Mogwai - Every country's sun

Mogwai- Every country's sun

Rock Action / PIAS / Rough Trade
VÖ: 01.09.2017

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Come on get old

Mogwai haben ein besonderes Verhältnis zur Jugend. Ihre Karriere brachte anfangs die beiden Alben "Young team" und "Come on die young" hervor, unlängst erst nannten sie einen Track "Teenage exorcists". Ist es Zufall, dass auf ihrer neunten Platte "Every country's sun" unter anderem diese Pfeiler als Eckpunkte dienen? Nach dem 20-jährigen Jubiläum und der umfassenden, abrundenden Best-Of "Central belters" stellt sich die Frage, was nun noch kommt. Mogwai selbst scheint bewusst geworden zu sein, dass ein neuer Quell der Inspiration gut tun würde. Zumindest deutet das die frische Energie an, die "Every country's sun" an allen Ecken und Enden versprüht. So geerdet, brachial und dynamisch hörte man sie zuletzt in den zuvor erwähnten Anfangstagen. Kein Wunder: Dave Fridmann, Produzent von "Come on die young", saß zum ersten Mal seit 18 Jahren wieder an den Reglern.

Die bewährten Post-Rock-Tüfteleien gehen nicht nur kompositorisch mehr in die emotionalen Extreme als die letzten Veröffentlichungen. Der Sound des Albums trägt außerdem einiges zur Lebendigkeit bei: Sieht man mal von der etwas übereifrigen Komprimierung ab, schafft "Every country's sun" die Vermittlung des Feelings, live im Studio dabei zu sein, um ein Vielfaches besser als seine Vorgänger. Es ist Welten entfernt von der hermetischen Abgeklärtheit auf "Rave tapes", das zeigte, wie dicht Perfektion und Sterilität beieinander liegen können. Schon Opener und Single "Coolverine" lässt das Schlagzeug von Martin Bulloch deutlich direkter ins Ohr krachen als gewohnt, auch wenn sich der elegante Track sonst in vornehmer Zurückhaltung übt. "Party in the dark", einer von zwei Vocal-Tracks, täuscht indes die Fortführung der Poppigkeit von "Teenage exorcists" an. Beide bleiben falsche Fährten, die noch nah an der jüngeren Zeit orientiert sind.

"Every country's sun" sucht vielmehr Referenzpunkte in Mogwais weiter zurückliegenden Vergangenheit, ohne sich daran zu klammern. Die euphorische Soundwelle, die sich in "Crossing the road material" aufbaut, kennt zumindest der alte Bandklassiker "Mogwai fear Satan" nur zu gut. "20 size" irrt dagegen apathisch durch nächtliche Landschaften wie ein paar der besten Stücke von "Come on die young". Lediglich "Old poisons" mag es mit seiner "Batcat"-Reminiszenz übertreiben, denn selbst der originale Breakdown in der Songmitte findet sich wieder. Dafür stimmt das Energielevel. Ohnehin: Die lärmigen Passagen krachen wie die Axt durchs Gebälk, dagegen stehen Ruhepole wie "aka 47" und "1000 foot face", die gefühlt kaum mehr als ein Flüstern im Raum sind. Das Resultat ist ein verdammt einnehmendes, packendes Album, das lebt und atmet. Ein Gesamtwerk, das sich ihre Diskografie-Highlights aus der Nähe ansehen kann.

So schaffen Mogwai – trotz immenser Vorarbeit seit 1996 – einige der eindrucksvollsten Momente ihrer Karriere. Zum Beispiel wenn "Don't believe the fife" nach vier Minuten Spannungsaufbau in ein gleißendes Soundfeuerwerk explodiert. Oder der grandiose dynamische Verlauf des endorphingetränkten, majestätischen Titeltracks, der einem bis dahin bereits tollen Album die Krone aufsetzt – ein wahrlich allumfassender Song! Wer glaubte, dass Mogwai in den letzten Jahren zu sehr im Elder-Statesmen-Modus gefahren sind, darf sich von ihrem neuesten Meisterwerk den Gehörgang durchpusten lassen. Rückbesinnung auf die Urspünge ist angesagt, gleichsam mit dem Blick auf Gegenwart und Zukunft. Für den Leitspruch "Come on die young" sind sie sicherlich mittlerweile zu alt. Solange sie noch imstande sind, Großtaten wie "Every country's sun" zu vollbringen, können sie jedoch gern musizieren, bis sie umfallen.

(Felix Heinecker)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Crossing the road material
  • Don't believe the fife
  • Every country's sun

Tracklist

  1. Coolverine
  2. Party in the dark
  3. Brain sweeties
  4. Crossing the road material
  5. aka 47
  6. 20 size
  7. 1000 foot face
  8. Don't believe the fife
  9. Battered at a scramble
  10. Old poisons
  11. Every country's sun

Gesamtspielzeit: 56:07 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Prog-Nose
2017-10-14 06:16:54 Uhr
Was der nu Mogwai-Alben unbedingt rezensieren muss. Ist ja wohl klar, dass da jetzt die "zuwenig Krummtakte"-Leier kommt. Sollte der auf die Idee kommen, Flaming Lips-Alben mal auf diese Weise zu verreissen, muss ich dem wohl auch mal ne Mail schreiben :)
toastbrot
2017-10-13 22:31:11 Uhr
Die sollen erstmal ihr Webdesign aus dem letzten Jahrhundert updaten, dann könne wir über Weiterentwicklung reden.

Felix H

Postings: 2068

Registriert seit 26.02.2016

2017-10-13 20:20:26 Uhr
Wer zählt denn Mogwai bitte zu Progressive Rock? Die Rezension ist im Grundansatz schon falsch, abgesehen davon, dass hier tatsächlich der Schreiber in der Blase lebt.
Ist das nicht eh der komische, der Musik "objektiv" bewertet und Empfindungen ausklammert?

Mayakhedive

Postings: 102

Registriert seit 16.08.2017

2017-10-13 20:07:39 Uhr
Hab ich heut auch gelesen. Naja, auf der einen Seite für Weiterentwicklung plädieren, aber in keiner Rezi wirklich mal von seinem heiligem Prog loskommen.
Wohl auch ein eher verkopfter Hörer.

nörtz

Postings: 3261

Registriert seit 13.06.2013

2017-10-13 20:00:29 Uhr
Hier mal eine Rezi, die nicht ganz so günstig ausfällt.

http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=16882&content=review&left=reviewer&top=reviews&reviewer=39
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Threads im Plattentests.de-Forum