Baxter Dury - Prince of tears

Baxter Dury- Prince of tears

Le Label / PIAS / Rough Trade
VÖ: 27.10.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Namensvetter

Wenn hierzulande ein Satz die Teile "Baxxter" und "Miami" enthält, klingeln die Hyper-Hyper-Glocken. Muss tatsächlich Scooter-Blondschopf Hans-Peter in Floridas Party-Town die erste Assoziation bei diesen beiden Ausdrücken sein? Nein, sagt ein vermutlich unwissender Engländer mit dem Namen Baxter Dury, der bereits sein fünftes Album "Prince of tears" veröffentlicht. Diesem schickt der Künstler, der sich mit weit mehr als dem Weglassen eines X von seinem Quasi-Namensvetter unterscheidet, die Single "Miami" vorweg. Party in Florida? Auch hier erweist sich die erste Assoziation als falsch. Dury singt in jenem Track weder von der Clubszene noch vom Sandstrand der US-Metropole sondern schlüpft in die Rolle des Hauptcharakters seiner Platte. "I'm Miami" proklamiert Dury, schließt mit dieser Zeile seinen ersten Spoken-Word-Part über coolen Beats ab – und lässt der mitwirkenden Sängerin Madelaine Hart den Vortritt. Eine gleichwertige Vokalistin auf einem Solo-Album? Dieser kleinen Überraschung schließen sich in den nächsten Minuten noch weitere an.

Zwei Drittel von "Prince of tears" vergehen und der Hörer ist sich immer noch im Unklaren, ob hier denn wirklich ein Album und keine Compilation rotiert. Die einzelnen Stücke unterscheiden sich sehr. "Listen" fährt mit seinem Gitarrenspiel auf der Indie-Autobahn, "Porcelain" nimmt mit seinem markanten Bass eher den Trip-Hop-Abzweig, während "Letter bomb" The Clash wiederbeleben lässt. Und doch verschmelzen diese Einflüsse zu einer seichten Masse, die irgendwo zwischen Indie-Pop und Easy Listening angesetzt werden kann. Stimmungstechnisch nähert sich Baxter Dury dem gainsbourgischen Knister-Pop von Warhaus an. Instrumental wirft der Engländer hingegen Vergleiche zu tanzbarerer Musik von Konsorten wie Hot Chip oder LCD Soundsystem. Stets wird ein simpler Beat von einem markanten Bass angezogen und mit einem sehr speziell auftretenden Streichorchesters garniert. "Wanna" badet beispielsweise im Refrain in weiten Streichern, die das Klavier und die sanfte Begleitung nahezu in den Hintergrund drängen. Im Refrain des lässigen "Mungo" ertönt derweil zunächst nur eine Violine, die schließlich aber auch weitere Schichten dazubekommt.

Getragen werden die zehn Songs auf "Prince of tears" jedoch in erster Linie von den beiden präsenten Stimmen. Dury erzählt im britischen Slang die Welt aus der Sicht von Miami, einem unzuverlässigen, nicht klar sehenden, jungen Mann und verarbeitet dabei eine eigene Herzschmerz-Phase. Inmitten seines Gesangs oder Gespreche ertönen dabei immer wieder die wundervoll kontrastierenden Hooks von Madelaine Hart. Im zauberhaften Titeltrack haucht sie mit letzter Kraft ins Mikrofon, ehe Dury mit seinem Bariton übernimmt und für Sekunden eine besondere Dynamik aufbaut. Für das mit viel E-Piano überzeugende "August" übernimmt er hingegen selber den Refrain und überlässt seinem weiblichen Konterpart Teile der zweiten Strophe. Für Abwechslung am Mikrofon sorgt hingegen das kurze "Almond milk", in dem Sleaford-Mod Jason Williamson der krönende Abschluss vorbehalten ist. Der Engländer reiht sich gleitend in das smoothe Chaos der Platte ein und zeigt damit, was "Prince of tears" so besonders macht. Es geschehen sehr viele Dinge bezüglich Instumentierung und Songwriting, doch Baxter Dury bleibt ein sanft schwebender Stein im Brandungs-Wahnsinn. Vielleicht hat er somit doch etwas mit seinem deutschen Techno-Namensvetter gemeinsam.

(Till Bärwaldt)

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Highlights

  • Miami
  • August
  • Prince of tears

Tracklist

  1. Miami
  2. Porcelain
  3. Mungo
  4. Listen
  5. Almond milk (feat. Jason Williamson)
  6. Letter bomb
  7. Oi
  8. August
  9. Wanna
  10. Prince of tears

Gesamtspielzeit: 29:43 min.

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Armin

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2017-11-01 21:49:21 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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