Makthaverskan - III

Makthaverskan- III

Run For Cover / ADA / Warner
VÖ: 20.10.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Woanders ist's auch scheiße

"Humanity equals misery / There's nothing here to see / Is this what we want or is it all we know?" Dass dies prominent platzierte Textzeilen auf einem grob dem (Post-)Punk zuzuordnenden Album im Jahr 2017 sind, ist nicht unbedingt überraschend. Dennoch hätte man sie nicht gerade von Makthaverskan erwartet. Das Göteborger Quintett stellt zwar seit nunmehr acht Jahren und drei Studioalben einen wütenden, stets nach vorne preschenden Konterpart zur sonst eher süßlich-poppigen Indie-Szene ihres Heimatlandes dar, doch die großen, dem Punk-Ethos entsprechenden Gesellschaftskritiker waren sie nie. Auf "III" ändert sich das zumindest teilweise, Frontfrau Maja Milner richtet den Blick zum ersten Mal auch auf die Außenwelt, nachdem sie ihre Energie zuvor nur auf die Konfrontation mit den in ihrem Inneren tobenden Stürmen fokussierte. Das bedeutet allerdings nicht gleich eine komplette Abkehr von der lyrischen Kernthematik, denn noch immer geht es um den Drang zur Flucht aus kaputten Umständen, egal ob diese eine destruktive Liebesbeziehung oder eine gefühlt von Tag zu Tag liebloser werdende Gesellschaft sind.

Auch musikalisch bewegen sich die Schwedinnen und Schweden weiterhin in ihrem charakteristischen Sound, in dem sie New-Wave-, Jangle- und Dreampop-Ansätze aus den 80ern mit einer Direktheit und Power aus dem Geburtsjahrhundert des Punk koppeln. Gemeinsam mit dem insgesamt wohl besten Songwriting der Bandgeschichte wird "III" zu einer fast schon körperlich spürbaren, intensiven Erfahrung. Eingängige Gitarrenfiguren verschmelzen mit Milners manchmal aggressiven, manchmal flehenden und immer melodieverliebtem Gesang zu einem mitreißenden Gesamtwerk, das nur selten den Fuß vom Gaspedal nimmt. Das sphärische, größtenteils schlagzeuglose "To say it as it is" ist einer der wenigen Ruhepole und bietet eine Verschnaufpause zum genau richtigen Zeitpunkt. Kurz zuvor ist nämlich noch "Witness" mit einer übersteuerten Rhythmussektion aus den Boxen gepoltert, das womöglich kraft- und druckvollste Stück einer Band, bei der der musikalische Schlag ins Gesicht sowieso schon wesentlicher Bestandteil der zugrundeliegenden Klangästhetik ist.

Dass das Tempo bei Songs wie "Eden" und "Front" gehalten werden kann, soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass energetisches Geknüppel nicht die einzige Stärke von Makthaverskan ist. Der Bandname bedeutet übersetzt zwar so viel wie "Die Frau mit der Kraft", doch diese Frau hat daneben noch ein großartiges Gespür für tolle Songs. Ausgefeilte oder abwechslungsreiche Arrangements sind nämlich überhaupt nicht notwendig, wenn das Songwriting so dynamisch und die Melodieführungen so stark sind wie im Albumhighlight "Leda". Oder wenn "In my dreams" nicht nur das beliebteste Ziel für Realitätsflüchte besingt, sondern sein geschrienes "It never works" im Refrain auch die direkte Fortsetzung zum "Fuck you!" des Songs "Antabus" vom Vorgängeralbum darstellt. "III" ist kein von Optimismus geprägtes Album, die Abkehr von einer bereits tief verdorbenen Gesellschaft erscheint sinnvoller als der Versuch, irgendetwas daran verbessern zu wollen. So passt es dann auch, dass Milner im bedächtigen Closer "Days turn into years" mit einer hier merklich tieferen Stimmlage fast schon resigniert klingt. Der Hörer ertappt sich indes bei dem zynischen Wunsch, das Unheil der Welt möge niemals enden, damit Bands wie Makthaverskan immer Wasser für ihre Mühlen unbändiger künstlerischer Power haben werden.

(Marvin Tyczkowski)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Leda
  • In my dreams
  • Witness

Tracklist

  1. Vienna
  2. Leda
  3. In my dreams
  4. Witness
  5. To say it as it is
  6. Eden
  7. Siren
  8. Front
  9. Comfort
  10. Days turn into years

Gesamtspielzeit: 37:09 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Obvious Lee
2018-08-09 18:46:37 Uhr
"Finde Leda am Besten."

Steht ja auch so in deiner Rezension.

MopedTobias

Postings: 11223

Registriert seit 10.09.2013

2017-11-08 19:19:52 Uhr
Finde Leda am Besten.

molch5

Postings: 7

Registriert seit 11.09.2017

2017-11-08 18:07:56 Uhr
bester song ist "witness" und der ist von 2015.

Till

Postings: 102

Registriert seit 19.08.2016

2017-11-02 10:22:32 Uhr
Das was dogs on tape sagt. Die Platte finde ich ganz nett, aber die ebenfalls dieses Jahr erschienene von Agent Bla: Wahnsinn!

dogs on tape

Postings: 178

Registriert seit 14.06.2013

2017-11-02 08:39:53 Uhr
Kann für mich nicht ganz mit dem Agent Bla Album mithalten. Nichtsdestotrotz sind die Schweden dank Luxury Records wieder im Kommen.

https://daily.bandcamp.com/tag/luxury-records/

Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum