Fink (UK) - Resurgam

Fink (UK)- Resurgam

R'COUP'D / Ninja Tune / Rough Trade
VÖ: 15.09.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Alles fließt

In Sätzen wie "Am I vintage 'cause my life is analogue? / Is it retro to read on the metro or put a record on?" hört es sich ganz danach an, als wolle sich Finian Paul Greenhall alias Fink dem allgemeinen Trend des Smartphone- und Social-Media-Bashings anschließen. Doch die Zeilen entstammen seiner aktuellen Single "Not everything was better in the past" und laufen auch auf genau diese Aussage hinaus: Nicht alles war früher besser, manchmal sind da vor allem schmerzhafte Erinnerungen, die unbedingt ins Reich des Vergangenen gehören und dort auch bleiben sollen.

Ist Finks zugehöriges Album "Resurgam" (was so viel bedeutet wie "Ich werde auferstehen") also eines voller Tatendrang und Aufbruchsstimmung? Ganz im Gegenteil. Es widmet sich eher dem Innehalten und der vorsichtigen Neuorientierung. Herkömmliche Songschemata sind fast vollständig aufgelöst. Stattdessen balancieren die Tracks auf minimalen Gerüsten vorsichtig voran. Im Opener "Resurgam" bildet ein Gestell aus Bass und Drums die Basis, die sich nur ganz allmählich mit weiteren Klängen anreichert und zaghaft anschwillt und abflaut. Über die Dauer von achteinhalb Minuten baut sich fast unmerklich eine dramatische Spannung auf, die dann aber doch im Sande verläuft. Der Gesang stellt sich dazu quer, sodass der Titel nahezu ohne Harmonie auskommt; da sind nur Rhythmus, Klang und Hall. "Cracks appear" reiht sich dank simplen Klavierakkorden und Elektrogitarre in Finks Blueswerk ein, doch auch hier bleibt die musikalische Umrahmung weitgehend gleich. Wohldosierte Verschiebungen sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt, sondern vielmehr das Gefühl einer kontinuierlichen Entwicklung. Fink spielt dazu virtuos mit den souligen Schattierungen seiner Stimme.

"Words to the wise" bildet mit seiner Konzentration auf eine Klaviermelodie anstatt auf Rhythmus- und Klangmuster eine tieftraurige Ausnahme auf der Platte. In "The determined cut" spielen über die gesamte Dauer eine Klavier- und eine E-Pianotaste Ping-Pong. Dass sich das nicht nach dem nervtötenden Soundtrack von diesem archaischen Computerspiel anhört, liegt an der bewegungsreichen Melodie. In "Covering your tracks" laufen mindestens zwei eigentlich inkompatible rhythmische Schemen gleichzeitig ab: die beschwingte Melodiestimme und ein rastlos pendelnder Synthesizer. Dann wird alles im Nebel der Verzerrung aufgelöst. Fünfeinhalb Minuten brodelt und dröhnt es an allen Enden, auf die dramatische Klimax wartet man jedoch vergeblich.

Obwohl Fink den Stücken viel Zeit lässt, um sich zu entfalten, wirken viele eher wie Fragmente -- wie Gedankenexperimente, die zwar nicht die erhoffte Lösung produziert haben, aber dennoch neue Erkenntnisse mit sich brachten. Das Album eignet sich also hervorragend zum Hören in der U-Bahn, jenem Ort, der gleichermaßen für Vorwärtsbewegung und für nachdenkliches Warten steht. Gut, dass sich die Technik weiterentwickelt hat und man dafür keinen Plattenspieler mehr braucht.

(Eva-Maria Walther)

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Highlights

  • Resurgam
  • Cracks appear
  • Not everything was better in the past

Tracklist

  1. Resurgam
  2. Day 22
  3. Cracks appear
  4. Words to the wise
  5. Not verything was better in the past
  6. The determined cut
  7. Godhead
  8. This istn't a mistake
  9. Covering your

Gesamtspielzeit: 51:46 min.

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User Beitrag

myx

Postings: 368

Registriert seit 16.10.2016

2017-11-03 09:19:00 Uhr
Noch ein kurzer Rückblick aufs Konzert im Conrad Sohm vom 20. Oktober: Fink sind mit zwei Schlagzeugern aufgetreten, was natürlich besonders in der "Extended Version" (Fin Greenall) des rhythmusstarken "Resurgam" der Hammer gewesen ist. Ein weiteres Highlight war "Looking Too Closely", mein Fink-Lieblingssong schlechthin.

Leider vergeblich gewartet habe ich vom neuen Album auf "Cracks Appear" und von den früheren Veröffentlichungen auf "Hardbeliever" und "Berlin Sunrise", zwei weitere Lieblinge von mir. Trotzdem war es ein rundum gelungenes Konzert in einer tollen Location. Und ja, Fin Greenall ist wirklich ein sehr sympathischer Kerl. ;)

myx

Postings: 368

Registriert seit 16.10.2016

2017-10-11 13:51:25 Uhr
Der tolle Opener und Titeltrack "Resurgam" nimmt einen mit seinem wunderbaren, kraftvollen Rhythmus sofort gefangen und wird von der Rezensentin zurecht zu den Highlights gezählt. "Day 22" fährt im gleichen, rhythmusseligen Stil weiter. "Cracks Appear" ist die klasse Auskopplung des Albums. Sehr schöne erste drei Songs also.

Aber auch zurückgenommener klingen Fink gut (Tracks 4 und 5 zum Beispiel). Der Closer "There's Just Something About You" geht dann nochmals so richtig in die Vollen.

Radio SRF spricht von einem "Lo-Fi Flackern für den kühlen Herbst" - passt! Wie auch die 7/10 der Rezensentin (obwohl der Text sich stellenweise eher wie eine 6/10 liest, etwa, wenn die "dramatische Spannung" dann doch "im Sande verläuft" oder man "vergeblich auf die Klimax wartet"; oder wäre es ansonsten eine 8/10 geworden?).

Freue ich mich sehr auf das Konzert am 20. Oktober in Dornbirn (Conrad Sohm) und auf den charismatischen Sänger Fin Greenall.

Armin

Postings: 10572

Registriert seit 08.01.2012

2017-09-20 21:15:04 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 10572

Registriert seit 08.01.2012

2017-08-30 19:08:21 Uhr - Newsbeitrag
FINK veröffentlicht neue Single "Not Everything Was Better In The Past"

Nachdem wir mit "Cracks Appear" das neue Album sowie eine ausgedehnte Deutschland-Tour im Oktober ankündigen konnten, folgt heute mit "Not Everything Was Better In The Past" der nächste Vorab-Track aus "Resurgam", dem insgesamt sechsten Studioalbum von Fink.

Über "Not Everything Was Better In The Past" sagt Fin selbst:
"This is our second track from the new album… This time… The ballad… The big ballad… It's a song talking about like vintage-versus-modern life really I suppose. The title 'Not Everything Was Better In The Past' pretty much says it all but it's not sad - like a lot of Resurgam - it's pensive sure, but optimistic and strong. Possibly the most Fink-like track on the record and a one take live vocal, it was also one of the last to get done - getting finished pretty much the day before we left the studio…"

Anhören kann man sich den Song hier:

Das neue Album heißt "Resurgam", was soviel bedeutet wie „Ich werde wiederauferstehen“ und ist das heiß ersehnte, sechste Studioalbum von Fink. Die Band besteht aus dem in UK geborenen und in Berlin lebenden Singer/Songwriter und Bandgründer Fin Greenall und seinen langjährigen Mitstreitern Tim Thornton (Drums, Gitarre) und Guy Whittaker (Bass). Produziert wurde von Flood (PJ Harvey, U2, Foals, Warpaint, The Killers) in seinen Assault & Battery Studios in Nord-London.
Das Album erscheint am 15. September 2017 bei R'COUP'D / Ninja Tune / Rough Trade.

„Resurgam“ ist ein mutiges neues Kapitel aber auch unverkennbar Fink: mit ganzem Herzen, gefühlvoll, unbändig.

Finks Live-Qualitäten sind legendär und haben der Band überschwängliche Lobeshymnen auf der ganzen Welt eingebracht, ob sie nun ein intimes Gastspiel geben, Arenen rocken oder gar mit einem weltbekannten Amsterdamer Klassik-Ensemble kollaborieren (nachzuhören auf dem 2013er Livealbum „Fink Meets The Royal Concertgebouw Orchestra“). Für „Resurgam“ expandiert das Kern-Trio in eine große Live-Besetzung mit u.a. zwei Live-Drummern, die im Herbst 2017 zu einer großen Tour aufbricht. Fink wird dann über 60 Konzerten in 19 Ländern spielen.

Fink - Live:
19.10.17 München Muffahalle
26.10.17 Stuttgart LKA
12.11.17 Köln E-Werk
13.11.17 Frankfurt Batschkapp
26.11.17 Bremen Modernes
27.11.17 Hamburg Docks
28.11.17 Erlangen E-Werk
29.11.17 Leipzig Felsenkeller
01.12.17 Berlin Tempodrom
Booking: Music Pool
Tickets: https://music-pool.net/fink-tickets-13.html#tour21

myx

Postings: 368

Registriert seit 16.10.2016

2017-08-01 10:57:29 Uhr
"Cracks Appear" gefällt mir gut. Der Song enthält alles, was ich an Fink so sehr mag: tolle Stimme, schöne Gitarre, cooler Rhythmus, der Wechsel aus ruhigeren und intensiveren Passagen - mit tollem Glockenspiel besonders gegen Schluss. Freue mich sehr auf das neue Album, könnte weit vorne in meiner Jahresliste landen.
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