Beatsteaks - Yours

Beatsteaks- Yours

Warner
VÖ: 01.09.2017

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

All inclusive

"Von uns – für Euch": Unter dieser Maxime soll das achte Beatsteaks-Album für alle etwas bereithalten, so der Tenor vorab. Und da man mit Geschenken für liebe Menschen bekanntlich nicht geizt, ist "Yours" nun tatsächlich ein doppelt gemoppeltes Bonbon geworden: 21 (!) neue Songs stehen in den Startlöchern. Fragen darf man dabei: An wen genau wenden sich die Berliner? Aus der einst kleinen Friedrichshain-Kreuzberger Punk-Kapelle, deren Schaffen der Rezensent seit dem Jahr 1998 aufmerksam verfolgt, wurde im Laufe der Jahre ein Festival-Headliner, der große Bühnen jedes Mal aufs Neue in wahre Staubwüsten verwandelt. Immer neue Anhänger kamen dazu, während so manche Freunde aus Anfangstagen mit den Achseln zuckten. Wie man selbst mit der Band gealtert ist, wird spätestens dann klar, wenn ein bekanntes deutsches Musikmagazin zum Release von "Yours" eine "Beatsteaks-History" bringt. Für das Quintett indes fühlt sich das alles von jeher gleich an – ganz egal, ob 50 oder 50.0000 Menschen zu einem Konzert kommen. Und weil das alles immer noch so viel Spaß macht, haben Beatsteaks für "Yours" ihren bisher kunterbuntesten und größten Strauß an Ideen knallhart durch den Mixer gedreht.

Musikalisch deutet anno 2017 kaum mehr etwas auf die Truppe hin, die 20 Jahre zuvor das kultige Debüt "48/49" und bald darauf den (Garage-)Punk-Brecher "Launched" veröffentlichte. Stilistisch gehen längst schon etliche Formeln auf, verharrte der Fünfer schon zu Zeiten des phänomenalen "Smack smash" nicht mehr stumpf in seinem Ursprungs-Genre. New Wave, HipHop, Dub, Reggae? Heute umso mehr all inclusive. Was analog zu einer Pauschalreise in den Robinson-Club in launige Stampfer münden kann. Aus deren Riege man dieses Mal "Hate to love" voranschickt – diese zappelige Kooperation mit Jamie T, die Anhänger beider Lager zufriedenstellen sollte. Offbeat-infizierte Stücke wie das äußerst launige "Filthy crime" oder die ebenso vor positiven Vibes platzende Vermählungs-Hymne "I do" darf man getrost als Weiterentwicklung des Tanzhits "I don't care as long you sing" einordnen – und einen fetten grünen Haken dahinter setzen. An den feinen Rhythmus von "Gentleman of the year", einem der sehr tollen Experimente der jüngeren Vergangenheit, erinnert das entspannte "Summertime" und läutet mit einem fetten Tupfer Melancholie den Spätsommer ein.

Die Einschätzung von Arnim Teutoburg-Weiß, "Yours" sei "eine Art Beatsteaks-Mixtape", trifft zu. Nur ob genau das auch gut ist? "No surprises" hält entgegen des Titels eine solche durchaus bereit: An der Hammond-Orgel hörte man die Truppe selten werkeln. Der Titelsong besteht zwar nur aus einer Idee, sein Riffing jedoch tönt mit schnörkellosem Ansatz zwischen Blues-Rock und Psychedelic zweifelsohne ansprechend. Doch muss man bei all dem wilden, unterhaltsamen Stilmix auch festhalten, dass all das Anti-Scheuklappen-Tun auf "Yours" zu Experimenten und Kollaborationen führt, die nicht jeder Beatsteaks-Hörer unbedingt mit Vehemenz herbeigesehnt hätte. "L auf der Stirn" heißt die Bilderbuch-Swag atmende Kollaboration mit Deichkind, bei der Teutoburg-Weiß erstmals seit Jahren in der Muttersprache agiert und die trotz Instant-Ohrwurm auf Dauer nur wenig Substanz mitbringt. Auch "Abbadu" mit Gast Farin Urlaub ist eher nett denn wirklich spannend geraten. Ein paar mehr Fragezeichen bleiben. "Velosolex", das etwas flachbrüstige Experiment mit Stereo Total etwa. Oder der Autotune-Effekt im auch sonst faden "Attack and decay" und die Salsa-Gitarre im vorhersehbaren "Come on and get some". All You Can Eat kann eben auch recht ernüchternd sein. Was dagegen spätestens seit "Milk & honey" in aller Regelmäßigkeit klappt, sind flotte Indierock-Stampfer wie "Mrs. Right", leicht melancholisch angehauchte Midtempo-Hymnen wie "Fever" oder Schnörkelloses wie "You in your memories", wo Chad Price von All mitmachen und Gitarrist Peter Baumann seinen obligatorischen Einsatz am Mikrofon anmelden darf.

Auch die Widerhaken im Fäuste ballenden "40 degrees" gefallen – das Stück steht nebst "Policoro", das mit Ohrwurm-Refrain besticht, auf der Habenseite. Einst zehrten Beatsteaks-Songs von der rohen Energie des Punk und des Rock'n'Roll, von den subtilen Melodien, getragen von Teutoburg-Weiß' bemerkenswerter Stimme. Hielten Überraschungen bereit, die sich multiplizierten, wenn man die Stücke live übergebraten bekam. Diese Sause haben Beatsteaks nun ins Studio verortet, anscheinend ohne zu prüfen, ob das Equipment dort überhaupt hineinpasst. "Yours" ist auch deswegen ein kaum greifbares, wildes Sammelsurium aus interessanten Ideen, gewöhnungsbedürftigen Experimenten und leider auch unnötigen Beiträgen geworden. Laune verbreiten – gut und schön, die ist in diesen Zeiten auch schwer vonnöten. Vom Ansatz her könnte man den sympathischen Berlinern ihr "Yours", dieses vermeintliche "Alles nur für Euch!", ähnlich dreist als "Ours" auslegen: Worauf wir eben gerade Bock haben. Viel mehr Punk geht dann wohl nicht.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • 40 degrees
  • Filthy crime
  • I do
  • Policoro
  • Hate to love (feat. Jamie T)
  • Summertime

Tracklist

  1. Break down
  2. 40 degrees
  3. You in your memories (feat. Chad Price)
  4. Filthy crime
  5. I do
  6. Velosolex (feat. Stereo Total)
  7. Fever
  8. Ponkywonky
  9. Yours
  10. Mrs. Right
  11. Sucker punch
  12. Policoro
  13. Hate to love (feat. Jamie T)
  14. L auf der Stirn (feat. Deichkind)
  15. Attack and decay
  16. Come on and get some
  17. No surprises
  18. Abbadu (feat. Farin Urlaub)
  19. Gap
  20. Summertime
  21. The job

Gesamtspielzeit: 76:12 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Guter Musikgeschmack
2017-09-13 01:45:07 Uhr
Schrott, anders kann man das nicht nennen.
Bemerkt
2017-09-12 13:33:50 Uhr
Spielzeit bei der Rezi stimmt nicht. Wurde wohl von der Singles-Comp übernommen, liegt nur bei ungefähr 70 Min.

Robert G. Blume

Postings: 205

Registriert seit 07.06.2015

2017-09-04 11:25:51 Uhr
Ich hab mal eine Playlist mit 12 Songs gemacht, die sich ziemlich fluffig durchhören lässt:

<ol type="1">
<li>Break down </li>
<li>Fever</li>
<li>You in your memories (feat. Chad Price) </li>
<li>Yours</li>
<li>Sucker punch</li>
<li>Policoro</li>
<li>Hate to love (feat. Jamie T) </li>
<li>Come on and get some</li>
<li>No surprises</li>
<li>Gap</li>
<li>Summertime</li>
<li>The job</li></ol>

Felix H

Postings: 2068

Registriert seit 26.02.2016

2017-09-03 19:23:06 Uhr
Unausgereift war auch vieles auf "Boombox" und "Beatsteaks". Ob die 11 Tracks dann durchgängig stark wären, steht zur Frage, aber besser als die beiden Alben wäre sie schon.
Habe bei den vielen tollen VÖs im Moment aber auch wenig Lust, so viel Zeit für ein Beatsteaks-Album aufzuwenden.

False Flac

Postings: 118

Registriert seit 19.01.2017

2017-09-03 17:35:18 Uhr
Ich würde gerne sehen, wie jemand aus diesem Sammelsurium an unausgereiften Ideen ein starkes 11-Track-Album baut. Eine EP wäre da realistischer.
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