Triggerfinger - Colossus

Triggerfinger- Colossus

Mascot / Rough Trade
VÖ: 25.08.2017

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nur Mut

Oh weh, dieses Albumcover! Was haben sich die drei sonst so adrett gekleideten Herren von Triggerfinger denn dabei gedacht? Auf der Vorderseite von "Colossus" thront ein fast symmetrischer Auswuchs schrecklicher Albträume: Kraken, Gehirne, Getier. Mutig, aber das hätte es jetzt wirklich nicht unbedingt gebraucht. Immerhin ist dem Trio damit die direkte Aufmerksamkeit für sein fünftes Album gewiss. Außerdem gelingt es Triggerfinger die elendige "I follow rivers"-Geschichte als Einleitung dieser und womöglich anderer Rezensionen zu verhindern. Mit der zweiten Platte nach dem smoothen Erfolgs-Coversong sollte auch außerhalb der belgischen Heimat durchgedrungen sein, dass die Herren den dreckigen Rock zelebrieren. Mit dem Titeltrack, der das unheimliche Monster des Artworks doch gut vertont, brettern die Belgier auch gleich richtig los – statt der klassischen Trio-Besetzung zur Abwechslung sind die Herren nun mit zwei überaus verzerrten Bassgitarren ausgestattet.

Jenes kleine Detail soll nicht die einzige Überraschung bleiben, die Triggerfinger in "Colossus" eingebaut haben. Die Platte ist diverser, hier und da erklingt hinter den Gitarrenwänden mal ein kleines Sample und generell wurden der Produktion mehr Freiheiten eingeräumt. "Upstairs box" wirkt mit seinen Lo-Fi-Drums anfangs tatsächlich so, als wäre es vom Dachboden geholt worden, ehe es im Mittelteil von einem erlösenden Gitarrenriff ein frisches Gewand verpasst bekommt. Das gelungenste Experiment ist indes das überaus schöne "Afterglow": Die klassische Akustikballade entwickelt sich mit gedoppelten Stimmen und Streichern zu einem Track auf den Spuren vom letzten Josh-Homme-Meisterwerk "...Like clockwork" und stellt am Ende ein feines Gitarrensolo bereit. Auch das folgende "Breathlessness" überzeugt im Mid-Tempo mit einer einprägsamen Melodie und unüblich abstehenden Glam-Rock-Gedenk-Vocals.

Abgesehen von der Instrumentierung, welche etwas ausdiffenzierter daherkommt, wollen sich Triggerfinger mit "Colossus" mehr auf die Songs an sich konzentriert haben. Diese oft gehörte Floskel macht sich im ersten Drittel der Platte auch definitiv bemerkbar. Die eingängige Single "Flesh tight" tut effektiv, was sie soll, und das mysteriöse "Candy killer" könnte mit seiner knackigen Schale und den peitschenden Gitarren auch wunderbar als Soundtrack einer Thriller-Serie dienen. Im letzten Teil des Albums geht den Belgiern dafür aber ähnlich floskelhaft die Luft aus. "Bring me back a live wild one" macht sich noch mit einem Bläser-Einsatz bemerkbar, ansonsten sind die Überraschungsmomente einzig dem Abschluss- und Hiddentrack "Wollensak walk" vorbehalten. Dessen erste Hälfte ist mit Blues-Gitarren und schrillen Tönen ganz im Tarantino-Sound gehalten, bevor die Musik zunächst stoppt, und der Track sich zu einem amüsanten Disco-Schunkler transformiert, der auch als Standalone-Track eine gute Figur abgegeben hätte. Doch so viel Mut war bei den Belgiern nach der ominösen Auswahl der Verpackung wohl nicht mehr übrig.

(Till Bärwaldt)

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Highlights

  • Candy killer
  • Afterglow
  • Breathlessness

Tracklist

  1. Colossus
  2. Flesh tight
  3. Candy killer
  4. Upstairs box
  5. Afterglow
  6. Breathlessness
  7. That'll be the day
  8. Bring me back a live wild one
  9. Steady me
  10. Wollensak walk

Gesamtspielzeit: 36:23 min.

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Armin

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2017-08-16 21:23:22 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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