Radio Doria - 2 Seiten

Radio Doria- 2 Seiten

Polydor / Universal
VÖ: 01.09.2017

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 2/10

Auf den Glückskeks

Sonntag Abend. Tatort vorbei. Zeit für die extralangweiligen Songs. Spaß beiseite, so etwas würde Plattentests.de seinen Facebook-Fans nie zumuten. Doch nur gesetzt den Fall: Jan Josef Liefers, Darsteller des stets arroganten Münsteraner Gerichtsmediziners Karl-Friedrich Boerne, wäre 2014 mit seiner Band Radio Doria und deren Debüt "Die freie Stimme der Schlaflosigkeit" ohne Weiteres ein Kandidat für die zum Glück nie Realität werdende Rubrik gewesen. Abgesehen vielleicht von der ordentlichen Auskopplung "Verlorene Kinder", obwohl das dazugehörige Video mitunter den muffigen Charme eines König-Pilsener-Werbespots verblies. Der Nachfolger lässt kurzzeitig auf mehr Tiefgang hoffen – schließlich bereiste das Sextett im Vorfeld von "2 Seiten" intensiv den Nahen Osten. Doch heraus kam laut Liefers ein Album, das "sich anfühlt wie eine Hand voller Glückskekse, die man in die Luft wirft." Netter Gedanke, solange sich darunter keiner mit der eingebackenen Botschaft "Das war kein Hühnchen" befindet.

Außerhalb seiner Krimi-Paraderolle erweist sich der gebürtige Dresdner also als Sympath – nicht erst, seit er zusammen mit Tatort-Partner Axel Prahl anlässlich des 25. Jahrestages der Wiedervereinigung die heimische Musikgeschichte aufarbeitete. Und auch mit Radio Doria kann einem der Mann einfach nichts Böses tun. Allerdings auch nichts, das wesentlich substanzieller wäre als eine Pizza ohne Boden, bei der man den Belag vergessen hat. Was daran liegen könnte, dass sich "2 Seiten" mit Liebe, Leben und den sich daraus ergebenden Missgeschicken in generischen Motiven erschöpft – selbst "Das weiße Haus" verzichtet trotz Titel auf jede politische Einlassung und versteht sich lieber als funky mit Pop und Popo wackelnde Hymne auf neue Lebensfreude durch Abschneiden alter Zöpfe. Auch die Single "Jeder meiner Fehler" sprüht vor Optimismus und Dackelblick, obwohl man sich den Großraumdisco-Remix getrost schenken kann. Doch nicht einmal diese kleine Unerheblichkeit zum Schluss tut wirklich weh.

Genauso wenig wie der Rest von "2 Seiten" – dazu inszenieren sich Radio Doria zu gezielt als eierlegende Wollmilchsau, die Formatradio, Kleinkunstkaschemme und Freiluftbühne auf einmal bespielen will. Etwa mit dem Kindheitserinnerungs-Boogie "Wie es nie war", der die kaum mehr tragbaren Coldplay herbeibetet, oder der verschlafenen Schlepp-Elegie "So schön" inklusive ausgedehntem Streicherfinale. Und singt Liefers gemeinsam mit dem ehrwürdigen Reinhard Mey in der Pianoballade "Nie egal" das Hohelied der Freundschaft, ist das so abgeschmackt und zugleich todsicher sentimental, dass sich danach ähnlich wie in der eingangs erwähnten Bier-Reklame auch echte Männer in den Armen liegen. Womit schon die bemerkenswertesten Ausschläge eines Albums abgearbeitet wären, das nicht stören, aber auch nicht überraschen will – anders als die Remix-Sammlung "Assel π", mit der Kollege Prahl zuletzt um die Ecke kam. Die spannendste Frage mit direktem Liefers-Bezug bleibt also: Wie war der Tatort?

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Das weiße Haus

Tracklist

  1. Eigentlich
  2. Das weiße Haus
  3. Jeder meiner Fehler
  4. 2 Seiten
  5. So schön
  6. Nie egal (feat. Reinhard Mey)
  7. Wir sind
  8. Geister
  9. Nochmal zum ersten Mal
  10. Wie es nie war
  11. Abendlied
  12. Jeder meiner Fehler (MZRT remix)

Gesamtspielzeit: 51:15 min.

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Armin

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2017-09-13 22:19:59 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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Armin

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2017-08-02 20:39:39 Uhr - Newsbeitrag
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