Wolves In The Throne Room - Thrice woven

Wolves In The Throne Room- Thrice woven

Artemisia / Cargo
VÖ: 22.09.2017

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Back to nature

Irgendwo im Nordwesten der USA sitzen die Gebrüder Weaver in einer abgelegenen Farm, ernähren sich von selbstgezüchtetem Bio-Gemüse und blicken mit Verachtung auf den Rest der Welt. So weit die gängigen Vorbehalte, die den Musikern von Wolves In The Throne Room seit ihrem Erstling "Diadem of 12 stars" entgegenwehen – sowohl von der Riege der konventionellen Schwarzkutten, als auch von einer kritischen Horde von Social-Media-Feuilletonisten, Stichwort "Hipster-Black-Metal". Fans benutzen dagegen auch liebevoll die Termini "Post-Black-Metal" oder auch "Blackgaze". An der Mythisierung beziehungsweise Ablehnung der Wölfe im Thronsaal hat sich auch über die Jahre nicht viel geändert, doch davon – oder gerade deshalb – ließen sie sich nicht beirren. Nun öffnet sich mit "Thrice woven" erneut das Portal in eine dunkle und psychedelische Welt, womit sie nach ihrer Ambient-Phase bei "Celestite" zum atmosphärischen Black Metal zurückkehren.

Dass sie ihr Handwerk in der Abgeschiedenheit perfektioniert haben, zeigt gleich der furiose Opener "Born from the serpent's eye". Nach einem kurzen Akustik-Intro entfachen Wolves In The Throne Room ein Inferno, welches durch sägende Stakkato-Linien und Blastbeats angeheizt wird, bei dem Genre-Experten in Erinnerungen an die Blütezeit des skandinavischen Black Metal von Gorgoroth oder Marduk schwelgen mögen. Gänsehaut entsteht spätestens dann, wenn das Gekeife von Nathan Weaver vom geisterhaften Lamento von Anna von Hausswolff abgelöst wird. Die schwedische Friedhofsliedermacherin wird später auch beim getragenen "Mother owl, father ocean" zum Einsatz kommen. Was für eine Symbiose – und was für ein Auftakt in ein Album mit fünf epischen Tracks, die trotz ihrer Komplexität und melodischen Dichte relativ leicht zugänglich sind. "The old ones are with us" besticht durch sein gesprochenes Intro, welches Neurosis-Frontmann Steve von Till mit seiner kratzbürstigen und charismatischen Stimme beisteuert. Dazu prasselt ein idyllisches Feuer im Hintergrund, textlich geht es um die gute, alte Landwirtschaft: Der Winter nähert sich dem Ende, der Boden ist fruchtbar, und sogar die Pflüge stehen schon bereit. Der Sprechtext bezieht sich auf den keltischen Feiertag Imbolg, der den ersten Frühlingstag markiert. Von kitschigem Satanismus und Okkultismus keine Spur – die Entfremdung des Menschen von der Natur steht im Fokus. Ein hereinbrechendes Doom-Riff verleiht diesem Ritual der Wiedergeburt die nötige Epik, welches wieder an skandinavischen 90er-Metal erinnert.

Dass die Amis ein Faible für nordeuropäische Wikinger-Mythologie haben, beweist auch das wütende "Angrboda", benannt nach einer Frostriesin, die den alles vernichtenden Fenriswolf gebar. Sein Fauchen spiegelt sich auch in den aggressiven Vocals wieder, welche über den höllischen und gleichzeitig astralen Riffs schweben. Nach und nach baut sich eine kraftvolle Klangkulisse auf, bevor man sich ab der Mitte in einer uralten Tropfsteinhöhle wiederfindet, wo man dem dröhnenden Herzschlag der Erde ganz nah ist – bis auch diese in einem monumentalen Doom-Riff kollabiert. Eine Verschnaufpause ermöglicht "Mother owl, father ocean", bei dem Anna von Hauswolff von einem türkischen Harfenistin begleitet wird und damit auch Aficionados der dänischen Düster-Folkloristin Myrkur entzücken wird. Am Ende wird"s mit "Fires roar in the palace of the moon" wieder brachial, während im Text ein unaufhaltsamer Wasserstrom vom höchsten Gebirge hinab in den allumfassenden Ozean fließt.

"Thrice woven" ist sauber verarbeitet, was bei der Veredelung durch Produzent Randall Dunn, der ihnen seit "Two hunters" zur Seite steht, auch niemanden verwundern dürfte. Viele detailverliebte Atmo-Effekte wie Flügelschlagen und Wellenrauschen untermalen die naturverbundene Stimmung, welche die Songs ohnehin verströmen. Der Albumtitel lässt auch erahnen, dass die Weaver-Brüder nicht mehr nur als ebendiese "Two hunters" unterwegs sind. Tour-Gitarrist Kody Keyworth ist nun ebenfalls festes Mitglied des Kollektivs und steuert sowohl düstere Riffs, aber auch grimmige Vocals bei. Hier passt endgültig alles zusammen.

(Felix Mildner)

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Highlights

  • Born from the serpent's eye
  • The old ones are with us
  • Fires roar in the palace of the moon

Tracklist

  1. Born from the serpent's eye
  2. The old ones are with us
  3. Angrboda
  4. Mother owl, father ocean
  5. Fires roar in the palace of the moon

Gesamtspielzeit: 42:17 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
aber hallo
2019-03-05 16:46:48 Uhr
alles 6 alben zwischen 8-10/10
Karl
2019-03-04 18:04:18 Uhr
Hallo WIGGR, alles klar?
WIGGR
2019-03-04 17:28:01 Uhr
Hallo, ihr Würmer!
Christian Neureuther
2019-02-28 22:30:55 Uhr
the old ones... 10

Die Lyrics waren zweimal die gleichen. Da müssen wir leider zwei Punkte abziehen.



Rudi Aschlmeier, Vampirjäger
2019-02-28 17:45:02 Uhr
Sind mir einfach zu hart.
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