Ok Go - Ok Go

Ok Go- Ok Go

Capitol / EMI
VÖ: 24.03.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Grinsemänner

Vorneweg die beste Nachricht: OK Go ist eine junge neue Band und führt trotzdem kein "The" im Namen. Anscheinend steht das Quartett aus Chicago mit beiden Beinen in der Gegenwart, ohne nach irgendwelchen Hypes zu schielen. Und wie ist ihr selbstbetiteltes Debütalbum? Besser als es mancher wahrhaben möchte, denn auf ein Etikett wie "adoleszente Rock-Oberflächlichkeit" läßt es sich eigentlich nicht beschränken.

Rasch entpuppt sich der Opener als Glanzleistung der Platte. "Get over it", ein mächtiger Power-Pop-Brocken im Format des Nada Surfschen "Popular" mit stampfendem Schlagzeug, schneidenden Gitarrenriffs und energetischem Keyboard. In den USA längst von sämtlichen wichtigen Radiosendern mit Dauerrotation belohnt und zugleich eine bissig-ironische Kritik am schuldabweisenden Lamento der Berufsnörgler: "What to do but complain? / Better find someone to blame." Ironisch gebrochen werden auch die nächsten Tracks. "Don't ask me" und "You're so damn hot" kommen herrlich unbeschwert daher, gleichwohl etwas leiser. Sänger Damian Kulash jault mit der Orgel um die Wette, ganz so als wolle er Robert Smith Konkurrenz machen.

Im Anschluß jedoch kehrt unwiderruflich Ruhe ein. Keiner der verbleibenden acht Songs erreicht auch nur annähernd die Lautstärke des druckvollen Beginns. Gleichzeitig mit der Dezibelzahl sinkt zunächst auch das Niveau. "1000 miles per hour" läßt sich trotz seiner schattenhaften Everclear-Dösigkeit zwar noch ertragen, doch die distanzierte Melancholie, die insbesondere "Shortly before the end" prägt, fällt auf halber Strecke in sich zusammen. Kaum legt die Band ihren Humor ab, erleidet sie Schiffbruch. Glücklicherweise besinnen sich OK Go rasch auf ihre unterhaltsamere Seite, welche in der zweiten Hälfte des Albums allerdings weniger laut als vielmehr lässig daherkommt. In "There is a fire" quietscht Kulash mit schräger Stimme: "I never say quite what I mean / And never mean quite what I say". Da stört es auch nicht, daß derartig platte Chiasmen spätestens seit des tausendsten Comebacks von "Besser eine Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende" völlig aus der Mode geraten sind.

"Hello my treacherous friends" entwickelt sich gar mit der Zeit zum zweiten echten Knaller des Albums. Mit knäckebrot-trockenem Zynismus mokiert sich Kulash über die ach so guten Freunde in der neuen Stadt: "Hello, my treacherous friends / And thank you for joining me here tonight / I brought you all here to discuss / As I must, how grateful I am for your insights." Im letzten Song, "Bye bye baby", schließlich nehmen OK Go nochmals die ironische Pose der Anti-Helden ein. Die Frau hat sich mal wieder aus dem Staub gemacht "in search of careers and richer soils." Wir hingegen bleiben hier und stellen erstaunt fest, daß uns tatsächlich mal wieder eine Band ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert hat. Wenigstens ein bißchen.

(Sebastian Dalkowski)

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Highlights

  • Get over it
  • Don\'t ask me
  • You\'re so damn hot
  • Hello, my treacherous friends

Tracklist

  1. Get over it
  2. Don't ask me
  3. You're so damn hot
  4. What to do
  5. 1000 miles per hour
  6. Shortly before end
  7. Return
  8. There's a fire
  9. C-C-C-Cinnamon lips
  10. The fix is in
  11. Hello, my treacherous friends
  12. Bye bye baby

Gesamtspielzeit: 40:52 min.

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