Leprous - Malina

Leprous- Malina

InsideOut / Sony
VÖ: 25.08.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Fleiß ist heiß

Wer ein Instrument gut beherrschen will, muss üben. Stundenlang, jahrelang. Neben Talent braucht ein Musiker vor allem eines: Unbändigen Willen. Was das mit der norwegischen Progressive-Metal-Band Leprous zu tun hat, wird schon nach wenigen Takten klar. Die Herren haben verdammt viel Zeit im Übungskeller verbracht. Während andere Genre-Vertreter technische Angeberei mit musikalischem Einfallsreichtum verwechseln, halten die Nordlichter auf "Malina" jedoch die Balance. Die instrumentale Expertise ist nicht bloß Mittel zum Zweck, sondern wird mit viel Gefühl fürs Detail eingesetzt. Im Gegensatz zu früheren Alben ist der Sound deutlich durchlässiger und zugänglicher geworden, die Riffkeule wird nur noch punktuell geschwungen.

Geblieben ist der zwischen Theatralik und Exaltiertheit pendelnde Gesang Einar Solbergs, der so manchen Hörer anfangs irritieren dürfte. Sobald man sich damit abgefunden hat, dass Solberg auch mal gerne das Falsett anschmeißt, steht dem Genuss eines durchweg überzeugenden Albums nichts mehr im Wege. Beeindruckend ist, wie das Quintett zwischen rhythmisch vertrackten Parts und poppigen Elementen hin- und herspringt, ohne dabei den Song aus den Augen zu verlieren. So kombiniert "Captive" einen fies synkopierten Groove mit einer pathethischen Gesangsmelodie als wäre es eine Selbstverständlichkeit. Auch der Opener "Bonneville" schlägt in diese Kerbe.

Wichtig für den Bandsound sind allerhand Keyboards und Synthesizer, wobei diese nicht bloßes Zubrot darstellen, sondern die Gitarrenspuren ergänzen. Hirnlose Hochgeschwindigkeitssoli sind gottlob Mangelware. In Hymnen wie "Leashes" wird indes offenbar, dass die Norweger in jungen Jahren auch Genesis und Rush im Plattenschrank hatten. Am stärksten sind sie aber immer dann, wenn sich zu all den cleveren Ideen die nötige Portion Irrsinn gesellt. "Mirage" schießt diesbezüglich den Vogel ab: Rastlose Sechzehntelfiguren bilden die einzige Konstante in einem Song, der lange Zeit nicht weiß, ob er eine Hymne oder ein Massaker sein will. Nach fünf Minuten fällt schließlich die Entscheidung und "Mirage" wird einfach nur unfassbar geil. Ja, das muss man so sagen.

Ein Sonderlob verdient der Schlagzeuger Baard Kolstad. Bei solch vielschichtigen Arrangements das Gespür für den Puls zu behalten, zeugt von großer Musikalität. Wenn es sein muss, kann Kolstad aber auch vorzüglich ballern. Nachzuhören in "Coma", das Freunden der Doublebass die Freudentränen in die Augen treiben dürfte. Nicht mitspielen durfte er im abschließenden "The last milestone", welches nur mit Streichern und Gesang auskommt. Hier regiert die Traurigkeit, wobei etwas weniger Geigenkitsch wahrscheinlich umso intensiver gewirkt hätte. Dieser Song will ausgehalten werden, berührt aber durch seine weitschweifige Gesangsmelodie. Egal, wie man es dreht und wendet: Das Üben hat sich gelohnt.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Bonneville
  • Captive
  • Mirage
  • Coma

Tracklist

  1. Bonneville
  2. Stuck
  3. From the flame
  4. Captive
  5. Illuminate
  6. Leashes
  7. Mirage
  8. Malina
  9. Coma
  10. The weight of disaster
  11. The last milestone

Gesamtspielzeit: 58:48 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
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2018-04-08 00:52:39 Uhr
Leashes ist auch mal ein Song. Von der Band bin ich zunehmend begeistert. Anfangs sind ihre Lieder eher unscheinbar, aber die wachsen wie verrückt!

Bonzo

Postings: 1403

Registriert seit 13.06.2013

2017-08-28 21:35:33 Uhr
Ja mei, die können es einfach.

Watchful_Eye

Postings: 1429

Registriert seit 13.06.2013

2017-08-25 02:55:38 Uhr
"Mirage" ist nach 2 Durchgängen der klare Übersong des Albums und hat auch Potential für meine Jahres-Top 5.
Experte
2017-08-23 21:34:50 Uhr
"From the Flame" ist stark. Rest eher lahm. Schade.

Armin

Postings: 13831

Registriert seit 08.01.2012

2017-08-23 21:31:28 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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