccas Familie und Freunde kamen von überall her zum Begräbnis und Totenwache. „Es wurde eine Diashow von ihm gezeigt und auf jedem Foto machte er (absichtlich) ein blödes Gesicht“, sagt Petricca. „Der Raum war erfüllt von Liebe, es war wie eine Party – mit Sarg. Auch die Bandmitglieder und ihre Familien waren da. Ich bin ein Einzelkind und sie zeigten mir so deutlich, wie eng wir zusammen gehören. Es war ein großartiges Erlebnis, die ganze Trauer und Sorgen in ein Gefühl von Freude zu verwandeln, weil er nicht mehr leiden musste. Die Feier war eine Erlösung, eine Katharsis.”

Nach Joes Tod kehrten Walk The Moon mit Mike Crossey ins Studio zurück und vollendeten das Album, das den Geist jener Transformation atmet, den Petricca und seine Bandkollegen erlebt hatten. „Darum geht es – die Sorgen und das Leid zuzulassen, um das Leben neu und anders wertzuschätzen, weil man die andere Seite versteht“, erklärt er. „Wir wissen nun, wie hell das Sonnenlicht scheint, nachdem wir im Schatten leben mussten.“

Am 10.11. erscheint nun das neue Album "What If Nothing". Die dazugehörige Single "One Foot" ist bereits wieder dabei zahlreiche Radioplaylisten zu knacken.

Armin

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2017-10-17 18:41:05 Uhr - Newsbeitrag
Kommt schon am 10.11.
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