John Maus - Screen memories

John Maus- Screen memories

Domino / GoodToGo
VÖ: 27.10.2017

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schneegestöber

Die alte Röhrenkiste sendet unablässig grisselige Signale aus einem anderen Universum. Schneegestöber, Ameisenrennen, schwarz-weißes Rauschen. Zwei, drei, vier kräftige Handkantenschläge auf den Deckel des Fernsehers könnten helfen. Denkste: Das Ding fängt an, bedrohlich zu pulsieren, auf dem Bildschirm formen sich lose Schemen zu einer gruseligen Fratze. Nach und nach wird ein Mensch draus: John Maus starrt uns aus seinen tiefliegenden Augenhöhlen an wie ein irrer Fernsehpriester, der jedoch keine fragwürdigen Gebete auf den Lippen hat, sondern seine "Screen memories".

Okay, okay: Ein leicht quatschig-assoziativer Einstieg in die Besprechung des vierten regulären Albums des US-amerikanischen Freigeists John Maus, aber die Musik legt solche Vorstellungen nahe. Der frühere Philosophieprofessor (!!!) an der Universität Hawaii (!!!) komponiert nämlich nach wie vor bildhafte, rauschende Songs, meist mit der Extraportion Synthie, denen nicht selten eine starke Metaphorik innewohnt. "The combine" legt entsprechend los: Orchestrale Keyboards hallen durch den Raum als säßen Kraftwerk an einer Heimorgel im evangelischen Jugendzentrum, Maus' tiefe Stimme fügt der ganzen Chose noch etwas Goth-Chic hinzu. Hieran hätten möglicherweise auch Mike Oldfield und John Carpenter Freude, denn unheimlich kann Maus manchmal schon werden.

"Teenage witch" möchte sich da nicht hinten anstellen: Die Synthies bilden die penetrant-klingelnde Grundlage, während der 37-jährige Maus darüber immer wieder den Titel wiederholt, ganz so als gelte es, einer besessenen Prom-Queen den Teufel aus dem Leib zu orgeln. "Find out" schielt hingegen auf den Dancefloor und könnte sich dort als Mogelpackung auch zwischen einigen vollschlanken 80er-New-Wave-Klassikern behaupten. Im folgenden "Decide decide" ertappt man Maus dann sogar fast beim Singen: Eine Seltenheit zwischen all den zur Monotonie neigenden Spoken-Word-Nummern.

Monotonie ist ansonsten nämlich Trumpf im Blatt des Künstlers: Seine Stimme bleibt gerne im Keller, Sonnenlicht sieht sie nur allzu selten. Seine Beats stampfen mit stoischen Schritten gen Delirium, Tempovariation gehört also auch nicht unbedingt in sein Portfolio. Trotz allem funktioniert sein Album: Es lullt mit seinem quietschenden, grellen Wesen ein, streichelt einen bis zur Besinnungslosigkeit. Die besungenen Themen eignen sich jedoch kaum für den nächsten Kindergeburtstag. So heißt es im bratzigen "Pets": "Your pets are gonna die / Your pets / Are gonna die / Gonna die!" Wer sich nun ein wenig gruselt, tut dies möglicherweise zurecht. Und auf dem Fernsehbildschirm verzieht sich das menschliche Antlitz zu einem schiefen Lachen. Dabei sind alle Stecker doch schon gezogen?!?

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Teenage witch
  • Find out

Tracklist

  1. The combine
  2. Teenage witch
  3. Touchdown
  4. Walls of silence
  5. Find out
  6. Decide decide
  7. Edge of forever
  8. The people are missing
  9. Pets
  10. Sensitive recollections
  11. Over phantom
  12. Bombs away

Gesamtspielzeit: 37:58 min.

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User Beitrag

alterniemand

Postings: 512

Registriert seit 14.03.2017

2018-02-25 20:19:47 Uhr
Kleines Set mit Interview bei Juan's Basement
Was ein Typ und wie unfassbar fantastisch the combine einfach ist
https://www.youtube.com/watch?v=17tGURDb6co&t=260s


und dann hab ich noch dieses Video zu Castles in the grave gefunden :)
https://www.youtube.com/watch?v=RfbHI-w_u_s
Doom Guy
2017-11-17 20:29:23 Uhr
"Screen Memories" gefällt mir mindestens so gut wie der Vorgänger.

Can´t stop listening
the hotelier
2017-11-16 19:23:03 Uhr
Der gute Mann war Gast in meinem hotel in Berlin heute und hat mir ne signierte vinyl da gelassen, im Austausch gegen eine runde Kaffee für sich und seine crew.

Plattenbeau

Postings: 479

Registriert seit 10.02.2014

2017-11-12 11:12:52 Uhr
Ich finde das Album eintöniger als den Vorgänger und wirklich starke Songs gibt es zu wenige.

Gordon Fraser

Postings: 1043

Registriert seit 14.06.2013

2017-11-11 17:07:58 Uhr
Also ich find's wieder prima. Hatte nach der langen Pause nach dem Durchbruchalbum jetzt eher einen schwierigen Nachfolger erwartet, aber das flutscht genauso gut runter wie "We Must Become.." damals.
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