Selig - Kashmir Karma

Selig- Kashmir Karma

Columbia / Sony
VÖ: 03.11.2017

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Wer's glaubt

"Das Licht stinkt." Ist offenbar nicht der eigentliche Text, aber genau so hört sich die erste Zeile an, die von Selig-Fronter Jan Plewka auf deren siebtem Album "Kashmir Karma" zu vernehmen ist. Klar, dass man zwischen den knurrigen Gitarrenriffs des Openers "Unsterblich" die wie so oft langgeräkelte Stimme nicht ganz verstehen kann. Warum soll's jedoch sowieso nicht mal eine Hymne für Synästhetiker geben? Wenn Selig nicht gerade die zwischenmenschlichen Unzulänglichkeiten und Schwierigkeiten verhandeln, reichen sie ohnehin gerne der Esoterik die Hand. Oder wie in "Alles ist nix" beides miteinander vermatscht: "Komm zurück, es tut mir leid / Über Berge, Raum und Zeit." Dass die leichte Schlager-Schlagseite des Vorgängers "Magma" bei Fans für Irritationen sorgte, bockt die Hamburger keinesfalls. Gut, das Cover ist diesmal zum Glück um einiges hübscher. Aber auch ohne den ausgestiegenen Keyboarder Malte Neumann behalten sie die Marschrichtung bei – und verbuchen nun mehr Alben in der Reunion als in ihrer ursprünglichen Phase der Neunzigerjahre.

"Wintertag" war laut Plewka Ausgangspunkt für die Aufnahmesessions zum neuen Album. Und während dessen sanftes Instrumental angenehm durch die Gegend schlendert, ruft der Text leider eher ungewollte Assoziationen hervor. Für Zeilen wie "Winterfest halt ich Dich / Durch die eisigen Nächte / Bis der Tag anbricht" oder "Dann erinner' ich mich daran / Wie schön man an Dich denken kann" braucht man schon eine hohe Kitsch-Toleranzgrenze. Bei Andrea Berg wären solche Formulierungen auch willkommen. Wenigstens hätte die Dame den astrein kickenden Jam-Part in "DJ" keinesfalls auf ihrer Platte haben wollen. Auch hier aber legen Worte dem Song eine Eisenkugel ans Bein. "Er erhöht die Frequenzen und er öffnet den Beat / In die Herzen der Menschen und beendet den Krieg" – voilà Schleimspur der Schwurbel-Philosphie.

Leider hat sich hier und da aber auch musikalisch einiges an Larifari eingeschlichen. "Alles ist nix" oder "Lebenselixier" überbieten sich gegenseitig in melodischer Belanglosigkeit, letzterer Track disqualifiziert sich zusätzlich durch seinen furchtbaren "Du-hu-hu-huuuh bist mein Lebenselixier"-Refrain. Dann doch lieber ein in allen Belangen zurückgenommenes "Zu bequem", das zu nettem Geschepper im Hintergrund eine bluesig brummende Gitarre ins Rampenlicht stellt und ansonsten wenig braucht, um über die Runden zu kommen. Auch der abschließende Titeltrack, eine schön treibende Halbballade, fällt ganz deutlich auf die Habenseite. Generell fahren Selig besser, wenn sie ihre losgelöste, unkonventionellere Seite zeigen anstatt ihre Songs in engen Hit-Korsetts einzupferchen.

Diese Richtung visiert die zum Quartett geschrumpfte Truppe jedoch nicht immer an, was zu einem inkonsistenten und letztlich auch etwas inkonsequenten Album führt. Die psychedelische Rock-Note, die der erwähnte tolle Opener "Unsterblich" antäuscht, wird zu selten weitergeführt. Und seien wir ehrlich: Plewka hat seine besten Tage als Texter leider wohl hinter sich. Klar, auch früher gab es platte Ausfälle wie "Popstar". Die waren jedoch mehr Ausnahme als Regel. Nun bleiben häufig lediglich pathetischer Mumpitz und spirituelle Allgemeinplätze übrig. Ein einigermaßen stimmiges Bild wie "Durch die Tür kriecht die Paranoia" ist nichts wert, wenn sie von einem inhaltsleeren Ratschlag à la "Lass los und lass dich darauf ein / Losgelöst zu sein" verfolgt wird. Loslassen wäre vielleicht auch für Selig diesmal besser gewesen. Bevor am Ende noch ihr Licht anfängt zu stinken.

(Felix Heinecker)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Unsterblich
  • Zu bequem
  • Kashmir Karma

Tracklist

  1. Unsterblich
  2. Nimm mich so wie Du bist
  3. Wintertag
  4. Alles ist nix
  5. DJ
  6. Zu bequem
  7. Unterwegs
  8. Lebenselixier
  9. Feuer und Wasser
  10. Lass los
  11. Kashmir Karma

Gesamtspielzeit: 45:53 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Armin

Postings: 10367

Registriert seit 08.01.2012

2017-11-09 13:09:54 Uhr - Newsbeitrag
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit dem neuen und siebten Studioalbum „Kashmir Karma“, erschienen am 03.11.2017 bei Columbia / Sony, tritt die legendäre Hamburger Band Selig in eine neue Karrierephase ein.
Bei den Aufnahmen in Schweden fanden die Musiker nicht nur sich selbst und ihre Freundschaft wieder – sondern sie fanden auch die bestvorstellbare Selig-Musik.

Nun erscheint das Video zur Single "Nimm mich so wie du bist"
▶ Ansehen: Selig "Nimm mich so wie du bist" bei youtube




Das Video wurde im Oktober 2017 von Bernard Wedig (Produktion & Regie) gedreht.

Selig über den Song und das Video:
"Wir sind sehr glücklich über unser Video. Schöne Dinge können so einfach sein. Der Titel "Nimm mich so wie du bist“ handelt von einer Reise zu Liebe, Lust und Leidenschaft. Was gibt es besseres, als mit seinen Kumpels im Cabrio ans Meer zu fahren…. Bernard Wedig hat unsere Vision verstanden und in wunderschöne Bilder verwandelt. Die Videoästhetik passt hervorragend zu unserem analogen Sound und Aufnahmeprozess in Schweden."

Und Regisseur Bernard Wedig ergänzt:
“Wir waren auf der Suche nach einem bestimmten Gefühl, das beim Hören des Songs entsteht. Es geht um Freundschaft, Freude am Leben und um Freiheit. Die druckvolle Rock-Performance verschmilzt mit Bildern einer Reise mit unbestimmtem Ziel. Im Kern geht es darum, das Leben zu nehmen, wie es ist, es zu genießen und den Weg gemeinsam mit guten Freunden zu gehen."



Die Vorgeschichte von „Kashmir Karma“ begann 2014: Damals erschien das Greatest Hits Album „Die Besten“ und die Band trennte sich im gegenseitigen Einvernehmen von dem langjährigen Keyboarder Malte Neumann. Selig waren jetzt also zu viert. Bald darauf entschieden sie sich, einige Tage gemeinsam in ein Haus nach Schweden zu fahren, um dort ein paar Demos zu machen. Doch gleich am ersten Tag wurde klar: Nichts da Demos, die Vorproduktion ist die eigentliche Produktion.

Die Musiker hatten einen Spaziergang auf einen Berg hinter dem Haus gemacht und ihre Eindrücke danach in dem spontan geschriebenen Song „Wintertag“ verarbeitet. Und so wollten sie nun weiterarbeiten: Roh, unbehauen, eins zu eins im Wohnzimmer. Über ein Jahr verteilt haben Selig insgesamt 50 Tage in Schweden verbracht. Sie haben gelacht, Musik gemacht, bis in die Nacht diskutiert, gemeinsam gekocht und die Natur erkundet. Parallel entstand „Kashmir Karma“ aus unzähligen Ad-hoc-Situationen.

Pressestimmen zu "Kashmir Karma":
„(...) macht Kashmir Karma zum besten Selig-Album dieses Jahrtausends. Endlich." (Rolling Stone 11/17)
„Hier sind sie auf der Höhe ihres Schaffens.“ (Musikexpress 12/17)
„Musikalisch ist es Seligs härteste und kernigste Platte, perfekt passend zu einer Zeit, in der das Vinyl wieder zum Medium der Wahl geworden ist. (Der Gitarrensound erinnert mehr als einmal an Kyuss und andere Größen des Wüstenrock zu seiner Hochzeit vor 20 Jahren.)“ (Intro 11/17)
„Mit «Kashmir Karma» treten Selig in ihre dritte Karrierephase ein. Die Band liefert eine der besten Platten ihrer Laufbahn ab.“ (Musikwoche, 27.10.2017)
„Vor allem aber hört man auf dem Album eine Band, die nicht nur ihre Freundschaft wiedergefunden, sondern auch eine neue Spielfreude entdeckt hat.“ (Kulturnews 11/17)
"Mit „Kashmir Karma“ ist den Männern um Sänger Jan Plewka ein Bravourstück gelungen." (Die Welt 11/17)

Am 10. November startet dann die große Deutschlandtour:
10.11.17 - M.A.U Club (Rostock)
11.11.17 - Max Nachttheater (Kiel)
12.11.17 - Große Freiheit 36 (Hamburg)
15.11.17 - Zeche Carl (Essen) --> ausverkauft
16.11.17 - Batschkapp (Frankfurt am Main)
17.11.17 - Live Music Hall (Köln)
19.11.17 - LKA-Longhorn (Stuttgart)
20.11.17 - Hirsch (Nürnberg)
23.11.17 - Muffathalle (München)
24.11.17 - Haus Auensee (Leipzig)
25.11.17 - Altes Theater am Jerichower Platz (Magdeburg)
26.11.17 - Huxleys Neue Welt (Berlin)
28.11.17 - Capitol (Hannover)
29.11.17 - Modernes (Bremen)
01.12.17 - Jazzhaus (Freiburg)
02.12.17 - Kammgarn (Kaiserslautern)
03.12.17 - Skaters Palace (Münster)

Felix H

Postings: 2088

Registriert seit 26.02.2016

2017-10-30 17:32:39 Uhr
Was Watchful_Eye sagt - die drei Songs sind gut bis sehr gut, würden aber spätestens ab ner 8/10 sicher nicht mehr als Highlights gelten.

Watchful_Eye

Postings: 932

Registriert seit 13.06.2013

2017-10-29 02:42:14 Uhr
Passt schon, es werden ja auch einige Songs explizit negativ erwähnt. Außerdem sind Highlights immer im Vergleich zum Rest zu sehen, so gibt es sogar eine 10/10 ganz ohne Highlights (Ys).
matti
2017-10-27 21:05:10 Uhr
3 Highlights von 11 Songs und trotzdem nur 5 Punkte?

Armin

Postings: 10367

Registriert seit 08.01.2012

2017-10-25 22:10:53 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Selig - Magma Selig - Magma (2013)

Threads im Plattentests.de-Forum