Sasquatch - Maneuvers

Sasquatch- Maneuvers

Mad Oak
VÖ: 20.06.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Bewährtes Manöver

Boom! Mit einem lauten Knall durchbricht der Düsenjäger die Schallmauer. Lauter geht es kaum, auch wenn der Pilot selbst mit weit mehr als 340 Metern in der Sekunde so schnell unterwegs ist, dass er seinen eigenen Krach gar nicht mehr hören kann. Ist das der Grund für die Wahl des Titelmotivs für Sasquatchs neues Album? Der Krach, den ein Düsenjäger macht? Das Adrenalin, das ausgeschüttet wird wenn der Körper mit Mach 1 durch den Himmel schießt? Auf jeden Fall löst das Cover Gedanken an das Extreme aus und erscheint nach dem Hören von "Maneuvers" auch sehr passend: Laut ist dieses Album auf jeden Fall, mitreißend ebenfalls und manche Songs heben mit großen Melodiebögen auch förmlich ab, nur erreichen sie nicht ganz Schallgeschwindigkeit. Das muss aber auch gar nicht sein, schließlich würde man dann ja nichts mehr von der Musik mitbekommen.

Der Pilot mit Atemmaske, der das Cover ziert, ruft natürlich die Erinnerung an Black Sabbaths "Never say die" hervor. Sicher nicht die schlechteste Assoziation, die das Titelbild einer Stoner-Rock-Platte auslösen kann. Immerhin gelten Black Sabbath ja gemeinhin als Erfinder so einiger Spielarten des Rock und Stoner-Rock gehört ganz sicher in diese Reihe. Blöd nur, dass "Maneuvers" in Europa nicht regulär vertrieben wird, sondern nur auf Tour oder online erworben werden kann. Darum wird diese visuelle Huldigung wohl auch keinen Kenner ikonischer Grafiken zu einem Spontankauf im örtlichen Elektrofachmarkt bewegen können. Da der Flugverkehr am Himmel der Neuveröffentlichungen aber fleißig vom Plattentests.de-Tower aus überwacht wird, bleibt das äußerst gelungene "Maneuvers" glücklicherweise, trotz mieser Vertriebspolitik, nicht unter dem Radar.

Fuzz und Bass, Groove und meterdicke Gitarrenriffs – mehr braucht es eigentlich nicht für guten Stoner. Sasquatch liefern genau das! Das Trio versucht in keiner Sekunde von "Maneuvers" das Genre voranzubringen oder seine Musik mit anderen Stilen zu verweben, nein, Sasquatch sind so gesehen eine sehr konservative Band. Aber so simpel ihre Musik auch sein mag und so sehr diese sich auf bereits Dagewesenes stützt, und auf Experimente weitestgehend verzichtet – sie ist kurzweilig, laut und sensationell kraftvoll. Kurzum: Sie klingt einfach fett. Der Opener "Rational woman" fast das Prinzip des Albums gut zusammen. Ohne Kompromisse werden tiefe Riffs aneinandergereiht, getragen von einer tighten Rhythmusgruppe rollen die Gitarren wie tonnenschwere Trucks durch den Raum. Der Gesang füllt darüber genau den Frequenzbereich auf, den die fuzzigen Gitarren aussparen. Energiegeladen und mit einigen spannenden Melodien im Gepäck wertet Keith Gibbs' Gesang die Tracks noch einmal richtig auf. Weiträumige Intervalle und lange Notenwerte lassen manche Refrains beinahe hymnisch anmuten.

So richtig zur Ruhe kommen Sasquatch auf "Maneuvers" nie. Entspannung wird dem Hörer eher in Form von langsameren, bluesigeren Songs vergönnt. In "Just couldn't stand the weather" beispielsweise: Hier wird das Tempo ordentlich zurückgefahren, der Groove übernimmt die Hauptrolle und eine E-Orgel sorgt für ein gewisses Seventies-Blues-Rock-Flair – sehr sympathisch und zudem authentisch kommen solche kleinen Referenzen an die großen Rockbands dieser Zeit daher. Treibende und zurückgenommene Stücke geben sich mehr oder minder die Klinke in die Hand, Langeweile kommt mit "Maneuvers" zu keinem Zeitpunkt auf. Wenn man wollte, könnte man Sasquatch vorwerfen, dass ihr Stil sich auf sehr wenige Elemente beschränkt, welche man ohne Zweifel schon tausendfach gehört hat. Man kann aber genauso gut die Konsequenz feiern, mit welcher die Kalifornier ihr Ding durchziehen. Sasquatch haben die richtigen Komponenten des Genres zur Imitation auserkoren – nämlich diejenigen, die auch beim zigsten Hören noch genauso pumpen und mitreißen wie beim ersten Mal: Ein sehr angenehmes Déjà-vu.

(Christopher Padraig ó Murchadha)

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Highlights

  • Rational woman
  • Just couldn't stand the weather
  • Anyway

Tracklist

  1. Rational woman
  2. More than you'll ever be
  3. Destroyer
  4. Bringing me down
  5. Just couldn't stand the weather
  6. Drown all the evidence
  7. Anyway
  8. Lude
  9. Window pain

Gesamtspielzeit: 38:21 min.

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MasterOfDisaster69

Postings: 436

Registriert seit 19.05.2014

2017-08-01 19:29:40 Uhr
Sehr gut. Auch die Rezension.
Gerade auf Tour !
http://www.sasquatchrock.us/

7/10

Armin

Postings: 14507

Registriert seit 08.01.2012

2017-07-26 23:22:36 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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