Savas & Sido - Royal Bunker

Savas & Sido- Royal Bunker

Urban / Universal
VÖ: 29.09.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Außer Mode

"In Würde altern, als deutscher Rapper? / Ich mein, das geht als ISIS-Kämpfer in vielen Ländern ja deutlich besser", rappt Maeckes auf Fatonis Mixtape "Im Modus" in "Fast so wie beim Wu-Tang Clan". Jetzt sei mal dahingestellt, ob gerade der Stuttgarter als typischster Vertreter des aktuellen deutschsprachigen HipHops herhalten sollte, aber andersrum, nun ja, seit ein paar Jahren füllen immer wieder Reunion-Alben vergangener HipHop-Helden die Plattenauslage – und das geht selten gut, wie etwa unlängst bei Fünf Sterne Deluxe. Wenn sich zwei wie Savas und Sido zusammentun, der eine mit seinen bröckelharten Rhymes und der andere mit seinem bittersüßen Storytelling, beschert das so manchem Fan orgasmische Zustände. Anderen aber auch die Angst: Kann das was werden?

Die Entwarnung vorweg: "Royal Bunker" gefällt in vielerlei Hinsicht deutlich besser als sämtliche Solo-Produktionen der beiden in den letzten paar Jahren, macht ein Stück weit auch Ausfälle wie Savas' Xavier-Naidoo-Zusammenarbeit vergessen. Nicht, weil es sonderlich modern ist, oder weil es besondere Skandale hervorbrachte oder hervorbringen wird, sondern weil es genau darauf verzichtet, sich dem Zeitgeist anzubiedern oder mit großflächigen Disses aufzuwarten. Stattdessen flowen Savas und Sido ungefiltert und zeitlos über nicht allzu aufwändige, aber dafür umso perfekter arrangierte Beats. Dass sie dabei über Albumlänge auf Augenhöhe agieren, liegt vor allen Dingen daran, dass Sido sich reimtechnisch seit seinen Anfängen stark gesteigert hat. Zwar geht das Dauer-Feature insgesamt ein wenig zu Lasten der Sido-typischen Anekdoten, ohnehin kennt "Royal Bunker" aber nur ein Thema: "Ohne uns wäre Deutschrap nicht das, was es heute ist."

Und damit haben sie ja durchaus auch recht. Bereits der Opener "Haste nicht gesehen" macht klar, wo der Hammer hängt. Zu deftiger Bassdrum zwischen orientalischen Klängen erklärt das Gespann: "Zwei der besten, die es je taten / Zwei der besten, die je gelebt haben." Der folgende Titeltrack "Royal Bunker" ist ein fieser Banger, der den Weg von der legendären, namensgebenden Freestyle-Kneipe in Kreuzburg bis an die Spitze des Deutschrap-Olymps aufzeichnet. Der Battle-Track "Unterschied" burnt genauso wie "Keene Probleme" mit seinem prägnanten Gitarrensample und seiner zusammenfassenden Line: "Was ich nicht im Kopf hab, habe ich im Penis." Weiterhin erwähnenswert: "Normale Leute", das nicht nur Savas und Sido kurz vor Ende doch noch einmal erdet, sondern auch Marteria mit starkem Part ins Geschehen eingliedert. Auch die persönlicheren Titel wie "Freund / Feind" oder "Leben geben" lassen die Schmalzdose ungeöffnet, auch weil Drastik natürlich willkommenes Stilmittel für diese Kombo ist.

"Royal Bunker" überzeugt nicht durch seine Hits, sondern durch seine Kontinuierlichkeit. Dass die Zusammenarbeit derart harmonisch abläuft, auch innerhalb der einzelnen Tracks, hätte man sich nicht besser ausmalen können. Sowohl Savas mit seinen teils saulangen, hart gespitteten Rhyme-Verkettungen, als auch Sido mit seinem Wortwitz nutzen ihre Gelegenheiten aufzutrumpfen, ohne dabei ins schwanzvergleichende Tête-à-Tête zu geraten. Es ist eine gelungene Abwechslung zu den Trap-Tracks und Autotune-Verfehlungen jüngerer Acts, aber dennoch kein Verfall ins Ewiggestrige, denn was Sido und Savas skilltechnisch mitbringen, ist keiner Mode unterworfen.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Haste nich gesehen
  • Royal Bunker
  • Keene Probleme

Tracklist

  1. Haste nich gesehen
  2. Royal Bunker
  3. Jedes Wort ist Gold wert
  4. Unterschied
  5. Wenn ich oben bin
  6. Hall of Fame
  7. Freund / Feind
  8. Keene Probleme
  9. Neue Welt (feat. Lakman)
  10. Meine Pflicht
  11. Haie (feat. Nico Santos)
  12. Alles noch beim Alten
  13. Normale Leute (feat. Marteria)
  14. Leben geben

Gesamtspielzeit: 48:57 min.

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User Beitrag

whosyourdaddy

Postings: 3

Registriert seit 13.10.2017

2017-10-13 12:29:42 Uhr
Ahnung geschenkt Achim.

Laki kann nix und rasiert die Scheibe? Spricht für den Herren aus dem Pott. Nuff said.
Achim88
2017-10-13 12:15:43 Uhr
Ex sollte klar sein, dass ich keine Ahnung von Hip Hop habe.

(A.)

Achim

Postings: 5380

Registriert seit 13.06.2013

2017-10-13 12:14:30 Uhr
Wobei man auch sagen muss, dass Lakmann nicht wirklich was kann.

(A.)

whosyourdaddy

Postings: 3

Registriert seit 13.10.2017

2017-10-13 12:09:55 Uhr
Nur für den Fall, dass ich missverstanden werde.
Ich finde die Platte kacke.
Who'syourdaddy?
2017-10-13 12:04:33 Uhr
Lieber Pascal,

du rezensierst diese Platte und kommst zu einem positiven Fazit. Du redest von "zeitlos" und erwähnst nicht mit einem Wort den Part von Lakmann?

Auch ohne jemals von dem Menschen gehört zu haben, erschließt sich doch beim Hören der Platte, dass dort ein Gast den mit Abstand "zeitlosesten" Part dieses Werks abgeliefert hat. Ganz ohne Legendenstatus in der breiten Masse. Warum?

Die Herren hatten vor eine "zeitlose" Platte zu machen. Skills zeigen, usw. Dafür hat der Lakmann nur 16 Zeilen gebraucht. Die Protagonisten haben das auf der ganzen Platte nicht geschafft, Aber das ist Geschmacksache.

Insgesamt hat das bei deiner "Flash"-Rezension besser geklappt. Oder motiviert Dich der Bock auf Verriss mehr? Ob das angemessen war, ist natürlich auch Geschmackssache.

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