Culcha Candela - Feel Erfolg

Culcha Candela- Feel Erfolg

RCA / Sony
VÖ: 25.08.2017

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 2/10

Hallo Amazon-Rezensent

Auch als Rezensent bei Plattentests.de gilt es manchmal, Basisarbeit zu leisten. Zu Konzerten zu gehen, mit Fans über die performende Band zu sprechen, einzutauchen in die Lebenswelt der Aficionados. Weil sich aber partout keiner in der Redaktion bereiterklären mochte, eine Show von Culcha Candela zu besuchen, müssen nunmehr andere Lösungswege herhalten, um den Diskurs mit Anhängern der Dancehall-Truppe herzustellen. Bei Amazon fand sich eine geeignete Diskussionsgrundlage: die Rezension des Users "Amazon Kunde", der "Feel Erfolg", das neue Album der Berliner, mit 5/5 Sternen bewertete – hochgerechnet auf die Plattentests.de-Skala eine glatte 10/10. Da prallen Welten aufeinander.

"Lange Wartezeit, aber die hat sich definitiv gelohnt!"
Na ja, erzähl das mit der langen Wartezeit mal einem Guns-N'-Roses-Fan. Und gelohnt hat sich das Ausharren auch nicht wirklich. Ich persönlich fand Seeed schon immer eher kacke, aber sogar Seeed-Fans können Culcha Candela kaum ertragen. Warum? Lyrisch gräbt das Quartett ohnehin am Nordpol, außer ein paar kindischer Wortspiele bleibt da wenig hängen, und auch zum Tanzen gibt es deutlich weniger Stumpfes. Da ist bei "Feel Erfolg" kein Unterschied zu seinen sechs Vorgängern zu erkennen.

"4 Singles wurden schon vor der Veröffentlichung des Albums herausgebracht, die hatten es in sich und versprühten die Freude auf mehr Musik von aus dem Hause Candela! "Rodeo", "In meiner City" (mit Mr.Reedoo ehemaliges Bandmitglied), "Piste" und zuletzt der absolute Ohrwurm "Cool mit mir selbst" (feat. ELA). Gute Laune garantiert!"
Ich will ehrlich sein: Bis ich dieses Album erstmals in mein CD-Laufwerk schob, hatte ich keine der Singles gehört, daher ein kurzer Überblick: "Rodeo", der Opener, setzt auf dicke Bässe und lateinamerikanische Bläser – ein echter Diskobrecher. Mit vier bis acht Gin-Mate wäre ich da voll dabei, das muss ich schon zugeben. "In meiner City" lässt es zunächst ruhiger angehen, erzählt vom nimmermüden Berlin. Oder doch München? Denn: "Chill' mit Luisa / An der Spree oder Isar." Die funky Gitarre und die Steeldrums versprühen zwar Summer-Feeling, nicht aber Vorfreude auf weiteres. "Piste" mit seinem Merengue-Klavier fordert zum Tanz auf, setzt einmal mehr auf die verbale Umschreibung weiblicher Kurven als Party-Motivation und lässt den einen oder anderen Balkan-Einfluss im wortlosen Kehrvers durchschimmern. "Cool mit mir selbst" wird tatsächlich nicht nur von Ela sondern auch von VitaliZe (Künstler oder Müsliriegel?) gefeatured. Der relativ elektronische Beat gliedert zum Refrain Synthie-Spuren ein, und Culcha Candela üben sich in Auto-Suggestion: "Auch wenn mein Leben grad scheiße ist / Mir egal, Mann, ich hype es." Bisschen weniger Mode-Blogs lesen, weiß Ela, und schon heißt es: "Heut trink' ich Freedom on the Rocks". Wenn's hilft.

"Nicht nur der Musikstil hat sich etwas ins modernere Verändert ( wichtig ist, es ist immernoch typisch Culcha Candela! ), sondern auch zum ersten mal nach 15 Jahren Bandbestehen ein Weiblicher Gast auf dem Album! -> Cool mit mir selbst."
Nö, eigentlich hat sich der Sound von Culcha Candela nicht großartig verändert, "moderner" ist er schon lange nicht, denn musikalisch modern ist immer das, was besser ist als Althergebrachtes. Das ist hier, oh Wunder, nicht gegeben. Und jetzt hält dieser Gender-Wahnsinn sogar schon in der Pop-Musik Einzug? Na ja: Ela, gibt sich schließlich größte Mühe, patriarchalische Denkmuster nicht anzutasten, wenn sie, wie oben schon zitiert, von Mode-Blogs singt und sich obendrein zum Feature-Gast einer Truppe macht, die den Sinn und Zweck einer Frau normalerweise im Arschwackeln sieht.

"Auf diesem Album vereinen die drei Jungs, moderne Elektrosounds (was es bisher bei Culcha Candela noch nicht gab!!) , coole Dancehall Sounds, Reggaeton Rhytmen, aber sogar auch ein Hauch von Schlager!! (Schlager schlägt zurück)"
Erstmal, Culcha Candela sind zu viert, zähl noch mal durch. Wahrscheinlich vergisst Du den DJ, Chino con Estilo, aber der ist wie die anderen drei auch schon seit 2002 dabei. Ob indes die Eingliederung von Elektrosounds, für die ebendieser DJ wohl hauptverantwortlich sein dürfte, nun tatsächlich eine Weiterentwicklung beschreibt, ist fraglich. Hier und da mal Autotune und der ein oder andere Four-to-the-floor-Stampfer, mehr ist da nicht – und das haben auch die schlechtesten Bands schon seit zehn Jahren im Repertoire. Der angesprochene Track "Schlager schlägt zurück" präsentiert sich wie eine nicht ganz so schlimme Version von Adel Tawils "Lieder". Aber das halt auch nur, weil Schlager auch immer Schmunzelpotenzial mit sich bringt. Aus dem Rahmen fällt dabei das "Bap, ba-dap, ba-dap, bap-ba-da" aus dem Chorus, das deutlich mehr an Lou Reeds "Walk on the wild side" erinnert als an Heino, Howard oder Helene.

"Es gibt keinen Song den ich nicht super finde!!"
Ich schon. Zum Beispiel das nervige "Komma klar". Ein Song, der selbst den Dalai Lama in Rage versetzen würde. Oder die Scheinballade "Original gyal" mit ihren Handclaps, Fingerschnipsern und meiner Unsicherheit bezüglich der Zweideutigkeit des folgenden Satzes: "Wenn es hart wird, dann bist Du da." Der Titeltrack "Feel Erfolg" macht erstmal einen auf seichtes Gitarrenstück, wartet aber natürlich nicht lange, bis der Rhythmus Fahrt aufnimmt und im Hintergrund wortwörtlich die Kasse klingelt, die fürchterlich pathetisch vorgetragene Bridge macht es nicht besser. Da werden wir uns wohl nicht einig.

"15 Jahre Bandbestehen und immer noch Musik auf höchstem Niveau."
Ich befürchte, Dir fehlt der Vergleich. Wenn Du es wirklich ausgehalten hast, 15 Jahre Culcha Candela zu hören, bist Du offenbar ein recht hartgesottener Zeitgenosse. Dennoch würde ich Dir raten, die Monokultur ein wenig zu erweitern und öfter mal auf Plattentests.de vorbeizuschauen. In unserem Forum triffst du außerdem auf eine offene Diskussionskultur.

"Reinhören oder gleich zugreifen, lohnt sich aufjedenfall!!"
Du hast das Album ja schon, aber laut Amazon als MP3-Version. Wenn Du doch noch die CD kaufen willst, wäre hier unser Partnerlink – auch für jeden, der wertschätzt, dass wir bei Plattentests.de oft bis an den Rand der Schmerzgrenze vordringen, und / oder auch selbst einen Hang zum Masochismus hat.

"Schöne Grüße aus Bayern."
Schöne Grüße zurück aus Baden-Württemberg und danke fürs "Gespräch"!

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Rodeo

Tracklist

  1. Rodeo
  2. In meiner City (feat. Mr. Reedoo)
  3. Mach Dein Ding
  4. Cool mit mir selbst (feat. VitaliZe & Ela)
  5. Genieß mein Leben
  6. Komma klar
  7. Piste
  8. Original gyal
  9. Pull up
  10. Versace
  11. Schlager schlägt zurück (feat. Hans Sachs)
  12. Copacabana
  13. Ey DJ II
  14. Starting Over
  15. Feel Erfolg

Gesamtspielzeit: 53:30 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
ichundnichtdu
2017-09-06 16:44:06 Uhr
Ich fand die Rezension sehr unterhaltsam. Eine "normale" hätte ich mir zu Culcha Candela ejdenfalls nicht durchgelesen.

hubschrauberpilot

Postings: 3113

Registriert seit 13.06.2013

2017-09-03 19:37:13 Uhr
Ich finde die Amazon-Rezension als Vorlage zu verwenden grenzwertig. Ist doch klar, dass er es als Fan abfeiert und sich nicht so kritisch wie ein Musikredakteur mit auseinandersetzt.

Die Amazon-CD-Bewertungen fallen generell immer viel zu positiv aus.

Pascal

Postings: 327

Registriert seit 13.02.2013

2017-09-02 15:53:55 Uhr
Gute Idee, das mach ich mal. :)
Amazon
2017-09-02 12:18:17 Uhr
@Pascal

einfach die Review kommentieren. Der "Amazon-Kunde" hat nicht Anonym gepostet sondern einfach keinen Nickname generiert.

Man kann auch sehen was er noch so voll prima findet...

So ist zum Beispiel The Dome 60 "Tausend mal besser wie die aktuelle Bravo...
Loginvergesser
2017-09-02 10:40:09 Uhr
Ich hör immer nur Culcha Candela und Seeed...

Die beste Band in diesem Bereich sind und bleiben doch wohl IRIE REVOLTÉS! Live Bombe und inhaltlich ganz weit vorn.

Leider gerade auf Abschiedstour. Wäre auch ein Karrieremove über den Culcha mal nachdenken sollten...
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