Prophets Of Rage - Prophets Of Rage

Prophets Of Rage- Prophets Of Rage

Caroline / Universal
VÖ: 15.09.2017

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Je oller, je Dollar

Selbstverständlich ist es nichts weniger als ein Mega-Ereignis: drei Viertel von Rage Against The Machine sind zurück! Erneut exklusive Frontshouter Zack De La Rocha, der diesmal von Cypress Hills B-Real und Public Enemys Chuck D ersetzt wird, dazu von letzteren noch DJ Lord, fertig ist die Armada gegen das neu auferstandene Böse in der Welt. Prophets Of Rage nennen sie sich, getreu dem Gassenhauer von "It takes a nation of millions to hold us back". Warum sie wütend sind, ist klar – Rassismus, Ungerechtigkeit und natürlich Donald Trump. Und Du kannst dabei sein! Mit T-Shirt, Jacke, Kappe, Buttons und sogar einer Skimaske mit Revoluzzer-Logo. Konstant hatte man bei der Veteranen-Truppe schon den Eindruck, dass das komplette Merchandising-Konzept bereits weit vor der ersten EP stand. Die Witzchen über "profits of rage" dürfte das nicht unwesentlich beflügelt haben, zumal das erste Lebenzeichen "The party's over" gerade mal einen mäßigen neuen Song brachte. Darüber hinaus? Nur Coverversionen der eigenen Hits – plus ein vollkommen fehlplatzierter Beastie-Boys-Song – in der Qualität einer schlechten Karaoke-Band.

Wahrlich keine guten Voraussetzungen, um das selbstbetitelte Debütalbum auch nur einen Funken ernst zu nehmen. Doch "Prophets Of Rage" ist immerhin keine absolute Vollkatastrophe geworden, so viel muss man den Herren zugestehen. Natürlich erinnert so gut wie jeder Song mit seinen sattsam bekannten Morello-Riffs an irgendeinen alten Klassiker von Rage Against The Machine, gleich die beiden Eröffnungssongs etwa klingen wie "Bombtrack" beziehungsweise "Guerilla radio". Gewiss mit etwas mehr Zahmheit, die vielleicht das Alter so mit sich bringt. Doch beide Tracks, vor allem "Unfuck the world", rufen durchaus einiges an Laune hervor. Eingängig werden sie zudem dadurch, dass Chuck D und B-Real ihre Zeilen häufig repetitiv wie ein Mantra ins Gedächtnis hämmern. Das später folgende "Strength in numbers" addiert zu aller Energie sogar noch eine Prise Bedrohlichkeit – eine Gefühl, das leider sonst vielem hier abgeht.

Es ist kaum möglich, Prophets Of Rage isoliert ohne den Schatten von Rage Against The Machine zu betrachten. Dazu werden zu viele Ideen recycelt, zu ähnlich ist der Sound. Chuck D und B-Real machen keine allzu schlechte Figur am Mikro, doch gerade lyrisch bleibt wenig Substanz übrig. Ihr plakativer, Trump-Echo-Slogan "Make America rage again" verpufft hier in einem nebligen Etwas. "Hope and pray / It might be you someday", "The same old lines / Time after time" – nichtssagende Zeilen wie diese bevölkern die Platte zuhauf. Die Wut existiert als reines Wunschdenken, wie Platzhalter wirken die Bars und Hooks. Ein klar formuliertes Statement gegen Abhorchung und Drohnen-Einsatz wie das vom Funk infizierte "Take me higher" bleibt eine Ausnahme. Wenn man ganz böse wäre, könnte man sagen: Selbst Trump-Supporter hätten bei vielen Texten Identifikationspotenzial, weil das Angriffsziel meist verschwommen bleibt. "They don't like my kind" trifft in den USA schließlich auf viele zu.

Die Band dahinter hat nach wie vor einiges auf dem Kasten, Tim Commerford und Brad Wilk geben die solide Rhythmusfraktion, Morello wirft einige kickende Wahwah-Solos ein. So richtig vermögen sie die Show aber auch nicht zu retten, zumal das Dutzend Songs recht uniform daherkommt. Die Dynamik von Meisterwerken wie "Settle for nothing" sucht man vergebens, in der Regel rauschen die Stücke durch, ohne zu stören. Was für die ursprüngliche Absicht, mit Ecken und Kanten gegen die Lage der Nation zu protestieren, eigentlich eine Bankrotterklärung ist. Was die Gruppe außerdem bei der grauenhaft altbackenen Interlude "The counteroffensive" oder dem Kaffeefahrt-Handklatsch-Rhythmus von "Legalize me" geritten hat, weiß auch nur der Geier. Generell fahren Prophets Of Rage mit ihrem eigenen Songmaterial jedoch wenigstens deutlich besser, als sich direkt mit den bewährten Klassikern ins Duell zu begeben. Den faden Cash-in-Beigeschmack des Drumherums in diesem Projekt kann aber auch diese laue Platte nicht verdrängen.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Unfuck the world
  • Strength in numbers

Tracklist

  1. Radical eyes
  2. Unfuck the world
  3. Legalize me
  4. Living on the 110
  5. The counteroffensive
  6. Hail to the chief
  7. Take me higher
  8. Strength in numbers
  9. Fired a shot
  10. Who owns who
  11. Hands up
  12. Smashit

Gesamtspielzeit: 39:40 min.

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User Beitrag

Robert G. Blume

Postings: 165

Registriert seit 07.06.2015

2017-09-20 17:04:14 Uhr
Nö. Das war missverständlich ausgedrückt. Meinte Kollegen der Plattentest-Redaktion.
Carl Maria Yaotm-Krüger
2017-09-19 14:45:55 Uhr
...Ex-Kollege Gerhardt...

Bist du PT-Redaktionsmitglied, RGB?

Mister X

Postings: 1833

Registriert seit 30.10.2013

2017-09-19 13:45:44 Uhr
Das Problem ist dass die Platte aus Ueberbleibsel von Ratm Gitarren-Parts besteht. Sonst ist das Ding aber recht fett.

Robert G. Blume

Postings: 165

Registriert seit 07.06.2015

2017-09-18 11:38:27 Uhr
Das schlechteste Album des Jahres ...
... meint Ex-Kollege Gerhardt bei Zeit Online.
N bisschen viel Polemik, da ist Felix' Rezi schon differenzierter.
So richtig Bock machen Cummerford, Wilk und Morello ohne Zack de la Rocha dennoch nicht. Siehe auch Audioslave.
Hab irgendwie wenig Lust, mir das anzuhören, obwohl ich mich eigentlich nach wütender politischer Musik sehne.

Ernsthaft?
2017-09-15 18:52:44 Uhr
Was sind denn hier für verballerte Gestalten unterwegs, die einen rechten und zudem ziemlich dämlichen Donald Trump in Schutz nehmen?

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