Throwing Muses - Throwing Muses

Throwing Muses- Throwing Muses

4AD / Beggars / Zomba
VÖ: 17.03.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zurück aus dem Limbo

Als 1996 eine Bekannte von mir "The burrow" vom '89er "Hunkpapa"-Album hörte, fragte sie mich, ob das eine dieser neuen "Girlie"-Bands sei. Daß sei eines der wenigen eher poppigen Stücke, versicherte ich und versuchte zu erklären, daß die Muses schon seit über zehn Jahren Musik machenwürden und alles andere als eine musikalische Eintagsfliege seien. Als '97 die Throwing Muses dann endgültig wegen finanzieller Hoffnungslosigkeit das Handtuch warfen, war wieder einmal bewiesen, daß Anerkennung von Kollegen und Kritikern auf Dauer als Tagesentgelt zu wenig ist.

Das hat zum Teil damit zu tun, daß Ende der 80er/Anfang der 90er unter Gitarrenmusik meist etwas anderes verstanden wurde als der zwar mitreißende, aber auch sperrige Sound der Throwing Muses. Der scharfschneidige Gesang von Kristin Hersh, der wunderbar zur meist kantigen Melodiegestaltung paßt, schält sich seinen Weg durch den Gehörgang. Im starken Kontrast dazu säuselt Halbschwester Tanya Donelly im Hintergrund. Dazu kommen Tempowechsel und Brüche, die in der Summe den Abstand zum heutigen chart-gewohnten Gitarrenpop noch größer erscheinen lassen - was wieder keine gute Voraussetzung für einen finanziellen Erfolg des neuen Albums ist.

Das dürfte den Muses jedoch auch selber klar und wahrscheinlich gar nicht so wichtig sein. Es geht um anderes. 2000, nach diversen Geburten, traf man sich nämlich zu einem "Gut pageant" betiteltem Familienfest mit Liveauftritt - und inklusive der eigentlich längst ausgestiegenen Tanya Donelly. Wenn solche Feierlichkeiten ohne Zwang stattfinden können, gibt es gute Chancen, Streitereien zu vermeiden oder gar beizulegen. Und dann kann man auch als Musiker nochmal drüber nachdenken, ob man nicht nochmal was zusammen machen möchte - ein neues Album etwa.

Dieses Album wurde nun quick and dirty an drei Wochenenden aufgenommen. Und so klingt es dann auch über weite Teile wie eine Ansammlung von Rohversionen bisher unbekannter Stücke, die man aus unerfindlichen Gründen auf den bisherigen Platten nicht verarbeitet hat. Anders als bei anderen Reunions findet man hier keine als Weiterentwicklung angepriesene Anbiederung an den musikalischen Zeitgeist. Weder die Hershsche Akustikklampfe noch die poppige Weichspülung des letzten Donelly-Albums haben schädlichen Einfluß genommen. Dafür werden fast sämtliche Schaffensphasen abgedeckt: die bedächtig startenden Stücke der Frühzeit bis zum fast durchweg heftig rockenden Sound à la "University" und "Limbo". So könnte "Status quo" ebenso neben "Vicky's box" vom ersten Album stehen, wie "Pretty or not" neben "Freeloader" vom letzten. Allerdings sind das keine Plagiate der eigenen Songs: Sie klingen durchweg frischer und deutlich rauher als ihre Vorgänger. Und die ruhigen Stücke hat sich Kristin Hersh diesmal wohl für ihr Soloalbum aufgehoben. Insofern macht die Aussage von Kristin Hersh, dies sei das definitive Throwing Muses-Album, in der Tat Sinn. Hoffentlich meint sie nicht, daß dies auch das definitiv letzte Album sei.

(Holger Schauer)

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Highlights

  • Pretty or not
  • Civil disobediance

Tracklist

  1. Mercury
  2. Pretty or not
  3. Civil disobediance
  4. Pandora's box
  5. Status quo
  6. Speed and sleep
  7. Portia
  8. Solar dip
  9. Epiphany
  10. Los flamingos
  11. Half blast
  12. Flying

Gesamtspielzeit: 51:28 min.

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