Scooter - Scooter forever

Scooter- Scooter forever

Sheffield / Kontor / Edel
VÖ: 01.09.2017

Unsere Bewertung: 1/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Celebrate the nonsense

Wir könnten es ja auch so machen wie Scooter. So wie die fast jährlich ihre allerhöchstens minimal angepasste Stumpf- und Schlumpftechno-Masse erneut auf den Markt werfen, würden wir einfach im Text vom Vorjahr drei, vier Wörter verändern und das Ganze öknomisch effizient noch mal frisch auf Plattentests.de stellen. Aber nein, da interveniert Chefredakteur Linder, redet was von "Anspruch" und "Verpflichtung". Pah! Scooter sind doch das Paradebeispiel, dass eine zugebenermaßen – und glücklicherweise! – einmalige Idee lange und nun schon zum 25-jährigen Jubiläum die Kasse klingeln lassen kann. Auch wenn man sich gut und gerne fragen darf, was denn so die letzten Singles der Band aus diesem Jahrzehnt waren. Aha, "Friends turbo" oder "Bigroom blitz" heißen die. Man merkt: Die gingen komplett an einem vorbei. Und stellt fest: So schlimm können die neuen Zeiten wohl gar nicht sein.

Vielleicht muss jeder einmal für sich selbst erfahren, was es heißt, eine Scooter-Platte von vorn bis hinten durchzuhören. Der Rezensent meldete sich nämlich in einer unbedachten Sekunde für das neue Werk der Nordlichter. "Hyper hyper" oder "How much is the fish?" hat man doch mal irgendwo mitgegrölt. Und irgendwie ist es schon sympathisch, wie die unbeirrt ihr Ding durchziehen. Um es mit einem abgewandelten Ärzte-Sample zu sagen: Er ahnte ja nicht, was ihm bevorstand. Zunächst mal ein Doppelalbum, das Scooter großzügig zum Jubiläum für Fans und arme Schreiberlinge aufnahmen. So einen Zonk hatte Kollege Sennfelder ja bereits mit "Helene Fischer" letztens unter mitleidigen Blicken aus dem Redaktions-Briefkasten gefischt. Wie erwartet enthält gleich die erste CD jene bewährte Mischung aus plump animierendem Mitklatsch-Beat, simplesten Melodien aus dem Abfalleimer von Scatman John und wahlweise irre dummem Zeug von einer schief hochgepitchten Quietsch-Stimme oder eben Mastermind H.P. Baxxter persönlich.

"Lyrics, they flow like a river", heißt es programmatisch im ersten Song, "I'm in charge of the action at the bell" etwas später, woraufhin tatsächlich eine kleine Bimmel geläutet wird. Ein Brüller. Wenn in "Kiss goodnight" eine kindliche Vocoder-Piepsstimme "Why don't you stay? / Let's play / Can't think of a better way to end the day / Let's fuck" in den Raum wirft, bleibt nur noch der ungläubige Blick auf den Player und die Frage, was zur Hölle sich Baxxter und seine Kollegen Kennste Nich und Weiß Keiner vorm Schreiben dieser Ungetüme einwarfen. "Wall of China (See the light)" hätte mit seinem Soul-Gesang ein Highlight werden können, wird aber selbstverständlich unsanft plattgewalzt. Die Stimmeffekte bei "As the years go by" oder die furzenden Effektgeräusche in "Kill the cat" sind gar so furchtbar, dass es selbst in diesem Kontext noch erwähnenswert ist. "Scooter forever" wirkt meist so rundum dillentantisch in seinem Sound, man wundert sich, ob da überhaupt jemand noch irgendwas versucht.

Das mag sich alles eher witzig lesen, es tatsächlich zu hören, ist aber eine erschreckend deprimierende Sache. Im Gegensatz zu den alten Hits kann man bei diesen Songs recht sicher sein, dass sie kein Schwein außerhalb eines harten Fankreises kennenlernen wird. Traurig, wie bei einer Party nur per Kamera zuzugucken. Das macht die elend lange Spielzeit zu einer bitter einsamen Angelegenheit. "Scooter forever" kann tiefe Sinnkrisen verursachen. Nicht nur, weil irgendwie musikalische Songs wie einst mal "Break it up" oder "She's the sun" komplett fehlen. Sondern vor allem, da am Ende der ersten Hälfte zu allem Unglück noch zwei Coverversion warten. "The darkside" ist eine 1:1-Kopie einer alten Hypetraxx-Single, durchaus anhörbar, aber eben so unkreativ geklaut, dass es nicht als Pluspunkt zählen kann. Die Hühüpf-Misshandlung von Monty Pythons "Always look on the bright side of life" ist hingegen der Gipfel der Dreistigkeit, eine grässliche Schande, die ihresgleichen sucht.

Unter ferner liefen gibt's auch noch was – die zweite CD nämlich. Diese enthält zehn Instrumentaltracks, ebenfalls uninspirierte Cover anderer Tracks aus der Rave-Szene, die zeigen: Wenn Scooter nicht mit H.P. Baxxter oder einem frisch gefickten Eichhörnchen am Mikro um die Ecke kommen, langweilen sie halt einfach zu Tode. Es passiert nichts, gar nichts in dieser Hälfte, nur Techno-Sounds von vorvorgestern. Die Trennung der beiden Pole macht "Scooter forever" deshalb zusätzlich unerträglich. Ein Teil induziert cholerische Anfälle, der andere komatösen Schlaf – was einen Gedanken reifen lässt: Scooter-Songs und ihr "Genuss" treten nicht nur oft zusammen mit einem Besäufnis auf, sie sind quasi der klanggewordene Alkohol in der Musikwelt. Mit Freunden an alte Zeiten erinnern, dummes Zeug grölen, wie bekloppt durch die Gegend hüpfen? Mach nur zu, aber bitte nicht zu häufig und heftig. Allein im Wohnzimmer konsumieren, ganz konzentriert? In dem Fall ist ernsthafte Hilfte dringend notwendig.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • -

Tracklist

  • CD 1
    1. Foreplay
    2. In Rave we trust
    3. Bora! Bora! Bora!
    4. My Gabber (with Jebroer)
    5. Wall of China (See the light)
    6. Shooting stars (Move it to the left)
    7. When I'm raving
    8. Scooter forever
    9. As the years go by
    10. Wild and wicked
    11. The roof
    12. Kiss goodnight
    13. Kill the cat (With Dave202)
    14. The darkside
    15. Always look on the bright side of life
  • CD 2
    1. Universal nation
    2. Symmetry C
    3. Unfuture
    4. The first rebirth
    5. Sacred cycles
    6. Burning phibes
    7. Lost in love
    8. The house of House
    9. Lost in space
    10. Tales of mystery

Gesamtspielzeit: 84:53 min.

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Armin

Postings: 9791

Registriert seit 08.01.2012

2017-09-15 18:42:50 Uhr
Für oder gegen wen spricht das nun?
@oh mann
2017-09-15 14:16:26 Uhr
...liegt eventuell daran dass Scooter und Witt immer und zuverlässig absolute Grütze produzieren
Irrenhouse
2017-09-15 13:49:54 Uhr
laut.de findet die neue Scooter jenauso jut wie die neue The National.

Armin

Postings: 9791

Registriert seit 08.01.2012

2017-09-14 21:01:59 Uhr
Ich sehe den Sinn von so einer Rezension irgendwie nicht.

Wir haben Lust, ab und an so was einzuwerfen und das Spektrum breiter zu fassen als manch andere. Und Ihr habt ganz offensichtlich Lust am Lesen und Diskutieren. So what?

Für alle, die's stört, sind noch 24 weitere Rezensionen da. Und richtig gute Alben, die unseren Anforderungen entsprechen, sortieren wir nie wegen Scooter aus.
fakeplastic
2017-09-14 19:10:07 Uhr
Der Sinn ist doch offensichtlich: Es ist die Kombination von Selbstbefriedigung des Schreibers und (vermeintliche) Anbiederung an die Zielgruppe, was dann wiederum mehr über den Autor und Seitenbetreiber aussagt, als über die eigentliche Musik, die natürlich extrem dürftig ist, es geht hier immerhin um Scooter. Aber gerade weil letzteres so offensichtlich ist, könnte man sich solche Rezensionen auch gleich sparen. Einige Menschen haben jedoch Freude daran, mit den Händen ein wenig in der Scheiße zu wühlen und dann der ganzen Welt vermeintlich überrascht mitzuteilen, dass die Finger stinken.

Ja.
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