Burning Brides - Fall of the plastic empire

Burning Brides- Fall of the plastic empire

V2 / Zomba
VÖ: 24.03.2003

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Playmobil

Die sogenannten Infoblätter, die Plattenfirmen gerne für die Rezensenten einer neuen CD beilegen, sind nachvollziehbarerweise nicht gerade Ausgeburten kritsch-differenzierter Musikbetrachtung. Sie beinhalten vielmehr das, was diejenigen, die eine Platte verkaufen möchten, gerne über ihr neues Produkt lesen möchten. Hier werden Avril Lavigne als rebellisch, Kelly Osbourne als frech und ihr Vater als vitaler Rockheld angepriesen. Und t.A.T.u. machen angeblich Elektro-Punk. Kein Wunder also, daß die Reaktion auf massives Namedropping wie im Info zu den Burning Brides erstmal nur ein gepflegtes Schulterzucken ist. In den ersten zwei Sätzen fallen hier ganz lässig die Namen MC5, The Stooges, Black Sabbath, The Pixies, Nirvana und Sonic Youth. Im weiteren Verlauf werden unter anderen noch Velvet Underground und die Beatles erwähnt. Ja, klar.

Mit gemischten Gefühlen wird also "Fall of the plastic empire" in den Player geschoben. Die ersten Namen, die dem Zuhörer durch den Kopf schießen, sind The Who und Blues Explosion. Und tatsächlich, hier scheint etwas ganz Großes auf uns zuzukommen. Außer vielleicht Black Sabbath steht jede der erwähnten Bands mit voller Berechtigung auf der Liste des Marketingschreibers. Die Burning Brides sind einer der seltenen Fälle, in denen die Werbeabteilung nicht mühsam ein paar große Referenzen an den Haaren herbeizerren muß. Die Paten dieser Mixtur aus Garage und molliger Harmonie, diesem Bastard aus Rotz, Schweiß und lieblichen Parfumnoten stehen Schlange, um auf der Geburtsurkunde dieses neuen Kindes erwähnt zu werden. Endlich mal eine Blage, für die man sich nicht mal ansatzweise schämen muß.

Hell lodert die Flamme der Burning Brides, wenn sie das "Plastic empire" einschmelzen, so hell, daß es schwerfällt, in all dem Glanz noch Highlights auszumachen. "Elevator" zum Beispiel, das an grandiose Momente eines Kurt Cobain erinnert, ohne Nirvana plump abzukupfern. Oder "Artic snow", das mit Harmonien spielt, die Jon Spencer nur vom Hörensagen kennt, das aber Sounds benutzt, zu denen Paul McCartney nie den Mut gefunden hat. Iggy Pop hat so filigrane Linien wie in "Rainy days" nie hinbekommen, und auch Krachmeister aus der BluBox-Ecke dürfen bei "Fall of the plastic empire" die Ohren weit aufsperren. Es hört sich an, als ob eine ganze Horde hochkarätiger Lehrmeister aus den unterschiedlichsten Ecken der populären, vor allem aber der geschmackvollen Musik sich darangemacht hätten, ein Universalgenie auszubilden.

Interessant ist dabei, wie die Burning Brides mit den teils sehr widersprüchlichen Lehrmeinungen ihrer Ausbilder umgehen. Schon etliche Künstler haben mit dieser Palette teils bunte, teils imponierende Kollagen geschaffen. Die brennenden Bräute aber benutzen die verschiedenen Materialien als Chemie-Baukasten. Sie wollen nicht einfach nur vermischen, sie wollen die chemische Reaktion. Aus zwei Dingen etwas Drittes entstehen lassen, etwas das die beiden Ausgangsstoffe in sich trägt und das doch komplett verschieden von ihnen ist. Vielleicht erklärt das auch, warum es hier allenthalben kräftig kracht. Nur der Chemie-typische Gestank bleibt aus. Der Geruch ist ungewohnt, aber durchweg angenehm und wohltuend.

Man möchte dem Schicksal auf Knien danken, das es den Theaterschaupieler Dimitri Coats und die Tänzerin Melanie Campbell zusammengeführt hat. Man ist froh, daß die beiden in ihrem Frust über ihre Jobs das Musizieren angefangen haben. Vor allem aber darf man glücklich sein, daß "Fall of the plastic empire" den Weg auf den europäischen Markt gefunden hat. 2001 erschien das Album bereits auf dem amerikanischen Kleinstlabel "File 13", war bald darauf vergriffen. Das verspätete Erscheinen in unseren Gefilden ist ein echter Glücksfall. Und hoffentlich der Beginn einer wunderbaren Freunschaft.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • Arctic snow
  • Rainy days
  • Blood on the highway
  • Plastic empire

Tracklist

  1. Plank of fire
  2. Glass slipper
  3. If I'm a man
  4. Arctic snow
  5. At the levity ball
  6. Stabbed in the back of my heart
  7. Rainy days
  8. Elevator
  9. Blood on the highway
  10. Plastic Empire
  11. See you empy (bonus)

Gesamtspielzeit: 36:39 min.

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