Queens Of The Stone Age - Villains

Queens Of The Stone Age- Villains

Matador / Beggars / Indigo
VÖ: 25.08.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wicht am Ende des Tunnels

Josh Homme hat wieder sichtlich Spaß am Leben. War nicht immer so, angesichts gesundheitlicher Schicksalsschläge und deren Verarbeitung auf "...Like clockwork", dem bisher intimsten Album von Queens Of The Stone Age. Wer das von Liam Lynch produzierte Promo-Video für ihr siebtes Album "Villains" gesehen hat, weiß: Der Schalk sitzt ihm wieder im Nacken. Homme meinte selbst, dass "...Like clockwork" für das Durchleben stehe, möglicherweise für den Gang durch einen Tunnel. Mit "Villains" sei die Band hingegen auf der anderen Seite angekommen. Wer sich dann auch gleich Mark Ronson als Produzent krallt, der will es wohl wissen mit der ganz großen Nummer. Schließlich hatte der nicht nur Adele, Amy Winehouse oder Lady Gaga die Platten aufgehübscht, sondern auch höchstselbst mit "Uptown funk" eine der bestverkauften Singles aller Zeiten rausgebracht. Und zu allem Überfluss nun Synthies mit ins Studio geschleppt. Biedern QOTSA sich nun an? Hallo?

"Villains" ist jedoch alles andere als interessiert am schnellen Hit. Die etwas lauwarm empfangene Single "The way you used to do" mag ein schnelles Tanzbein schwingen, aber ein so gänzlich straight nach vorne gehender Knaller sieht anders aus. Dem Statistiker fällt es außerdem gleich auf: Neun Songs in 48 Minuten, gerade mal drei unter der Fünf-Minuten-Grenze. Da wird durchaus länger gefackelt. Die komplexen Gebilde wollen mehr entschlüsselt werden, als dass sie in trunkener Seligkeit dem Hörer um den Hals fallen. Daher wirkt "Villains" zunächst womöglich etwas egal – nicht direkt sperrig, sondern mit zu wenig Grifffläche ausgestattet, um zwischen all den Wendungen und Wirbelbildungen Halt zu finden. Der Sound ist entsprechend der Erwartungen an Ronson ziemlich trocken, wenn auch nicht weit vom Schlage eines "Era vulgaris"-Gerippes entfernt. Doch gemach. Die Zahnräder klicken auch dieses Mal ineinander.

Wenn Homme behauptet, dass diese Platte die tanzbarste bislang sei, mag das stimmen. Stupides Geradeaus-Wummern sollte man allerdings nicht erwarten. Vielmehr ist diese Aussage darauf gemünzt, dass Rhythmus so sehr im Vordergrund steht wie nie zuvor. Die klassischen, texturierten Rocker wie "Go with the flow" oder "My god is the sun" sind erstmal passé, stattdessen probt "Feet don't fail me now" zu Beginn nach schleichendem Intro das Hachsenbrechen beim Hüpftanz. Wie Franz Ferdinands "Take me out" auf Testosteron – oder eine herausgeschnittene Scheibe Groove von Hommes Superstar-Projekt Them Crooked Vultures. Fulminant! "Domesticated animals" und "Fortress" sind hingegen lediglich Updates von Queens-Of-The-Stone-Age-Prototypen: ersterer eine zwischen sturem Riff und befreiender Energie schwankende Reminiszenz ans robotische Debüt-Album, zweiterer die Präsentation der sensiblen Seite der Band.

So weit alles prima, doch die Sause, für die alle gekommen sind, beginnt vor allem hier: "Head like a haunted house" macht nicht vieles neu, aber einiges noch besser. Der hoppelnde Drumbeat mündet in ein schlagfertiges Stück energischen Rocks, der sich in einen noch intensiveren Part steigert. Dass Teile des Songs bereits 2007 entstanden sind, hört man nicht heraus. "Un-reborn again" kommt melodieverliebter daher, bleibt im Midtempo. Ronsons Synthies werden wie auf der ganzen Platte dosiert und passend eingesetzt. Keinesfalls kleistern sie den Song zu, sondern verleihen dem Sound an den Punkten, an denen sie auftreten, die richtige Unruhe. Ein Saxofon schubst den Song am Ende über die Ziellinie. Da hat man fast schon vergessen, Homme gerade dabei zuzuhören, wie er "meta-blowjobs" einfordert. Die Texte bleiben ohnehin meist unkonkret, es gibt viele Untote, es gibt viele Tiere, es gibt viele untote Tiere.

Ein Opus der Grandezza von "I appear missing" oder "Like clockwork" hat "Villains" demnach nicht zu bieten, da es emotional nie so tief hinabsteigt. "The evil has landed" macht dies aber mit einem von Piepsern punktierten und wahnsinnig eingängigen Refrain wett – ganz zu schweigen vom ekstatischen Mittelteil und Schluss. Kein Wunder, dass Homme von einer "near-life experience" singt und rät: "Go on a living spree." Trotz der im Artwork und Albumtitel lauernden Bösewichte gibt es ein klares Ja zum Leben. "Villains of circumstance" folgt der musikalischen Linie des Vorgänger-Closers, beginnt leise, um pathetisch an- und wieder abzuschwellen. "Villains" ist eine erneute Absage an alle den schnellen Hit suchenden Gelegenheitsfans, die sich nach dem zweiten Durchgang enttäuscht leichteren Zielen zuwenden. Alle anderen werden entlohnt. Vielleicht unterm Strich nicht mit dem besten Queens-Of-The-Stone-Age-Album – zumindest nicht auf kurze Sicht. Aber mit einem, was wahnsinnig Spaß machen kann. Den Fans und der Band hoffentlich gleichermaßen.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Feet don't fail me
  • Un-reborn again
  • The evil has landed

Tracklist

  1. Feet don't fail me
  2. The way you used to do
  3. Domesticated animals
  4. Fortress
  5. Head like a haunted house
  6. Un-reborn again
  7. Hideaway
  8. The evil has landed
  9. Villains of circumstance

Gesamtspielzeit: 48:05 min.

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Thanksalot

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Registriert seit 28.06.2013

2017-09-14 22:25:26 Uhr
Die Riesenenttäuschung zu Beginn hat sich doch gelegt und es gibt tatsächlich Songs, die mir enorm Freude bereiten.
Allen voran "Un-Reborn Again" und "Fortress", gefolgt vom Opener, "Hideaway" und "Villains Of Circumstance". Die liefen die letzten Wochen mehr oder weniger in Dauerschleife. Gewachsen sind "Domesticated Animals" und "Head Like A Haunted House", bleiben aber nur okay. "The Way You Used To Do" bleibt vermutlich auf ewig ein Rohrkrepierer. Mag ich gar nicht und macht mich sogar regelrecht aggressiv. Bleibt noch "The Evil Has Landed". Hinter den bin ich immer noch nicht gestiegen. Zu wirr. Wird wohl auch ein Lowlight bleiben.
Die Produktion ist in der Tat seltsam. Sie ist einfach nur da, verleiht der Platte keinen wirklichen Punch. Am meisten wird das beim Schlagzeug deutlich. Das klingt teilweise alles enorm flach und eben, als wolle man keinem weh tun. Live kommen die Songs aber sicher besser rüber. Außerdem habe ich Schlimmeres erwartet, nachdem ich gelesen hatte, dass Ronson das Ganze übernimmt. Denn es ist immer noch ein Gitarrenalbum, nicht mal "elektronischer" ist die Band geworden. Homme wollte ein Tanzalbum? Dafür hätte er konsequenter sein müssen und ich bin froh, dass er es nicht war.
Insgesamt hebt sich das Album in der Diskografie dann doch irgendwie ganz schön ab. Es ist definitiv leichtere Kost als sämtliche Vorgänger, allen voran ...Like Clockwork, welches mir wegen seiner Schwere insgesamt nicht sehr gefiel (wie auch schon die Lullabies). Homme musste wahrscheinlich einfach mal ein Album wie ...Like Clockwork schreiben, aber die andere, verspieltere Seite der Queens gefällt mir einfach besser (Rated R, Era Vulgaris). In diese Kerbe schlägt auch Villains. Andererseits hat es keine Songs vom Kaliber eines "I Appear Missing" oder "Smooth Sailing" zu bieten.
Schwierig, aber ich denke die 7/10 passt noch gerade so.

Gomes21

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Registriert seit 20.06.2013

2017-09-14 19:24:37 Uhr
Ich glaube ich trete meine konzertkarte ab, gibt so viele gute Alternativen um die zeit

Croefield

Postings: 206

Registriert seit 13.01.2014

2017-09-11 18:45:31 Uhr
Also "Feet Don't Fail Me" höre ich mittlerweile unheimlich gerne, wenn ich mich aufwecken will. Das bratzt einfach so schön rein und beim Keyboard bin ich dann spätestens richtig wach. Super. "The Way..." mag ich auch, ist einfach super catchy, ähnlich "Head Like...". "Hideaway" und va "Villains Of Circumstance" gefallen mir als ruhigeew Songs auch richtig, wobei mich letzterer sogar ein bisschen an Muse erinnert. Das freut mich ja immer. Insgesamt wohl kein Meisterwerk, sondern einfach mal nur ein gutes Album, aber das ist ja auch schön.

Gomes21

Postings: 1505

Registriert seit 20.06.2013

2017-09-07 11:28:59 Uhr
:-D

noise

Postings: 532

Registriert seit 15.06.2013

2017-09-07 11:27:42 Uhr
Dann solltest Du Dir dringend noch ein drittes Album aus 2017 anschaffen ;-)
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