Julia Engelmann - Poesiealbum

Julia Engelmann- Poesiealbum

Polydor / Universal
VÖ: 03.11.2017

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 2/10

Hör weg

Julia Engelmann, der "Shooting-Star der Poetry-Slam-Szene" (Nord24.de), geht unter die Musiker. Das ist furchtbar. Als die Pressemitteilung zu Engelmanns Debüt mit dem an Lieblosigkeit kaum zu überbietenden Titel "Poesiealbum" über den Äther ging, brachen, so hört man, im fernen Japan dem ein oder anderen Zen-Mönchen sämtliche Zacken aus dem Rechen. Jetzt aber mal wieder runterkommen, die eigene Mitte finden, denn das Schöne am musikalischen Schaffen der Bremerin: Es zwingt einen ja keiner hinzuhören, genauso wie man nervige Instagram-Muttis entfollowen kann. Außer aber man möchte sich zu aggressiven Höchstleistungen pushen, vor einem Cage-Fight zum Beispiel.

Aber warum macht Frau Engelmann überhaupt so wütend, denn letztlich tut sie doch keiner Fliege was zu Leide? Vielleicht ist es, dass sie immer ein bisschen klingt, als würde sie gleich weinen, oder viel schlimmer noch: Als wollte sie gleich weinen. Und auch ihre Fans plärren ständig, Jörg Pilawa zum Beispiel. Aber es ist nicht nur das, Julia Engelmann macht aggressiv, weil sie simpelste Dinge zu Hochgefühligem heraufbeschwört, was wiederum zu seelischer Verarmung führt. "Es gibt nur cool und uncool und wie man sich fühlt", erklärten einst Tocotronic, Engelmann revidiert selbiges und negiert jegliches Uncoole. Nur, wenn selbst das Alltägliche total geil ist und man alles immer mega intensiv wahrnimmt, dann fehlen irgendwann die Superlative und die Freude weicht der Beliebigkeit. Auf "Poesiealbum" ist das nicht anders.

Die Musik auf dem Debüt der "Dichterin" (Wikipedia) ist dabei völlig unerheblich, willkürliche Klangbetten für willkürliche Messages sozusagen. Letztere stehen naturgemäß im Vordergrund und so sind es oft schon einzelne Satzfetzen, die die Magensäure brodeln lassen: So etwa "Ich bin keine hotte Torte" aus dem Ukulele-Track "Kein Modelmädchen" oder auch "Ich will mit Dir alles bingewatchen / Kannst Du mir Deinen Pin droppen" aus dem Piano-Pop-Stück "Cliffhanger". Ansonsten ein ganzer Haufen Kalendersprüche (vor dem geistigen Auge im Google Font "Amatic SC" dargestellt): "Es geht nicht darum, wen, sondern darum, dass Du liebst" aus "Das Lied", "Vielleicht geht's darum 'Hakuna Matata' zu sagen und einfach mal gerne zu leben" aus "Stille Wasser sind attraktiv" – allein dieser Titel –, "Warte nicht auf das Glück, nur nach vorn, nie zurück" aus "Grüner wird's nicht" oder auch "Es gibt absolut nichts Gutes, außer Du gehst los und tust es" aus ebendiesem. Engelmann auf Kästners Spuren. Na ja.

Eines Tages Baby, da werden wir alt sein, Baby, und uns schon lange nicht mehr an diese Sülze erinnern, und wieder mehr werthaltige Dinge tun und uns nicht mal mehr darüber aufregen, wie Julia Engelmann eines Tages versucht hat, Depressionen mit Zitrusfrüchten zu therapieren: "Wenn Du fest daran glaubst, dann wirst Du glücklich", weiß die selbsterklärte Hobby-Karateka – ja, auch das erzählt sie auf "Poesiealbum" – in "Grapefruit". Die Slammerin-Schauspielerin-Sängerin bringt leider wenig auf die Kette, wenn es darum geht, tatsächlich Bedeutendes zu schaffen, auch wenn sie singt nicht. Weil ihre größte Not die ist, nach außen zu tragen, dass sie morgens nicht von einem kleinen Müsli satt wird, weiter gefasst aber, weil sie schlichtweg immer nur sich selbst im Fokus hat. So zeigt sich "Poesiealbum" mit seinen 14 von 14 Tracks in der Ich-Form als traurige Aneinanderreihung von Floskeln, billigen Weisheiten und sonstigen Nichtigkeiten. Das war zu erwarten. Stumpfsinn kann man der 25-Jährigen unterstellen, Perfidität immerhin nicht. Hörempfehlung dennoch ausgeschlossen.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

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Tracklist

  1. Grüner wird's nicht
  2. Das Lied
  3. Stille Poeten
  4. Kein Modelmädchen
  5. Sowas wie Magie
  6. An den Tag
  7. Lass mal ne Nacht drüber Tanzen
  8. Ich kann alleine sein
  9. Bestandsaufnahme
  10. Keine Ahnung, ob das Liebe ist
  11. Cliffhanger
  12. Jetzt
  13. Kleiner Walzer
  14. Grapefruit

Gesamtspielzeit: 59:10 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Bratensoße
2017-11-16 19:08:23 Uhr
Hab jetzt auch mal reingehört und was soll ich sagen...
für mich eine der großen Kandidaten für das schlechteste Album des Jahres!
Und diese Pseudo tiefsinnigen Texte, bei denen man jetzt schon weiß, dass sie bald bei vielen traurigen Mädchen im WhatsApp Status stehen.
Von den Liedtiteln will ich gar nicht erst anfangen.
Raggamarshell
2017-11-11 13:43:20 Uhr
Im live Slam kann sie cool sein Auf das Album war ich gespannt und bin auch entäuscht worden. Zu gleich und zu langweilig. Bleibt zu hoffen das ihr kommendes rap album mehr Abwechselung und Witz hat.🤔

Pascal

Postings: 327

Registriert seit 13.02.2013

2017-11-10 15:34:55 Uhr
@edegeiler, ob sie ihre Musik fühlen, das weiß ich nicht. Ich hoffe nicht.
Bebe
2017-11-10 13:18:57 Uhr
Vie vandet ir dän di Senger fon bik brothar zahllose Zlatko Alex Jürgen Harry ???
Bebe
2017-11-10 13:17:10 Uhr
Hab leider nur eine Hirnzelle, deswegen kann ich nicht verständlich schreiben.
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